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Posts Tagged ‘Klimaschutz’

Welche Rolle könnte Methanol als Energieträger und Plattformchemikalie der Zukunft spielen? Diese Frage hat Hans Jürgen Wernicke durch seine gesamte Berufslaufbahn begleitet – und auch beim DECHEMA-Kolloquium anlässlich seines 70. Geburtstages ist der Blick nicht nur auf den aktuellen Stand der Technik, gerichtet, sondern darüber hinaus auf die Einsatzmöglichkeiten von Methanol in der nahen und mittleren Zukunft. Wir sprachen mit dem früheren DECHEMA-Vorsitzenden darüber, was ihn an Methanol so fasziniert:

Dr. Hans Jürgen Wernicke

Herr Dr. Wernicke, welche Rolle hat Methanol in Ihrer Laufbahn gespielt?
Methanol hat mich über meine gesamte Berufslaufbahn begleitet. Bei Linde haben wir einen Reaktor entwickelt, der unter anderem für die stark exotherme Synthese von Methanol dient, bei der Süd-Chemie (heute Clariant) waren und sind  Methanolkatalysatoren ein wichtiger Teil des Geschäfts und wurden kontinuierlich verbessert  – ich war also immer in der einen oder anderen Weise mit Methanol befasst.

Wo sehen Sie die größten Potenziale für den Einsatz von Methanol in der nahen und in der mittleren Zukunft?
Das größte Potenzial sehe ich darin, CO2 zu recyceln und mit „grünem“ Elektrolysewasserstoff zu nachhaltigem Methanol umzusetzen. Methanol lässt sich vielseitig einsetzen, z.B. als hochoktaniger  Kraftstoffzusatz oder weiterverarbeitet  als Benzin oder Diesel. Über die in großem Maßstab realisierte  Herstellung von Olefinen aus Methanol lässt sich  die gesamte petrochemische Prozesskette  abbilden. Methanol könnte so wesentlich zum  Ersatz fossiler Rohstoffe beitragen. Die Handhabung von Methanol ist Stand der Technik, es  ist ein flüssiger Energieträger, für den, anders als z.B. bei  Wasserstoff oder den Ladestationen für Batterien, nicht in eine neue Infrastruktur investiert werden müsste. .

Warum werden diese Potenziale bisher nicht genutzt – welche technischen oder sonstigen Hürden stehen dem im Wege?
Da gibt es mehrere Gründe: Der zur CO2-Hydrierung benötigte Elektrolysewasserstoff –  insbesondere  aus regenerativen Energiequellen –  ist noch zu teuer. CO2 ist dagegen leicht abzutrennen und in großer Menge verfügbar, vor allem aus industriellen Quellen. Die zweite Hürde ist die generelle  Akzeptanz: Wenn die Öffentlichkeit überhaupt etwas über Methanol hört, dann als Giftstoff im Zusammenhang mit Schwarzbrennerei. Deshalb bestehen dort Vorbehalte. Technische Hürden sehe ich eigentlich nicht. In Island läuft seit 2012 eine Anlage, die „grünes“ Methanol aus CO2 und Wasserstoff produziert, der über Geothermie gewonnen wird. Seit 2015 produziert die Anlage 4000 t Methanol im Jahr, das als Benzinzusatz genutzt wird. Darüber hinaus laufen vielfältige Projekte im Rahmen von Kopernikus oder Carbon2Chem, um die technische Skalierbarkeit nachzuweisen und die Wirtschaftlichkeit zu verbessern.

Mehr zum Thema Methanol, seiner Herstellung und seinen Einsatzmöglichkeiten beim DECHEMA-Kolloquium am 4. Juli 2019 – melden Sie sich jetzt kostenfrei an!

