Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘industrielle Biotechnologie’

Nachdem im 1. Teil des Interviews die aktuellen und zukünftigen Märkte im Fokus standen und im 2. Teil vor allem die energetische Nutzung diskutiert wurde, geht es im 3. Teil des Gesprächs mit Dr. Peter Ripplinger um den internationalen Kontext.  Und natürlich geht es um den Bundesalgenstammtisch, der in diesem Jahr sein 10. Jubiläum feiert.

Wie steht die deutsche Algenbiotechnologie im internationalen Vergleich da?

Gerade wir als Anlagenbauer nehmen natürlich war, dass „German Engineering“ international sehr anerkannt ist. Als Technologieanbieter steht Deutschland mit einer Reihe von Firmen recht gut da: Astaxa und bbi-biotech entwickelt die Rohrreaktoren weiter, Phytolutions und Novagreen vermarkten Reaktoren auf Folienbasis, wir bei Subitec bieten Flatpanelreaktoren an. Was Deutschland von den USA oder Südeuropa unterscheidet ist, dass wir im Land keine Anwendung für die Technologie im industriellen Maßstab haben. Die Entwicklung in den USA waren außerdem geprägt durch eine deutlich höhere Verfügbarkeit von Venture Capital: Die Volumina pro Runde betrugen zum Teil das Zehnfache von dem, was ein deutsches Unternehmen einwerben kann. Dazu kamen massive Förderprogramme im Bereich Biofuels.

Spanien, Portugal oder Frankreich haben mit Fisch- oder Austernzucht traditionelle Abnehmer für Algen. Dieser direkte Marktzugang erleichtert die  Weiterentwicklung und Anwendung. Deutschland hat dagegen nur den relativ kleinen Markt von Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetik.

Dazu kommt, dass aufgrund der klimatischen Verhältnisse in Deutschland die industrielle Produktion nur in eingeschränktem Maßstab denkbar ist. Wenn wir über Winter produzieren wollen, brauchen wir ein Gewächshaus mit Nutzung von Restwärme von Biogasanlagen oder ähnliches. Für hochpreisige Algenbiomasse mag das sinnvoll sein, aber bei Futtermitteln für die Aquakultur brauchen Sie hektargroße Anlagen und die werden in frostfreien Gebieten stehen, also rund ums Mittelmeer, vielleicht auch in Saudi-Arabien. Eine Zusammenarbeit mit anderen Ländern im Bereich der industriellen Massenproduktion, bei der sich Deutschland in der Rolle des Technologieanbieters bewegt, ist daher absolut notwendig. Interessante Nischen im Inland sind hochpreisige Produkte und geschlossene Aquakultur-Systeme, beispielsweise für die Shrimps- oder Edelfischzucht.

Wie ist es um die Forschungsförderung bestellt?

Grundsätzlich müsste die Algenbiotechnologie in Deutschland stärker gefördert werden. Vor einigen Jahren gab es mehrere Förderinitiativen durch die FNR, DBU und staatliche Förderprogramme , aber mir sind derzeit keine Folgeprojekte in dieser Richtung bekannt. Als KMU haben wir deshalb keine Möglichkeit, uns mit nationalen Fördermitteln weiter zu entwickeln. Auf EU-Ebene gibt es einige Projekte für die stoffliche Nutzung von Mikroalgen, beispielsweise im Rahmen der Biobased Industries Initiative; auf nationaler Ebene würden wir uns mehr Unterstützung wünschen.

Bei der Entwicklung einer Technologie für den industriellen Maßstab müssen wir ein ganzes Bündel von Fragestellungen bearbeiten – beginnend bei der Biologie: Wir haben nach wie vor sehr wenige gut erforschte Algenstämme – hier besteht noch großes Optimierungspotenzial. Bei Omega-3-Fettsäuren beispielsweise unterscheidet sich die Produktivität der einzelnen Stämme gewaltig. Dieser Forschungsbereich muss weiter gefördert werden, um die vorhandenen Algenstammsammlungen gezielt auf bestimmte Produkte hin zu screenen, um herauszufinden, ob man die Produktivität aus der Biologie des Systems heraus erhöhen kann. Dazu kommt der mögliche Einsatz gentechnisch optimierter Stämme; das ist eine politische Frage, die beispielsweise in den USA anders beantwortet wird als in Deutschland.

