Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Sicherheit’

Hand aufs Herz: wissen Sie, ob Ihr Unternehmen oder Ihre Organisation von Force Majeure betroffen sein könnte? Und was wäre in so einem Fall zu tun?

Hinter Force Majeure, einem Begriff, der so unscheinbar und schon fast charmant französisch klingt, verbirgt sich ein Krisenfall, der ein Unternehmen oder Institution allen Vorbeugemaßnahmen zum Trotz ereilen kann. Umgangssprachlich bekannt als „höhere Gewalt“, umfasst der Begriff Naturkatastrophen, aber auch Brände, Bürgerkriege, Geiselnahmen und Sabotagen – kurz gesagt, Ereignnise, die unvorhergesehen und ohne Ihr eigenes Verschulden die Produktionskette in Ihrem Betrieb unterbrechen können.

In der deutschen Rechtssprechung gehört Force Majeure zum Zivilrecht. Nach §275 BGB sind Vertragspartner von der Leistungspflicht freigestellt, soweit die Erbringung der Leistung für den Schuldner oder für jedermann unmöglich ist. Im englischsprachigen Raum lassen sich Force-Majeure-Fälle weniger einfach regeln. Das dort herrschende Common Law befreit den Lieferanten nicht von seiner Leistungspflicht und sieht unter Umständen Schadensersatzansprüche vor.

https://dechema.de/krisenmanagement.html

Kein allgemeinverbindlicher Standard

Jedes Unternehmen muss für sich klären, wann tatsächlich Force Majeure ausgerufen werden muss. Damit man sich auf Force Majeure berufen kann, muss die Kommunikation „unverzüglich, ohne schuldhaftes Zögern“ erfolgen. Das schließt aber nicht aus, dass zunächst geprüft wird, ob eine Ersatzproduktion oder –lieferung möglich ist. Könnte Ihr Unternehmen von Force Majeure betroffen sein, sollten Sie bereits im Vorfeld festlegen, welche Prüfschritte vorzunehmen sind und bis wann spätestens die Entscheidung über die Mitteilung von Force Majeure gefällt werden muss.

Ist es dann soweit, müssen die Kunden umgehend und sachlich informiert werden – und falls der Kunde seinerseits Verpflichtungen erfüllen kann, muss er wiederum seine Kunden informieren.

Gute Vorbereitung zählt

Force Majeure ist ein Krisenfall, auf den man sich gut vorbereiten kann. Zur Vorbereitung gehört die Definition des Force-Majeure-Falls und ein Force-Majeure-Handbuch, das Abläufe und Verantwortlichkeiten regelt. Um die Folgen einer Force Majeure gut zu managen, bedarf es aber auch Kenntnissen nicht nur über die eigenen Produkte, sondern auch die Kunden und deren Prozesse und Märkte.


Mehr über den Umgang mit Force Majeure und mit vielen anderen Krisen erfahren Sie beim DECHEMA-PRAXISforum Krisenmanagement am 3. und 4. Juni in Frankfurt. Werden Sie fit für die Krise und melden Sie sich jetzt an!

Read Full Post »

Welche Krise könnte Sie in Ihrem beruflichen Umfeld ereilen? Ein Brand in der Produktion, ein Unfall im Labor, eine Cyberattacke auf Ihre Daten? Wissen Sie, was dann zu tun ist? Krisen kommen plötzlich – gut, wenn man dann vorbereitet ist.

Die gute Nachricht: Man kann sich auf Krisen vorbereiten und es gibt ein „Standardinstrumentarium“, das einem dabei hilft.

Dabei ist es nützlich, sich zuallererst zu überlegen, was der schlimmste Fall ist, der das eigene Unternehmen oder den eigenen Bereich treffen kann: Können extreme Wetterereignisse zu Schäden an Gebäuden oder Einrichtungen führen oder die Produktion gefährden, weil beispielsweise aufgrund von Niedrigwasser keine Rohstoffanlieferung mehr möglich ist? Welche Auswirkungen hätte menschliches Versagen oder ein technischer Effekt? Und was passiert, wenn ein Virus oder ein gezielter Hackerangriff Ihre IT-Systeme lahmlegt?

So unterschiedlich diese Einzelfälle auch sind, eine Krise kann jeden treffen. Und dann ist umgehende Reaktion gefragt. Zugegeben, auch mit bester Vorbereitung lässt sich nicht verhindern, dass es zur Krise kommt. Aber der Umgang damit entscheidet, welche Auswirkungen sie haben wird.