Hans Jürgen Wernicke wurde 1949 geboren und trat nach dem Studium der Chemie und der Promotion an der Christian-Albrechts-Universität Kiel zunächst in die Linde Group ein, für die er acht Jahre lang in München und Südafrika tätig war. 1985 wechselte er zum Süd-Chemie Konzern, für den er unter anderem als Projektleiter in Südafrika und als Geschäftsbereichsleiter in den USA und in Deutschland arbeitete. Im Jahr 1997 wurde er in den Vorstand berufen und war von 2007 bis 2011 stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Süd-Chemie AG. Seit 2011 ist Hans Jürgen Wernicke beratend tätig und u.a. in mehreren Aufsichtsräten vertreten. Neben zahlreichen ehrenamtlichen Aufgaben war er von 2009 bis 2012 Vorsitzender des DECHEMA e.V. und ist aktuell Vorsitzender des Stiftungsrates des DECHEMA-Forschungsinstituts. 2016 verlieh die DECHEMA ihm die Ehrenmitgliedschaft.

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Der diesjährige DECHEMAX-Schülerwettbewerb hat einen Nerv getroffen: Noch bevor Schüler zum ersten Mal in Deutschland für „Fridays for Future“ auf die Straße gingen, regten die Wettbewerbsfragen die Teilnehmenden zum Recherchieren und Nachdenken an. Rund ums Thema Mobilität ging es u. a. um die Emissionen von Flugreisen, Elektromobilität und Power-to-X. Beim DECHEMA-Tag erhielten die Sieger ihre Preise und sprachen mit uns über ihre Teilnahme am Wettbewerb.

 Die Siegerteams des DECHEMAX-Wettbewerbs

Wie war es, hier beim DECHEMA-Tag vorne auf der Bühne zu stehen und den Preis entgegenzunehmen?

Tobias Viefhaus: Es war ein sehr schönes Gefühl. Ich habe noch nie einen Chemie-Wettbewerb gewonnen. Bei einigen Mathe-Wettbewerben habe ich schon einen Preis gewonnen, ich stand also schon öfter auf einer Bühne und habe etwas entgegengenommen, aber es war trotzdem ein tolles Gefühl.

Florian Noje: Ich sehe es genauso und es war auch mal etwas anderes. Ich habe schon bei einigen Mathe-Wettbewerben mitgemacht, aber da sitzen dann hauptsächlich die anderen Teilnehmer mit ihren Eltern und nicht so ein Publikum wie hier. Hier sitzen Menschen, die sich auch selber mit dem Themenbereich beschäftigen und die wissen es wahrscheinlich anders zu schätzen, als wenn da nur die anderen Schüler sitzen.

Renfield Pambor: Ich fand es auch sehr spannend – wir alle aus meinem Team. Denn es war schon etwas Besonderes, dass einem die ganzen Professoren zusehen und die ganzen Vorstandsmitglieder. Dass man selber den Preis verliehen bekommt, war schon eine Ehre und es war aufregend.

Warum habt ihr euch dazu entschlossen, beim DECHEMAX mitzumachen?

Friedrich Böttger: Meine beiden Teammitglieder hatten schon vor zwei Jahren mitgemacht und kamen mit der Idee auf mich zu, den Wettbewerb wieder zu machen. Dann hatten wir von Anfang an entschieden, dass wir da viel Arbeit reinstecken wollen, und sind mit viel Hoffnung in den Wettbewerb gegangen.

Tobias Viefhaus: Mein Bruder hat von dem Wettbewerb erzählt und ich hatte mir ein Team zusammengestellt. Ich habe auch so viel Interesse an Chemie und darum haben wir entschieden, daran teilzunehmen.

Renfield Pambor: Ich war bei der internationalen Chemie-Olympiade in Berlin dabei und da war ein Schüler, der letztes Jahr beim DECHEMAX-Wettbewerb mitgemacht hat und der mir ganz begeistert von den Experimenten erzählt hat und dass es sehr spannend ist. Daraufhin habe ich das in der Schule erzählt und dann war ein Team ganz schnell gefunden.

Eine Frage an euren Lehrer: Ging das eher von den Schülern aus oder haben Sie Teams motiviert, mitzumachen?