Auch bei der Weiterentwicklung und Optimierung der bestehenden Produktionssysteme sind wir zwar ein großes Stück vorangekommen, aber noch lange nicht am Ziel.

Was ist das Besondere am Bundesalgenstammtisch?

Wir hatten uns von Anfang an vorgenommen,  nicht in Konkurrenz zur wachsenden Zahl internationaler Algenkonferenzen zu treten, sondern ganz gezielt die deutschsprachige Community zu vernetzen und alle Player von der interessierten Industrie über aktive KMUs bis hin zu den Forschergruppen an einen Tisch zu bringen. Das ist uns gut gelungen. Wir haben es zudem immer geschafft, auch ein aktives Algenprojekt zu präsentieren. Es sieht ganz so aus, als sei der Bundesalgenstammtisch eine gesetzte Veranstaltung für alle, die im deutschsprachigen Bereich mit Algen zu tun haben, und ich nehme mit Stolz wahr, dass er bisher jedes Jahr gewachsen ist. Momentan knüpfen wir verstärkt Kontakte in die Schweiz und nach Österreich, um die Vernetzung zwischen den drei Ländern zu verstärken.

Was für mich den Bundesalgenstammtisch ausmacht: Der „Stammtisch“; man trifft gute alte Bekannte, kann gerne auch mal etwas intensiver diskutieren, und spätestens beim Get-Together kann man sich mit dem Stammpublikum und allen Interessierten in Ruhe austauschen.

Weitere Informationen und die Anmeldung zum 10. Bundesalgenstammtisch am 11. und 12. September 2017 in Merseburg unter http://dechema.de/algen2017.html

Read Full Post »

Im ersten Teil des Interviews mit Dr. Peter Ripplinger ging es um aktuelle und zukünftige Märkte für Produkte aus Mikroalgen. Im zweiten Teil steht die energetische Nutzung im Mittelpunkt.

Wie sehen Sie die Zukunft der energetischen Nutzung?

Nach wie vor gibt es sicher langfristig Konzepte, bei denen man die energetische Nutzung mit der stofflichen Nutzung koppeln kann. Biofuels werden nur im Kontext einer Bioraffinerie und der Nutzung des Proteinanteils für Futtermittel oder ähnliches umzusetzen sein. Die finanzielle Förderung der EU war dennoch gut angelegtes Geld: Die Unterstützung zur Entwicklung von  Biofuels hat sehr geholfen, die Technologie zu skalieren und dadurch  viele Fragestellungen zur Absenkung der Investitionskosten und –Betriebskosten zu klären. Ich erinnere nur an die mögliche Nutzung von Rauchgasen; wir haben in mehreren Projekten gezeigt, dass das ein gangbarer Weg ist, um die Produktionskosten auch für Futtermittel für die Aquakultur oder andere Anwendungen maßgeblich abzusenken, und das hatte ursprünglich die Biofuel-Produktion zum Ziel.

Besonders die Flüge mit Algenkerosin haben viel öffentliche Aufmerksamkeit erregt. Wie bewerten Sie diese Technologie?

Wenn ich das gesamte Optimierungspotenzial summiere, das sowohl im biologischen- und  Produktionssystem als auch in der Aufarbeitung liegt, kann es Wege dahin geben. Das heißt, dass ich die biologische Optimierung konsequent umsetzen und durch gentechnische Maßnahmen die Photosynthese-Effizienz und ggf. auch den Lipidgehalt optimieren muss. Dazu kommt die Frage der Aufarbeitung. Es könnte sein, dass die Nutzung der gesamten Algenbiomasse über Hydrothermal Liquefaction im HTL-Verfahren einen gangbaren Weg darstellt – immer unter der Voraussetzung, dass auch der Ölpreis gewaltig ansteigt und die Schere sich schließt. Ich will das nicht ausschließen, aber es ist sicherlich ein langer Weg.