Krisen sind Führungsaufgabe

Als Geschäftsführer, Betriebs- oder Laborleiter oder Kommunikationsverantwortlicher sind Sie im Krisenfall gefragt. Letztlich können Sie die Verantwortung dafür als Führungskraft auch nicht delegieren. Sie können aber dafür sorgen, dass bereits im Vorfeld jeder in der Organisation weiß, welche Rolle ihm zukommen. Wer ist Teil des Krisenstabs, und welche Aufgaben übernimmt er dort? Wer hält Kontakt zu Behörden, zur Feuerwehr, zur Presse – all dies lässt sich bereits im Vorfeld festlegen, ebenso wie die Frage, wo der Krisenstab sich trifft und welche Ausstattung für den Raum notwendig ist.

Tipp: Entwickeln Sie ein mögliches Krisenszenario für Ihre Organisation und spielen Sie es mit einem Krisenstab einmal durch – dabei erkennen Sie sehr schnell, welche Rollen, Informationen und Kommunikationsströme kritisch werden können.

Das Krisen-Instrumentarium

Egal, wie klein oder groß Ihr Krisenszenario aussieht, ein Krisenhandbuch ist unverzichtbar. Ob es gedruckt oder digital vorliegt, spielt keine Rolle (allerdings sollte es auch dann noch zugänglich sein, wenn es der Standardserver nicht mehr ist). Fortlaufend aktualisiert, enthält es Kontakt- und Telefonlisten, Verhaltensregeln, Rollen, Aufgaben und Abläufe und weitere relevante Informationen.

(mehr …)

Read Full Post »

„Giftige Rußwolken über Lippstadt“ – „Brand bei Chemieunternehmen in Lingen“ – Große Brandereignisse sind in Industrieanlagen glücklicherweise eher selten. Doch wenn sie eintreten, können die Auswirkungen immens sein.

fire-165575_1920.jpg„Ein Blick auf die Liste der meldepflichtigen Ereignisse der letzten Jahre in Deutschland lässt sehr schnell deutlich werden, dass nach der Stofffreisetzung Feuer die häufigste Schadensursache ist. Legt man jedoch das finanzielle Schadensausmaß als Orientierungskriterium fest, stehen Brandereignisse in den letzten beiden Jahrzehnten unumstritten an erster Stelle als Ursachen für Großschäden. Dies ist auch dadurch begründet, dass als Konsequenz des Anlagenschadens oft auch ein Produktionsausfall und dadurch unter Umständen sogar ein Verlust von Kunden und Marktanteilen zu berücksichtigen sind“, sagt Guido Wehmeier, Leiter EHS & Werkinfrastruktur, BASF Lampertheim GmbH. Und auch in der öffentlichen Wahrnehmung spielen Brandereignisse eine große Rolle. Der Vertrauensschaden kann dabei immens sein und Standorte nachhaltig gefährden. Abschotten ist keine Lösung, darauf weist Ralf Schröder vom Regierungspräsidium Darmstadt, hin:“Der Brandschutz in Betriebsbereichen (früher Störfallanlagen) ist ein sehr wichtiges Thema! Durch die immer näher heranrückende Wohnbebauung in Ballungsräumen entsteht zunehmend Handlungsbedarf bei den Unternehmen; hierbei spielt auch die Informationsweitergabe an die Öffentlichkeit bzw. Nachbarschaft eine große Rolle.“

Vorbeugender Brandschutz

Um so wichtiger also, dass es zu solchen Ereignissen gar nicht erst kommt. Das fängt bei baulichen Voraussetzungen und der Gestaltung von Anlagen an. Experten wie Ulrich Krause, Lehrstuhlinhaber am Institut für Apparate- und Umwelttechnik, Otto-von-Guericke Universität Madgeburg, raten dazu, hier auf Expertise und Zielorientierung zu setzen: „Ingenieurwissenschaftliches Denken und schutzziel-orientierte Lösungen müssen im Brandschutz gegenüber der verbreiteten Vorschriftengläubigkeit mehr Raum gewinnen.“ Ulrich Seifert, Leiter Arbeitssicherheit und Umweltschutz bei Fraunhofer UMSICHT, ergänzt: „Auch ein großer Brand hat mal klein angefangen: Brände benötigen Gelegenheiten zur Entstehung und zur Ausbreitung. Diese Gelegenheiten wirksam zu minimieren, setzt ein Verständnis ihrer Voraussetzungen und Abläufe voraus.“ Dazu gehört beispielsweise, auch nicht-meldepflichtige Ereignisse zu erfassen,  zu analysieren und – ganz wichtig! – die Schlussfolgerungen zu kommunizieren. Für die Modellierung von Brandszenarien gibt es eine ganze Reihe von Modellen. Die Auseinandersetzung mit HEARTS als Ausbreitungsmodellierung, die Berechnung von Quelltermen oder das Verständnis von Phänomenen der Brandentstehung helfen dabei, Anlagen von vornherein nach Anforderungen des Brandschutzes auszulegen.