Holger Tröger: Ich habe die Schüler auf den Wettbewerb hingewiesen, weil ich auch schon früher Teams betreut habe. Die Motivation mitzumachen, kam von den Schülern. Das war natürlich eine freiwillige Teilnahme, die Entscheidung war freiwillig. Ich habe nur zwischendurch mal nachgefragt, ob denn auch die Fristen eingehalten werden, ob sie daran denken, die Sachen abzuschicken, weil es erfahrungsgemäß häufig daran gescheitert ist und diesmal glücklicherweise nicht. Aber die Motivation und die Arbeitsleistung kamen vollständig von den Schülern. Ich habe natürlich gerne mit Rat und Tat zur Seite gestanden, aber das ist gar nicht in Anspruch genommen worden. Sie haben komplett eigenständig gearbeitet und das finde ich auch sehr gut so. Das macht uns stolz.

Seit wie vielen Jahren sind Sie mit Teams beim DECHEMAX dabei?

Holger Tröger: Ich bin erst seit etwas über einem Jahr an der Schule, dementsprechend war das der erste DECHEMAX-Durchgang, den ich am Gymnasium Essen-Werden mitgemacht habe. Ich war auch schon vorher dabei, so dass es jetzt das vierte Jahr in Folge gewesen ist.

Dr. Klaus Schäfer, Vorsitzender der DECHEMA, überreicht die Urkunden.

Wie habt ihr es geschafft, neben Schule und Hausaufgaben noch den Wettbewerb unterzubringen und jede Woche die Fragen zu beantworten und zu experimentieren?

Lukas Krinke: In der ersten Runde haben wir uns immer in den großen Mittagspausen getroffen – von der 6. bis zur 8. Stunde haben wir immer eine Stunde Zeit gehabt – recherchiert und die Fragen beantwortet. In der zweiten Runde haben wir uns fast jeden Nachmittag nach der Schule getroffen oder per Skype gechattet und darüber gesprochen und recherchiert.

Tobias Viefhaus: In der ersten Runden haben wir uns immer samstags getroffen und haben dann jede Woche die jeweilige Frage beantwortet. Und in der zweiten Runde haben wir uns dann einige Male getroffen, haben die Versuche durchgeführt und nach weiteren Malen das Versuchsprotokoll fertigstellen können.

Renfield Pambor: In der Oberstufe haben wir bestimmte Fächer abgewählt und haben dadurch Freistunden, in denen wir uns im Labor getroffen und die Experimente in der zweiten Runde durchgeführt haben – unter Aufsicht einer Lehrperson, die uns aber nicht geholfen hat.

Du hast gerade angesprochen, dass ihr im Labor experimentiert habt. Wie war das bei den anderen beiden Teams? Wo habt ihr die Versuche durchgeführt?

Florian Noje: Wir haben bei zweien von uns in den Küchen experimentiert. Das war auch zuerst ein bisschen skeptisch gesehen von den Eltern. Aber da wir immer alles aufgeräumt haben, war es im Endeffekt bei den Versuchen kein Problem.

Wie habt ihr eure Eltern überzeugt?

Florian Noje: Wir haben einfach gesagt, dass wir da mitmachen wollen, und wenn man ein bisschen erklärt hat, was der Wettbewerb ist, dann waren die Eltern auch selbst interessiert daran. Wir haben auch gesagt, dass wir nachher alles wieder aufräumen und dann war es kein Problem.

Tobias Viefhaus: Wir haben auch in zwei von unseren Küchen experimentiert. Es war auch alles mit den Eltern abgesprochen.

Was hat euch am DECHEMAX am meisten Spaß gemacht?

Friedrich Böttger: Am spaßigsten waren die Versuche, bei denen wir selbst etwas machen und analysieren konnten, was dabei herauskommt. Es hatte auch noch einen guten Beigeschmack, dass wir für jeden Versuch zusammengekommen sind und uns öfter getroffen haben.

Renfield Pambor: Am interessantesten war die Arbeit im Labor bei den Experimenten, weil wir uns die Zeit selbst einteilen und schauen mussten, wie wir die Versuche organisieren und planen. Wenn man sieht, was am Ende dabei herausgekommen ist, ist das schon toll.