Lesen Sie im 3. Teil des Interviews, wie die deutsche Algenbiotechnologie im internationalen Vergleich dasteht.

Read Full Post »

Die Pinnwand voller Polaroid-Portraits war eine der wichtigsten Anlaufstellen für die Teilnehmer des ersten DECHEMA-PRAXISforums. Denn hier ging es vor allem darum, Kontakte zu knüpfen und Gespräche zu führen und die Bilder waren eine wertvolle Hilfe dabei, aus der Menge die richtigen Ansprechpartner zu identifizieren. Mit mehr als 140 Teilnehmern von über 90 Firmen aus 15 Nationen war das DECHEMA-PRAXISforum „Enzymes for Industrial Applications“ ein gelungener Auftakt für das neue Veranstaltungsformat. Aus zwei Tagen mit Vorträgen, einer Ausstellung, vor allem aber vielen, vielen Diskussionen konnte jeder neue Ideen, neue Kontakte und wertvolle Erkenntnisse für seine Anwendung mitnehmen. Hochkarätige Redner aus Industrie und Mittelstand präsentierten in Best-Practice- und Übersichtsvorträgen die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten und Wachstumspotenziale für Enzyme in unterschiedlichsten Branchen. Die Resonanz war außerordentlich positiv – eine Folgeveranstaltung ist für Anfang 2017 vorgesehen.

Das neue Veranstaltungsformat, das sich in erster Linie an Anbieter und Anwender aus Industrie und Mittelstand wendet, hat damit einen furiosen Einstand gefeiert. Und das nächste PRAXISforum ist bereits in Planung: Um „Additive Fertigung/3D-Druck im Apparate- und Anlagenbau“ geht es am 29. und 30. September 2015 in Frankfurt.

Zum Terminkalender der DECHEMA-PRAXISforen

Mehr Bilder auf der DECHEMA-Homepage

Read Full Post »

BIOTIC-FINALDas EU-Projekt BIO-TIC hat drei umfangreiche Roadmaps zur Marktsitutation, technologischen und nicht-technologischen Hürden für die industrielle Biotechnologie veröffentlicht. Sie liefern Anregungen, wie Innovationshemmnissen beseitigt werden können, dieeiner vollen Entfaltung der industriellen Biotechnologie in Europa entgegenstehen. Die Roadmaps können auf derPartnering-Plattform des BIO-TIC- Internetportals heruntergeladen werden(www.industrial-biotechnology.eu).

„Diese Roadmaps geben einen guten Überblick über die Herausforderungen, vor denen die industrielle Biotechnologie heute in Europa steht. Darüber hinaus werden auch einige Lösungswege gezeigt, um Europa bis 2030 zur weltweit führenden Region auf dem Gebiet der industriellen Biotechnologie zu machen“, sagt Claire Gray, BIO-TIC Projekt-Koordinator, EuropaBio. „Trotz der vielen gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Vorteile bestehen Barrieren, die die Entwicklung der industriellen Biotechnologie in Europa hemmen“.

BIO-TIC wurde im September 2012 gestartet. Ziel des Projekts ist, Innovationshemmnisse in der industriellen Biotechnologie in ganz Europa zu identifizieren, zu prüfen und deren Ursachen zu verstehen, um Aktionspläne zu ihrerÜberwindung zu formulieren. Nach umfangreichenLiteraturrecherchen, der Befragung von mehr als 60 Experten und achtregionalen Workshops sind nun drei Roadmaps zu „Marktpotenzialen“, „F & E-Schwerpunkten“ und „nicht-technologische Hemmnisse von Innovationen“ der industriellen Biotechnologie veröffentlicht worden.

