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Standardisierung und Normung sind mittlerweile ein wichtiger Aspekt in vielen Branchen, damit der Handel auf dem europäischen Binnenmarkt und die Zusammenarbeit von Akteuren aus unterschiedlichen Ländern und Industrien reibungslos verlaufen. Häufig entstehen dabei, wie etwa im EU-Projekt SHAREBOX, sogenannte CEN Workshop Agreements (CWAs). Aber was ist ein CWA eigentlich und wozu ist es gut?

In den drei europäischen Organisationen CEN, CENELEC und ETSI arbeiten die nationalen Normungsorganisationen europäischer Länder, z.B. die DIN für Deutschland, an einheitlichen Regelungen für verschiedene Industrie- und Dienstleistungsbereiche. Die Themenfelder reichen dabei von der Chemie, Nanotechnologie und dem Transportwesen bis zur Nahrungsmittelindustrie, Konsumgütern und Smart Living, um nur einige zu nennen. Im CEN (European Committee for Standardization) entstehen beispielsweise europäische Normen, die den Handel erleichtern, die Qualität und Sicherheit von Produkten steigern und die Kosten senken, weil keine Produktanpassungen an abweichende Regeln im Absatzland nötig sind.

Eine weitere Möglichkeit sind CEN Workshop Agreements (CWAs), die als offizielle Einigung beispielsweise Best Practices, technische Spezifikationen und Anleitungen enthalten. Wie Normen können sie für viele verschiedene Fachgebiete aufgestellt werden. Sie haben nicht den gleichen Stellenwert wie eine europäische Norm, haben z.B. keine nationale Verbindlichkeit und ihre Anwendung ist freiwillig, können aber eine Vorstufe auf dem Weg zu einer Norm sein.

Der Vorteil ist, dass CWAs schneller erstellt werden können und kostengünstiger sind. So kann ein CWA in fünf bis 18 Monaten entwickelt und beschlossen werden, wogegen die Erarbeitung einer Norm Jahre braucht. Auch der Prozess ist flexibler und die Abläufe im Vergleich zum Entstehen einer Norm vereinfacht. Teilnehmen können alle Akteure aus Unternehmen, Vereinigungen, Regierungen und Akademia, die ein berechtigtes Interesse an dem Thema haben, also auch aus angrenzenden Industrien. Dabei gibt es keine lokale Beschränkung, so dass Beteiligte aus Ländern außerhalb Europas mitwirken dürfen. Der Großteil der Arbeit läuft elektronisch ab, was Zeit und Kosten für persönliche Treffen spart. Ähnlich einer Norm werden die Entwürfe online zur Verfügung gestellt, so dass die Öffentlichkeit diese kommentieren und wichtigen Input liefern kann. Gleichzeitig bringen CWAs viele Stärken der Normen mit und halten beispielsweise einheitliche Definitionen, Regelungen und Rahmenbedingungen, technische Anforderungen oder die Beschreibung von Datenbanken offiziell fest, an denen sich Stakeholder aus Industrie, Öffentlichkeit und Politik orientieren können. Die Dokumente sind über CEN und die nationalen CEN-Mitglieder erhältlich und werden teilweise kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Ein Beispiel: Um Ressourcen nachhaltiger und effizienter zu nutzen, schafft die industrielle Symbiose Verbindungen zwischen Unternehmen, die als Nebenprodukt oder „Abfall“ (z.B. Chemikalien, Abwärme oder Industriewasser) das produzieren, was andere Betriebe als Rohstoff einsetzen. Ein europaweit einheitlicher Rahmen fehlte bisher. Im EU-Projekt SHAREBOX, an dem auch die DECHEMA beteiligt ist, entstand nun in Zusammenarbeit mit drei weiteren EU-Projekten ein CWA, das einen Konsens zu den Kernelementen der industriellen Symbiose liefert und Ansätze für bewährte Verfahren aufzeigt. Das Dokument soll eine leichtere Identifizierung der Industriellen Symbiose ermöglichen. Akteure aus der Industrie und Kommunen können sich informieren und auf gemeinsame Elemente und Ansätze zurückgreifen, was die Etablierung von industriellen Symbiosen erleichtert und eine Grundlage für Politik, Empfehlungen und eine umfassende Umsetzung bildet.

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