Jonas Jöhring: Am witzigsten und spaßigsten war, dass wir uns immer mit unseren Freunden und Teammitgliedern getroffen haben und manchmal auch länger darüber diskutiert haben, welche Lösung wir einschicken.

Und was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Holger Tröger: Ich finde es immer in der zweiten Phase ganz spannend, die Experimente zu sehen, wobei die Experimente eigentlich vergleichsweise simpel sind und in den letzten Jahren auch waren. Ich finde tatsächlich die Fragen spannender. Und dann auch zu sehen, wie sich die Fragen von Jahrgangsstufe zu Jahrgangsstufe unterscheiden, immer komplexer und schwieriger werden, und manchmal ist die Antwort eben nicht so leicht, selbst bei den Fragen für die 7. Klasse. Manchmal muss man wirklich intensiv recherchieren und nachdenken. Das ist spannend, weil die Naturwissenschaften bei uns im Unterricht ganz stark und ganz klar getrennt sind – Chemie, Physik, Biologie – dass man tatsächlich auch mal Fragen aus einem Bereich hat, wo man mehrere Wissenschaften miteinander kombinieren muss, das ist für die Jugendlichen auch mal ein ganz interessanter Ansatz.

Welche Ideen oder Antworten Ihrer Schüler haben Sie verblüfft? Hat Sie etwas erstaunt?

Holger Tröger: Was mich tatsächlich bei der 9. Klasse erstaunt hat, ist die Leichtigkeit, mit der sie die Sachen durchgegangen sind. Ich habe dann immer von Woche zu Woche gefragt, wie es aussieht, ob sie an die Fragen gedacht haben – ‚Ja, ja‘. ‚Habt ihr die Fragen beantwortet?‘ – ‚Ja, war ja nicht schwer.‘ So ging das von Woche zu Woche, dass das gar nicht als große Hürde gesehen wurde. Die Gruppen, die ich vorher betreut habe, mussten schon über die Fragen sehr intensiv nachdenken. Mit Recherche waren die Fragen meiner Meinung nach sehr gut machbar.

Wie fandet ihr die Fragen? Waren sie zu leicht für euch?

Florian Noje: Ich würde nicht sagen zu leicht, aber wie gesagt, heute findet man ziemlich viel im Internet und wir sind zu dritt. Wir haben uns dann eine Stunde konzentriert hingesetzt und dann findet man da auch ziemlich schnell die Lösung.

In diesem Jahr ging es beim DECHEMAX häufig um das Thema Umwelt. Habt ihr durch den Wettbewerb einen neuen Blick darauf bekommen?

Lukas Krinke: Auf jeden Fall. Wir haben uns jetzt mit Zahlen auseinandergesetzt und dass  manche Sachen auch verbessert werden müssen. Es war auf jeden Fall interessant.

Florian Noje: Da möchte ich noch etwas ergänzen: Bei den Fragen ging es in einer Woche um den Spritverbrauch vor allem von Flugzeugen und Kreuzfahrtschiffen. Das war unvorstellbar viel. Und da wir diese Reisen eigentlich nur für uns machen, man kann ja auch anders reisen, finde ich das schon ziemlich übertrieben. Da sollte man meiner Meinung nach auch etwas gegen tun. Denn es war nicht einfach nur hoch, es war VIEL zu hoch. Es war teilweise in den zehntausender Bereichen für eine kurze Fahrt.

Möchtest du für dich selber Konsequenzen ziehen?

Florian Noje: Ich habe selber auch noch nie eine Kreuzfahrt gemacht, aber bei solchen Sachen denkt man jetzt schon mehr darüber nach, ob man es wirklich machen will.

Tobias Viefhaus: Ich habe auch eine neue Sicht darauf bekommen. Vorher habe ich mir gar nicht bewusst gemacht, wie viel Sprit und umweltschädlicher Treibstoff verschwendet wird dafür. Ich habe auch noch keine Kreuzfahrt gemacht und bin noch nie geflogen, auch wenn das jetzt komisch klingt, weil man heutzutage sehr häufig in Urlaub fliegt. Aber ich empfehle es auch anderen.

