Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Umwelt’

bee-3348973_1920Der BAYER-Konzern wird die Dosierempfehlung für das Pestizid Sivanto nicht anpassen. Ein Sprecher des Konzerns sagte gegenüber dem DECHEMA-Newsletter, das Mittel sei bei sachgerechter Anwendung für Bienen sicher. Die Dosen, die in einer jüngst veröffentlichten Studie der Uni Würzburg verwendet wurden, entsprächen „nicht der landwirtschaftlichen Praxis“.

Es lohnt sich, den Fall der Reihe nach anzuschauen: Flupyradifuron stammt aus der Gruppe der Butenoloide. Es bindet sich an die Rezeptoren der Nervenzellen von Insekten und stört dadurch die Weiterleitung von Nervenreizen. Eigentlich gilt es als bienenfreundlicher, als Neonikotinoide, die bisher zum Einsatz kamen und von denen die EU am vergangenen Freitag drei Wirkstoffe verboten hatte.

Lernblockaden bei Bienen

Jetzt haben die Würzburger Wissenschaftler aber doch einen unschönen Effekt von Flupyradifuron gefunden. Grob gesagt kommt ihre Studie zu dem Ergebnis, dass ab einer bestimmten Dosis der Wirkstoff dafür sorgt, dass sich Bienen nicht mehr so gut merken können, was sie am Tag vorher gelernt haben. Das wäre schlecht: ein Bienenvolk ist für sein Überlegen schlicht und einfach darauf angewiesen, nicht jedes Mal aufs Neue den Weg zu den besten Blüten zu suchen.

Die Würzburger Wissenschaftler haben offenbar bewusst eine zu hohe Dosis für ihre Studie genommen – aber warum?

Um darauf eine mögliche Antwort zu bekommen, muss man etwa zehn Jahre zurückschauen. 2008 starben im baden-württembergischen Rheintal 11.500 Bienenvölker. Jemand hatte Mais mit einer zu hohen Dosis eines Neonicotinoids behandelt. Weil das Saatgut außerdem nicht sachgerecht gebeizt worden war, entstand beim Ausbringen eine riesige Staubwolke aus Insektengift. Die Folge: ein massenhaftes Bienensterben.

Viele Fragen offen

Die Würzburger Wissenschaftler sagen zwar auch, dass bei einem bestimmungemäßen Gebrauch die Bienen nicht mit einer zu hohen Dosis von Flupyradifuron in Berührung kämen. Dennoch sind für sie noch eine Reihe von Fragen offen: Wie verträgt sich der Wirkstoff mit anderen Pestiziden? Wie wirkt er bei anderen Bestäubern? Hat er neben dem Lernverhalten auch Folgen für Motorik und Orientierung?

Was bleibt, ist also ein Auftrag an Wissenschaft, Wirtschaft und Politik: Es muss so schnell wie möglich mehr auf diesem Gebiet geforscht werden. Denn wenn man auf der einen Seite bestimmte Pestizide verbietet und den Landwirten damit Instrumente für ihre Arbeit wegnimmt, sollte man sie nicht ohne Alternativen im Regen stehen lassen. Jedenfalls nicht mit einer Alternative, bei der so viele Punkte offen sind.

Sie finden diese Nachricht interessant? Dies und mehr finden Sie im DECHEMA-Themennewsletter Biotechnologie und Bioökonomie – wöchentlich, kompakt und gebündelt. Melden Sie sich hier an http://dechema.de/nl_bio.html

Und wenn Bioökonomie nicht Ihr Thema ist – unsere Newsletter gibt es auch für Chemische Technik und Chemie, Energie/Rohstoffe/Wasser und Pharma/Medizintechnik – abonnieren Sie sie hier kostenlos und unverbindlich.

Advertisements

Read Full Post »

Das Designkonzept “Cradle to cradle”, wörtlich “von der Wiege zur Wiege”, wurde in den 1990er Jahren unter anderem von dem deutschen Chemiker Michael Braungart entwickelt. Der Kern: Alle Produkte werden so konzipiert, dass die Materialien potentiell unendlich im Kreislauf geführt werden können. Dafür werden zwei Kreisläufe unterschieden: Verbrauchsgüter, die beispielsweise wie Kleidung oder Verpackungen einem Verschleiß unterliegen, sind im biologischen Kreislauf angesiedelt. Nach Gebrauch werden sie kompostiert und liefern damit die Ausgangsbasis für neue biobasierte Produkte. Produkte der „Technosphäre“ sind Gebrauchsgüter. Ihr Material wird nach Gebrauch verlustfrei zurück gewonnen und im Idealfall unendlich oft verwendet – das von Michael Braungart gegründete EPEA spricht auf seiner Webseite von einem technischen „Metabolismus“ analog zu den biologischen Systemen. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die Rückführung der Produkte lückenlos gelingt. Dafür sieht das Konzept vor, dass die Hersteller Eigentümer der Produkte bleiben. Sie verkaufen also nicht eine Waschmaschine, sondern eine Anzahl von Waschgängen und nehmen das Gerät dann zurück. Im Unterschied zum klassischen Recycling sollen die Materialien außerdem absolut schadstofffrei sein, so dass sie sich rückstandslos wiederverwerten lassen.

Im Unterschied zu vielen anderen Konzepten, die sich auf „Fußabdrücke“ oder Nachhaltigkeitskriterien orientieren, sieht Crade-to-cradle keine Einschränkung des Konsums vor – im Gegenteil: Michael Braungart kritisiert die jüngste Studie des Umweltbundesamtes zur Obsoleszenz, weil sie zu sehr auf Langlebigkeit fokussiere und lange Haltbarkeit von Produkten Innovationen verhindere.

Kritiker des Cradle-to-cradle-Konzepts weisen darauf hin, dass es bisher nur sehr punktuell umgesetzt werden kann. Alleine der Ersatz für Zusatzstoffe in Materialien erfordert einen erheblichen Forschungs- und Entwicklungsaufwand. Im Spannungsfeld zwischen „Design für Funktion“ und „Design für Cradle-to-cradle“ sind Lösungen schwer auffindbar.

Wollen Sie mehr über Cradle-to-Cradle erfahren und mit Michael Braungart diskutieren? Dann kommen Sie zum DECHEMA-Tag am 1. Juni 2016. Mitglieder und Interessierte sind herzlich eingeladen.

Read Full Post »