Hilfestellung beim Brandschutz bieten aber nicht nur Industriexperten und Behörden. Auch die Versicherungswirtschaft, die mit den Folgen von Brandereignissen und den oft hohen Schadenssummen umgehen muss, leistet einen Beitrag, wie Robert Schmid, Munich RE, erläutert: „Die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber Umweltbelastungen, Unfällen oder Störfällen sinkt dramatisch, nicht zuletzt aufgestachelt durch sog. Soziale Medien. Zeitgleich reduziert sich die brandschutz-technische fachliche Unterstützung von Unternehmen durch öffentliche Einrichtungen und Behörden. In dieser Situation steigender Anforderungen bei sinkender Unterstützung entwickelte Versicherungswirtschaft gemeinsam mit Vertretern des BDI eine Richtlinie, VDS 3824, geprägt von der Schadenerfahrung und den „Lessons learnt“, eine Unterstützung zur Bewertung und Planung von Brandschutzvorkehrungen, aus der täglichen Praxis heraus.“

Technische Vorkehrungen allein reichen aber nicht aus. Kommunikation und die Ausbildung der Mitarbeiter sind ein weiterer wesentlicher Faktor für erfolgreichen Brandschutz,  sagt Bernd Sassmannshausen, Head of Fire Protection and Site Security bei Merck KGaA: „Das Thema Sicherheit und damit auch der Brandschutz sind in der chemischen Industrie auf einem hohen Niveau. Dies resultiert aus Notwendigkeiten wegen der Lage in einem dicht besiedelten Gebiet in Mitteleuropa, aber insbesondere aus dem Selbstverständnis und der Selbstverpflichtung der chemischen Industrie. Die aktuellen Herausforderungen für den vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz liegen aus meiner Sicht in der Digitalisierung / Industrie 4.0 (Informationsgewinnung für den Einsatzfall) und der demografischen Entwicklung (ausreichend geeignete neue Mitarbeiter).“

Ist ein Brand entstanden, muss es trotzdem nicht zur Katastrophe kommen. Eine Vielzahl an Brandbekämpfungsmaßnahmen steht zur Verfügung. Doch auch hier liegt der Teufel im Detail – und die Chance in einer vorausschauenden Planung. Welches Löschmittel soll zum Einsatz kommen und wie erfolgt die Abwägung zwischen Löschwirkung und gesetzlichen Regularien z.B. im Chemikalienrecht? Thomas Leonhardt, Leiter Produktmanagement, Fabrik chemischer Präparate von Dr. Richard Sthamer GmbH & CO. KG , warnt vor übereilten Entscheidungen:“Brandschutz gefährdet durch Regulierung ohne Gesetz? Schaumlöschmittel haben sich als die am universellsten einsetzbaren Löschmittel erwiesen, die derzeit bekannt sind. Aktuelle legislative Initiativen zur Regulierung einzelner Inhaltsstoffe führen zu erheblichen Verunsicherungen auf Seiten der Anwender. In vorauseilendem Gehorsam und aus Gründen der mutmaßlicher Planungssicherheit schaffen diese Fakten, noch bevor ein Gesetz tatsächlich existiert.“ Und auch der richtige Einsatz von Löschanlagen will schon vor einem eventuellen Ereignis durchdacht und geübt sein, denn, so Detlef Roederer, Leiter Fachausschuss Technischer Brandschutz bei der Lonza AG in Visp / Schweiz „Löschanlagen sind eine prima Einrichtung – aber im Alltag zeigen sich diverse Probleme.“

Am Ende müssen alle beim Brandschutz Hand in Hand arbeiten – das sagt Jochen Schäfer, Leiter HSE Wirkstoffe, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH „Die Zukunft liegt in der Vernetzung von Brandschutz, Explosionsschutz und Anlagensicherheit in der Prozessindustrie; wir müssen die Silos – so denn noch vorhanden – hier weiter aufbrechen.“

Eine Möglichkeit dazu bietet das DECHEMA-PRAXISforum „Brandschutz in der chemischen Industrie“ am 29. und 30. August 2018 in Frankfurt. Treffen Sie diese und weitere Experten, diskutieren Sie über aktuelle Entwicklungen und tauschen Sie Erfahrungen aus. Melden Sie sich jetzt an!

www.dechema.de/Brandschutz

 

Web-Banner Pf Brandschutz.png

Read Full Post »