Renfield Pambor: Man hat gesehen, dass man Ökonomie und Ökologie verbinden muss und dass es da interessant ist, neue Lösungen zu finden. Wie Herr Schäfer auch in seiner Eröffnungsrede gesagt hat, dass die „Fridays for Future“-Bewegung jetzt erst aufkommt und das Thema des Wettbewerbs vorher schon festgelegt wurde und dass das eben ganz zukunftsweisende Themen sind und dass es wichtig ist, dass wir jetzt darüber sprechen.

Die DECHEMAX-Sieger in Aktion auf dem „Marktplatz“ des DECHEMA-Tags.

Wollt ihr im nächsten Jahr wieder beim DECHEMAX mitmachen?

Tobias Viefhaus: Ich möchte auf jeden Fall wieder mitmachen und ich hoffe, meine Gruppe auch. Und wir freuen uns sehr, dass wir jetzt hier so erfolgreich waren und wir hoffen wieder auf so einen erfolgreichen Wettbewerb nächstes Jahr.

Friedrich Böttger: Wir drei kommen alle nächstes Jahr in die Oberstufe und wir werden alle Chemie weiter wählen. Bei uns ist auch relativ sicher, dass wir in Kontakt bleiben und auch höchstwahrscheinlich am Wettbewerb wieder teilnehmen und hoffentlich wieder genauso erfolgreich sind.

Renfield Pambor: Wir sind Schüler der 11. Klasse und können damit nicht mehr beim DECHEMAX-Wettbewerb nächstes Jahr teilnehmen, werden es den jetzigen 10. Klassen aber sehr empfehlen.

Welche Tipps habt ihr für zukünftige Teilnehmer?

Tobias Viefhaus: Der größte Tipp ist, rechtzeitig zu beginnen. Wir haben uns dieses Jahr etwas mit der Zeit verplant, aber letztendlich haben wir es doch noch rechtzeitig geschafft. Aber auf jeden Fall: Früh anfangen und so gut wie jeden Nachmittag treffen. Es ist schon viel Arbeit.

Florian Noje: Wir können uns dem nur anschließen. Wir haben es vor zwei Jahren genauso verpennt und daraus auch gelernt, zeitnah anzufangen. Dann ist es auch machbar.

Renfield Pambor: Das Zeitmanagement ist eigentlich das Wichtigste. Und dass Leute mitmachen, die sich für Chemie interessieren und keine Berührungsängste haben. Denn wir hätten nicht gedacht, dass wir bis hierhin kommen, dass wir heute ausgezeichnet werden. Und deshalb einfach mitmachen, wenn man Interesse an Chemie hat.

Was können Sie Kollegen empfehlen, die mit einem Team antreten möchten?

Holger Tröger: Die Kollegen sollten versuchen, den Schülern erstens die Motivation mitzugeben und zweitens die Angst davor zu nehmen. Denn viele denken bei Chemie sofort an das große böse Fach, das extrem schwierig ist. Und das ist an der Stelle einfach ein Fehler, denn es ist nicht unmenschlich, am DECHEMAX-Wettbewerb teilzunehmen. Die Fragen sind gut machbar, wenn man strukturiert arbeitet. Wenn man sich Mühe gibt, ist es auch gut möglich, ein gutes Protokoll zu schreiben. Und offensichtlich haben die Schüler alles Nötige, was sie wissen müssen, gelernt – über die Jahre, in denen sie Biologie-, Chemie- und Physikunterricht hatten. Warum soll man es also nicht versuchen? Selbst wenn es nicht bis zu einer Siegerehrung hinterher führt, lernen die Schüler durch die Fragen auch etwas für ihr zukünftiges Leben. Und wenn es nur ist, dass man vielleicht nicht jedes Jahr eine Kreuzfahrt machen sollte.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die siegreichen Teams im Einzelnen:

