Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Spurenstoffstrategie’

Antibiotikaresistente Keime und andere Spurenstoffe stellen die Wasserwirtschaft vor neue Herausforderungen und spielen auch in Politik und Gesellschaft zunehmend eine Rolle. Mit welchen Strategien Wissenschaft, Wasserwirtschaft und Ministerien reagieren, wurde vor kurzem in Frankfurt diskutiert.

Neue Produkte, veränderte Lebensgewohnheiten, aber auch Einflüsse wie der demographische Wandel führen dazu, dass Spurenstoffe in den Wasserkreislauf gelangen, die mit konventionellen Methoden der Abwasserreinigung nicht oder nur unzureichend entfernt werden können. Längst ist die Diskussion über antibiotikaresistente Keime in Oberflächengewässern in der Öffentlichkeit angelangt.

P1100442

Ziel der Auftaktveranstaltung in der zweijährlich stattfindenden Reihe „SUK“ war es, an der Schnittstelle von Forschung und Praxis den Dialog zu neuen Ansätzen für die Praxis zu führen, über erste Erfahrungen zu berichten, aber auch künftige Herausforderungen zu identifizieren und Lösungsansätze in ihrer Entwicklung zu unterstützen.

Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit von Forschung, Industrie und Politik, und sie zeitigt Ergebnisse. Wie groß der Erkenntnis- und Erfahrungszuwachs mit Blick auf Spurenstoffe, Krankheitserreger und Antibiotikaresistenzen über die letzten Jahre war, diskutierten rund 130 Fachleute aus Forschung, Wasser- und Abwasserwirtschaft, Industrie und Behörden bei der ersten Tagung „Spurenstoffe und Krankheitserreger im Wasserkreislauf“.

Das Spektrum reichte von der Analytik und Bewertung bis zur Wasserreinigung und Vermeidung von Kontaminationen. Auch die politischen und wasserwirtschaftlichen Rahmenbedingungen kamen zur Sprache.

Analytik und Bewertung: Bedarf nach Schnelltests bleibt

Wer mit Spurenstoffen in kommunalen Wasserkreisläufen konfrontiert ist, erfährt beim DECHEMA-Kurs am 14. Februar 2019 mehr über die Bewertung, Lösungsansätze zur Entfernung und gesetzliche Rahmenbedingungen. Dabei stehen praxisnahe Fragestellungen im Mittelpunkt.

Die Bedeutung von Non-target Analytik und ergänzende öko- und humantoxikologische Bewertung wurde auf der Konferenz besonders hervorgehoben. Vor allem für sehr polare und persistente Spurenstoffe bedarf es nach wie vor besserer Nachweismethoden. In Bezug auf Pathogene und antibiotikaresistente Keime wurde die Nutzung von Mikroarrays und molekularbiologischen Untersuchungen vorgestellt. Ein großes Thema sind Schnelltests und die Frage deren Umsetzung.

In der Bewertung werden, ergänzend zur klassischen Untersuchung über ökotoxikologische Tests, Modelle und Simulationen immer wichtiger und hilfreicher, insbesondere aufgrund der Vielzahl an Stoffen. Dr. Tamara Grummt vom Umweltbundesamt stellte Bewertungsansätze aus RiSKWa vor und skizzierte zukünftige Entwicklungen in diesem Bereich.

Die 4. Reinigungsstufe

Die Ozonung als Teil einer 4. Reinigungsstufe kann neben Spurenstoffen auch Pathogene, Keime und Antibiotikaresistenzen minimieren. Die Behandlung mit Pulveraktivkohle erwies sich ebenfalls als sehr effektiv bei der Reduktion von Spurenstoffen, wodurch sich im empfindliche Organismen im Gewässer wieder ansiedelten. Prof. Dr. Martin Exner vom Universitätsklinikum Bonn legte den Fokus besonders auf den Umgang mit Antibiotikaresistenzen. Insbesondere Krankenhäuser sind für die Ausbreitung von antibiotikaresistenten Keimen verantwortlich. Handlungsbedarf besteht dabei im Umfeld der Abwasserinstallationen mit direkter Exposition und bei Kliniken welche den Abwasseranteil in der Vorflut maßgeblilch erhöhen. Für den Rückhalt von Pathogenen und Resistenzgenen sind in der Abwasserbehandlung Membranbioreaktoren mit einer verbesserten Rückhalte-/Abbauleistung und reduzierten Kosten auf dem Vormarsch. Membrantechnologie wurde als die effizienteste Methode zum Rückhalt von Pathogenen und Resistenzgenen vorgestellt.

Verbraucher einbinden

Dass die Themen Spurenstoffe, Krankheitserreger und Antibiotikaresistenzen auch in einer zunehmend sensibilisierten Gesellschaft präsent sind machte Dr. Thomas Track in seiner Einführung am Beispiel der Webanwendung www.arzneimittelentsorgung.de deutlich, die aus der BMBF-Fördermaßnahme RiSKWA entstanden ist: etwa 200.000 mal haben sich Verbraucher seit dem Start in 2015 dort über die lokal empfohlenen Wege zur richtigen Entsorgung von Arzneimittelresten informiert.

Um mit den neuen Herausforderungen umzugehen, hat der Bund 2017 eine Spurenstoffstrategie ins Leben gerufen, die alle Stakeholder einbinden soll. Über denaktuellen Stand und das weitere Vorgehen berichtete Dr. Jörg Wagner vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit auf der SUK2018. Weiterhin wurden Maßnahmen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg vorgestellt und die Problematik des hohen Abwasseranteils in manchen Flüssen, insbesondere in diesem trockenen Jahr 2018 und der Einfluss auf die Trinkwassergewinnung, thematisiert.
Dr.-Ing Thomas Hillenbrand vom Fraunhofer ISI und Beate Zedler vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz stellten die Spurenstoffstrategie im Hessischen Ried mit ihren vielfältigen Handlungsansätzen vor.

Der fachliche Dialog rund um das Themenfeld Spurenstoffe, Krankheitserreger und Antibiotikaresistenzen im Wasserkreislauf wird auf der SUK2020 im DECHEMA-Haus, Frankfurt am Main fortgesetzt.

Sie wollen den nächsten Termin nicht verpassen? Abonnieren Sie den DECHEMA-Themennewsletter Energie, Wasser, Rohstoffe und bleiben Sie stets auf dem Laufenden.

Advertisements

Read Full Post »