Die Markt-Roadmap gibt für fünf ausgewählte Geschäftsfelder in der industriellen Biotechnologie einen Überblick über den aktuellen europäischen Markt sowie Marktprognosen bis 2030. Um das Potenzial von Produktsegmenten zu erkennen und Marktbarrieren überwinden, „ist es wichtig, dass die Stimme der bio-basierten Industrie gehört wird“, sagt Anna Saarentaus von Pöyry und Leiterin der Markt-Roadmap.

Die Technologie-Roadmap liefert einen Einblick in die F & E-bezogenen Barrieren, die einer vollständige Realisierung des europäischen Marktpotenzials der industriellen Biotechnologie im Jahr 2030 entgegenstehen. Darüber hinaus versucht die Roadmap Prioritäten in Bezug auf F & E und andere Maßnahmen zu setzen, um diese technologiebezogenen Hürden zu überwinden. „Gerade in den Bereichen Biokonversion und Rohstoff-Versorgung sollten die größten F & E-Anstrengungen unternommen werden“, erörtert Elsbeth Roelofs von TNO und Leiterin der Technologie-Roadmap.

Die nicht-technologische Roadmap identifiziert rechtliche und nicht-technologische Hemmnisse, die die Nutzung der Marktchancen blockieren, welche in der Markt-Roadmap identifiziert wurden. Dirk Carrez, Leiter der nicht-technologischen Roadmap, Clever Consult, sagt dazu: „Innovationen werden nur stimuliert, wenn der passende rechtliche und politische Rahmen vorhanden ist. Deshalb ist die Identifizierung der rechtlichen und nicht-technologischen Barrieren, die Innovationen in der industriellen Biotechnologie blockieren können sowie die Darstellung möglicher Lösungen für Schlüssel-Markteintrittsbarrieren ein wichtiger Bestandteil des BIO-TIC-Projektes“.

Obwohl sich die Roadmaps noch im Entwurfs-Status befinden, „glauben wir, dass es jetzt entscheidend ist, sie der Fachöffentlichkeit der industriellen Biotechnologie zur Verfügung zu stellen; nicht nur, um die vorgeschlagenen Empfehlungen auf den Prüfstand zu stellen, sondern auch, um neue innovative Ideen zu erfassen. So kann Europa in die Lage versetzt werden, das volle Potenzial dieser umwälzenden Technologie zu erfassen und damit einwettbewerbsfähiger und florierender Ort zu werden“, schließt Gray.

Pádraig Naughton, Cefic, sagt, dass „diese Roadmaps identifizieren die wichtigsten Hemmnisse, die derzeit das Wachstum der Biotechnologie in die Prozess-Industrie begrenzenund zeigen erste Lösungen auf. Wir bitten die Leser ihreAnsichten zu äußern und uns ein Feedback zu geben, um die endgültige integrierte Roadmap so umfassend wie möglich zu machen“.Die endgültige BIO-TIC-Roadmap und die Empfehlungen werden im Jahr 2015 veröffentlicht. Diese werden dieZusammenhänge zwischen den potenziellen Marktentwicklungen, dem F & E-Bedarf und den rechtlichen- und nicht-technologischenAspekten sowie ihre Auswirkungen auf Innovationen in der industriellen Biotechnologie darstellen.

Der weitere BIO-TIC-Roadmapping-Prozess hängt allerdings auch von der Mitwirkung der Branche ab. Daher ruft das BIO-TIC-Projekt-Konsortium Vertreter der beteiligten Interessensgruppen auf, ihre Kommentare und Beiträge bis Ende August 2014 an bio-tic@europabio.org zu senden.

Alle BIO-TIC-Roadmaps können über das Webportal abgerufen werden: http://www.industrial-biotechnology.eu.

Read Full Post »