Chemisters (Klasse 7)
Tobias Felix Viefhaus, Martin Rose, Jonas Jöhring und Josh Alexander Berktold; Gymnasium Essen-Werden

DieChemiker (Klasse 9)
Florian Noje, Friedrich Böttger und Lukas Krinke; Gymnasium Essen-Werden

Gleichgewicht (Klasse 11)
Renfield M. Pambor, Merle Poggendorf, Rasmus Partecke und Henning Schult; Ostseegymnasium Greifswald

Der Sonderpreis geht an das Team:
ChunkyMonkeys (Klasse 9)
Sina Hegemann und Alina Fischer; Mariengymnasium Papenburg

 Mehr zum DECHEMAX-Schülerwettbewerb

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Dass Forschungsprojekte erfolgreich sind, ist glücklicherweise keine Seltenheit. Dass sie  allerdings so erfolgreich sind, dass zwei Großunternehmen nach einem Projektjahr den Bau einer Kleinanlage ins Auge fassen, ist dann doch eher selten. Grund genug, einmal nachzufragen – bei Dr. Günter Schmid, Principal Key Expert Research Scientist bei Siemens:

GSchmidHerr Schmid, herzlichen Glückwunsch an Sie und Ihren Projektpartner Dr. Thomas Haas von Evonik – Sie sind quasi von Ihrem Erfolg überrollt worden.

Ja, das kann man sagen. Unser Projekt ist im ersten Jahr so erfolgreich gelaufen, dass wir uns entschieden haben, den nächsten Schritt zu gehen und in Richtung einer vollständig automatisierten Kleinanlage zu skalieren. Derzeit planen wir, im Dezember 2019 unsere Einzelprozesse zu verkoppeln.

Worum geht es im Projekt von Siemens und Evonik genau?

Unser Projekt heißt Rheticus und ist ein Satellitenprojekt der Kopernikus-Initiative. Wir wollen aus erneuerbaren Rohstoffen Spezialchemikalien herstellen. Die „Rohstoffe“ sind Elektronen aus erneuerbarer Energie, CO2 und Wasser. Die Energie bringen wir über eine Elektrolyse in das System: Wir elektrolysieren CO2 zu Kohlenmonoxid, Wasser zu Wasserstoff, und das verfüttern wir dann an die Bakterien.

Warum setzen Sie ausgerechnet auf ein biotechnologisches Verfahren?

Wir arbeiten mit anaeroben Bakterien, wie sie beispielsweise an „Black Smokern“ in der Tiefsee vorkommen. Wir benutzen zwei Bakterienstämme, bei denen einer der Stämme  ein Gasgemisch aus Wasserstoff, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid zu Acetat und Ethanol umsetzt. Ein zweiter Stamm produziert aus diesen Intermediaten anschließend Butanol und Hexanol.

Die Biotechnologie bietet zwei Vorteile: Sie arbeitet sehr selektiv und effizient in der CO2 Nutzung, und sie lässt sich dezentral einsetzen, auch unabhängig von einem integrierten Chemiestandort. Wir können solche Anlagen dort aufbauen, wo auch die erneuerbaren Energien anfallen.

 

 

Wie sind Sie bei der Auswahl der Zielprodukte vorgegangen?

An dieser Frage haben wir ziemlich lang gearbeitet. Bei fossil basierten Produkten bezahlt man nur für Prozess, Transport und Förderung, aber nicht für den Energieinhalt. Bei Produkten auf Basis erneuerbarer Energie ist der Energieinhalt einer der größten Kostentreiber. Wir brauchen also Produkte, bei denen der Anteil der Energie an den Kosten möglichst gering ist, und das ist bei der Spezialchemie der Fall. Außerdem können wir mit kleineren Anlagen starten, bevor wir dann in den Bereich der Bulkchemikalien oder der Kraftstoffe eintreten.

 

Wie sauber muss das CO2 sein, das Sie einsetzen?

