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Posts Tagged ‘Umwelt’

Nun ist es amtlich: In Gewässern in Niedersachsen sind neben  Antibiotika-Resten nun auch antibiotikaresistente Keime zu finden. Das ist das Zwischenergebnis einer landesweiten Untersuchung, die das niedersächsische Umweltministerium nach Presseberichten Anfang des Jahres in Auftrag gab. Vor allem im Zu- und Ablauf von Kläranlagen treten demnach erhöhte Konzentrationen von Antibiotika-Rückständen auf. Antibiotikaresistente Keime wurden sowohl rund um Kläranlagen als auch in Oberflächengewässern gefunden. Zwar können akute Gesundheitsgefahren für die Allgemeinbevölkerung weitgehend ausgeschlossen werden. Dennoch bestätigen die jetzigen Funde erneut eine Besorgnis erregende Beobachtung: Neue Produkte, veränderte Lebensgewohnheiten, aber auch Einflüsse wie der demographische Wandel führen dazu, dass neue Spurenstoffe in den Wasserkreislauf gelangen, die mit den bisherigen Methoden der Abwasserreinigung nicht entfernt werden können. Im Anschluss an die BMBF-Fördermaßnahme zu Spurenstoffen und Krankheitserregern im Wasserkreislauf – RiSKWa hat der Bund Ende 2016 eine Spurenstoff-Strategie ins Leben gerufen. In einer ersten Phase wurden im Dialog mit zahlreichen Stakeholdern Empfehlungen formuliert, an deren Konkretisierung derzeit gearbeitet wird. Erste Ergebnisse sollen Anfang 2019 vorliegen.

Gleichzeitig fordert das Umweltbundesamt seit längerem die Nachrüstung von Kläranlagen. Um eine solche – kostspielige – Nachrüstung angehen zu können, muss allerdings zunächst einmal klar sein, um welche Spurenstoffe es geht, in welchen Konzentrationen sie vorliegen, welche Risiken von ihnen ausgehen und wie sie wirkungsvoll entfernt werden können. Diese und weitere Untersuchungen waren Bestandteil der BMBF-Fördermaßnahme RiSKWa, die über 5 Jahre in insgesamt 12 Verbundprojekten die Quellen von neuen Spurenstoffen und Krankheitserregern, Messmethoden, Risiken und Technologien zur Abwasserreinigung erforschte. „Mit RiSKWa haben wir ein umfassendes Bild gewonnen und belastbare Lösungsansätze erarbeitet, die als Grundlage für weitere Maßnahmen dienen können“, sagt Dr. Thomas Track, Themensprecher Wassermanagement bei der DECHEMA. Dazu gehört auch, die Herkunft der Spurenstoffe besser zu verstehen – denn wenn man den Eintrag ins Wasser an der Quelle minimieren kann, sind aufwändige Nachrüstungen in der Wasseraufbereitung vielleicht gar nicht notwendig. Eines der unmittelbaren Ergebnisse von RiSKWa war daher eine Kampagne in Richtung der Verbraucher, Arzneimittelreste richtig und nicht über die Toilette zu entsorgen: Die Web-Anwendung www.arzneimittelentsorgung.de verzeichnet seit ihrem Start in 2015 stetig steigende Nutzerzahlen.

Mehr zu den neuesten Erkenntnissen, zum aktuellen Stand der Spurenstoff-Strategie und zu laufenden Projekten erfahren Wissenschaftler, Vertreter von Industrie und Behörden sowie Akteure der kommunalen Wasserversorgung bei der Konferenz „Spurenstoffe und Krankheitserreger im Wasserkreislauf“ am 23. und 24. Oktober in Frankfurt – melden Sie sich jetzt an und diskutieren Sie mit!

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nano-184187_1280Nanomaterialien haben längst Einzug in den Alltag gehalten. Ob als Bestandteil von Sonnencreme, im Handyakku, als Textilbeschichtung oder beim Einsatz in der Pharmazie, die besonderen Eigenschaften der winzigen Teilchen machen manches moderne Produkt überhaupt erst möglich. Dennoch flammen in der Öffentlichkeit immer wieder Diskussionen über die Sicherheit von Nanomaterialien auf. Die Wissensplattform „DaNa“ hat sich seit Jahren zur Aufgabe gemacht, zuverlässige Informationen über verschiedene Nanomaterialien, ihren Einsatz und ihre Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zur Verfügung zu stellen. In diesem Kontext hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung nun eine neue Broschüre „Nanomaterialien im Alltag“ herausgegeben. Sie beschreibt nicht nur allgemeinverständlich, warum „nano“ so besonders ist und in welchen Produkten Nanomaterialien zu finden sind. Auch Forscher kommen zu Wort: In Kurzinterviews erklären sie u.a., warum es so schwierig ist, die Exposition zu messen, welche Rückschlüsse Tests an Zellkulturen auf die Wirkung im Körper zulassen, wie sich Carbon-Nanotubes in der Produktion gefahrlos einsetzen lassen oder wie man Nanopartikel im Körper aufspürt. Auch Informationen zur Risikobewertung und zur Regulierung von Nanomaterialien finden sich in der Publikation.

Die Broschüre kann unter https://www.bmbf.de/pub/Nanomaterialien_im_Alltag.pdf kostenfrei heruntergeladen werden.

Informieren Sie sich über die aktuellsten Erkenntnisse aus der Nanotoxikologie-Forschung und treffen Sie internationale Experten bei der NanoTox 2018 – 9th International Conference on Nanotoxicology, 18. – 21. September 2018. Mehr unter http://nanotox2018.org/

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bee-3348973_1920Der BAYER-Konzern wird die Dosierempfehlung für das Pestizid Sivanto nicht anpassen. Ein Sprecher des Konzerns sagte gegenüber dem DECHEMA-Newsletter, das Mittel sei bei sachgerechter Anwendung für Bienen sicher. Die Dosen, die in einer jüngst veröffentlichten Studie der Uni Würzburg verwendet wurden, entsprächen „nicht der landwirtschaftlichen Praxis“.