Die Ansprüche an das CO2 sind vergleichsweise gering. So stören viele Schwefelverbindungen oder Sauerstoff den Prozess nicht, nur Metalle, die als Katalysatorgifte wirken, müssen vorab aus dem Rauchgas entfernt werden. Wir gehen aber trotzdem davon aus, dass wir das CO2 vorher aufreinigen, denn das können wir leicht aus Luft abtrennen, während Kohlenmonoxid sehr schwer von Stickstoff und Sauerstoff zu befreien ist.

 Wo liegt die größte technische Hürde?

Im Moment sind wir in der Fermentation im 2-Liter-Maßstab und wir wollen in den Kubikmeter-Maßstab kommen. Wir müssen also sowohl die Elektrolyse als auch die Bioreaktoren scalieren. Bisher hat noch niemand einen Gas-/Gas-Elektrolyseur gebaut, schon gar nicht in diesen Größenordnungen.

Inwieweit ist die Technologie auch dazu geeignet, Schwankungen in der Stromerzeugung abzupuffern?

Die Technologie ist sehr flexibel. Wir haben Betriebsmodi entwickelt, bei denen man die Leistung rauf- und runterfahren kann. Die untere Grenze bildet ein Standby-Modus; das ist auch für die Fermentation anwendbar.

Was ist Ihr nächstes Ziel?

Bis jetzt entwickeln wir die Einzelkomponenten aus dem Labormaßstab von 10 cm² auf 300 cm² – das ist ein Riesensprung. Für die weitere Skalierung bauen wir dann mehrere Zellen – ein Stack aus etwa zehn Zellen wäre ein Zwischenschritt, mit dem man erst einmal alles demonstrieren kann, was man so braucht. Wir haben im Rahmen von Kopernikus einen kontinuierlichen Betriebsmodus entwickelt, und in 2019 wird die erste echte Kopplung mit allen Anlagen stattfinden. Ziel ist eine automatisierte Kleinanlage, die eine kleine zweistellige Tonnage pro Jahr produzieren kann. Das heißt, wir sprechen von Elektrolyseuren im Kilowattbereich und Fermentern von im Bereich von 1 m³ Größe.

Wer mehr zu den vielen Einsatzmöglichkeiten der Elektrolyse und den aktuellesten technischen Entwicklungen erfahren und sich mit anderen Experten austauschen möchte, hat dazu Gelegenheit beim PRAXISforum Electrolysis in Industry am 22. und 23. November 2018 in Frankfurt – jetzt Programm ansehen und anmelden!

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carbonnext_logo_4c_300dpi-300x83Die DECHEMA untersucht bereits seit vielen Jahren die technischen Optionen, um das Treibhausgas CO2 industriell nachhaltig zu nutzen. Die Anwendungsfelder, bei denen CO2 als Synthesebaustein genutzt werden kann, reichen in der chemischen Industrie von Kunststoffen bis hin zu Kraftstoffen der Petrochemie.  Des Weiteren besteht ein hohes Potenzial, CO2 in der Baubranche als Komponente von Baumaterialen einzusetzen. Die Prozesse zur stofflichen Nutzung von CO2 sind eine Herausforderung an sich; eine weitere ist es, die besten Quellen von CO2 für jeden der spezifischen Prozesse und deren Produktionsstandorte zu bewerten.  Im Projekt CarbonNext, eine „Coordination and Support Action“ im H2020 Forschungsprogramm der EU, angesiedelt in SPIRE, untersucht die DECHEMA mit Hilfe der Projektpartner University of Sheffield aus England und Trinomics BV aus den Niederlanden, alternative Kohlenstoffquellen für die Prozessindustrie und andere Rohöl-konsumierende Sektoren in Europa. Dabei soll analysiert werden, welche Quellen für welchen Prozess und Standort am geeignetsten ist. Das Hauptaugenmerk liegt auf CO2 und CO aus industriellen Abgasen, des Weiteren werden nicht konventionelle Kohlenstoffquellen wie Schiefergas, Ölsand, Methangewinnung aus Kohleflözen oder Power-to-liquid- und Power-to-coal-Technologien bewertet. (mehr …)

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