Es lohnt sich, den Fall der Reihe nach anzuschauen: Flupyradifuron stammt aus der Gruppe der Butenoloide. Es bindet sich an die Rezeptoren der Nervenzellen von Insekten und stört dadurch die Weiterleitung von Nervenreizen. Eigentlich gilt es als bienenfreundlicher, als Neonikotinoide, die bisher zum Einsatz kamen und von denen die EU am vergangenen Freitag drei Wirkstoffe verboten hatte.

Lernblockaden bei Bienen

Jetzt haben die Würzburger Wissenschaftler aber doch einen unschönen Effekt von Flupyradifuron gefunden. Grob gesagt kommt ihre Studie zu dem Ergebnis, dass ab einer bestimmten Dosis der Wirkstoff dafür sorgt, dass sich Bienen nicht mehr so gut merken können, was sie am Tag vorher gelernt haben. Das wäre schlecht: ein Bienenvolk ist für sein Überlegen schlicht und einfach darauf angewiesen, nicht jedes Mal aufs Neue den Weg zu den besten Blüten zu suchen.

Die Würzburger Wissenschaftler haben offenbar bewusst eine zu hohe Dosis für ihre Studie genommen – aber warum?

Um darauf eine mögliche Antwort zu bekommen, muss man etwa zehn Jahre zurückschauen. 2008 starben im baden-württembergischen Rheintal 11.500 Bienenvölker. Jemand hatte Mais mit einer zu hohen Dosis eines Neonicotinoids behandelt. Weil das Saatgut außerdem nicht sachgerecht gebeizt worden war, entstand beim Ausbringen eine riesige Staubwolke aus Insektengift. Die Folge: ein massenhaftes Bienensterben.

Viele Fragen offen

Die Würzburger Wissenschaftler sagen zwar auch, dass bei einem bestimmungemäßen Gebrauch die Bienen nicht mit einer zu hohen Dosis von Flupyradifuron in Berührung kämen. Dennoch sind für sie noch eine Reihe von Fragen offen: Wie verträgt sich der Wirkstoff mit anderen Pestiziden? Wie wirkt er bei anderen Bestäubern? Hat er neben dem Lernverhalten auch Folgen für Motorik und Orientierung?

Was bleibt, ist also ein Auftrag an Wissenschaft, Wirtschaft und Politik: Es muss so schnell wie möglich mehr auf diesem Gebiet geforscht werden. Denn wenn man auf der einen Seite bestimmte Pestizide verbietet und den Landwirten damit Instrumente für ihre Arbeit wegnimmt, sollte man sie nicht ohne Alternativen im Regen stehen lassen. Jedenfalls nicht mit einer Alternative, bei der so viele Punkte offen sind.

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Das Designkonzept “Cradle to cradle”, wörtlich “von der Wiege zur Wiege”, wurde in den 1990er Jahren unter anderem von dem deutschen Chemiker Michael Braungart entwickelt. Der Kern: Alle Produkte werden so konzipiert, dass die Materialien potentiell unendlich im Kreislauf geführt werden können. Dafür werden zwei Kreisläufe unterschieden: Verbrauchsgüter, die beispielsweise wie Kleidung oder Verpackungen einem Verschleiß unterliegen, sind im biologischen Kreislauf angesiedelt. Nach Gebrauch werden sie kompostiert und liefern damit die Ausgangsbasis für neue biobasierte Produkte. Produkte der „Technosphäre“ sind Gebrauchsgüter. Ihr Material wird nach Gebrauch verlustfrei zurück gewonnen und im Idealfall unendlich oft verwendet – das von Michael Braungart gegründete EPEA spricht auf seiner Webseite von einem technischen „Metabolismus“ analog zu den biologischen Systemen. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die Rückführung der Produkte lückenlos gelingt. Dafür sieht das Konzept vor, dass die Hersteller Eigentümer der Produkte bleiben. Sie verkaufen also nicht eine Waschmaschine, sondern eine Anzahl von Waschgängen und nehmen das Gerät dann zurück. Im Unterschied zum klassischen Recycling sollen die Materialien außerdem absolut schadstofffrei sein, so dass sie sich rückstandslos wiederverwerten lassen.

Im Unterschied zu vielen anderen Konzepten, die sich auf „Fußabdrücke“ oder Nachhaltigkeitskriterien orientieren, sieht Crade-to-cradle keine Einschränkung des Konsums vor – im Gegenteil: Michael Braungart kritisiert die jüngste Studie des Umweltbundesamtes zur Obsoleszenz, weil sie zu sehr auf Langlebigkeit fokussiere und lange Haltbarkeit von Produkten Innovationen verhindere.

Kritiker des Cradle-to-cradle-Konzepts weisen darauf hin, dass es bisher nur sehr punktuell umgesetzt werden kann. Alleine der Ersatz für Zusatzstoffe in Materialien erfordert einen erheblichen Forschungs- und Entwicklungsaufwand. Im Spannungsfeld zwischen „Design für Funktion“ und „Design für Cradle-to-cradle“ sind Lösungen schwer auffindbar.

Wollen Sie mehr über Cradle-to-Cradle erfahren und mit Michael Braungart diskutieren? Dann kommen Sie zum DECHEMA-Tag am 1. Juni 2016. Mitglieder und Interessierte sind herzlich eingeladen.

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