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Archive for the ‘Umweltschutz’ Category

… sagt Harun Tüysüz, Katalyseforscher am MPI für Kohlenforschung in Mülheim und DECHEMA-Preisträger 2019. Den DECHEMA-Preis wird er am 27. August 2020 im Rahmen einer hybriden Veranstaltung entgegennehmen (Anmeldung zum DECHEMA-Prize 2019). Wir haben uns mit ihm über seine Forschung, seine „Traumreaktion“ und die Vision von einer treibhausgas-neutralen Chemieindustrie unterhalten. Im heutigen ersten Teil des Interviews erfahren Sie mehr darüber, welche Faktoren die Katalysator-Aktivität beeinflussen und was Harun Tüysüz an seiner Arbeit besonders gut gefällt.

Herr Tüysüz, das Spektrum Ihrer Forschungsarbeiten ist unglaublich breit. Gibt es so etwas wie einen kleinsten „gemeinsamen Nenner“? Einen Bereich, den man als Ausgangspunkt für Ihre Forschung bezeichnen könnte?

Harun Tüysüz ist begeisterter Wissenschaftler.

Ich gebe Ihnen Recht, von außen betrachtet erscheint meine Forschungsrichtung sehr breit. Im Kern beschäftige ich mich jedoch mit dem Design und der Entwicklung von Katalysatoren mit sehr genau definierter Nanostruktur und deren Anwendung im Bereich nachhaltiger Energie.

Hierbei haben wir ein klar definiertes Ziel: Ob CO2-Aktivierung, elektrochemische Wasserspaltung oder sogar der Halogenid-Perowskit-Katalysator  –  letztlich versuchen wir immer, eine Verbindung zwischen der Struktur und ihrer katalytischen Aktivität zu finden. Damit definieren wir die Struktur-Aktivitäts-Korrelation durch die Syntheseparameter und schlussendlich auch ihre katalytische Aktivität und Anwendung.

Welche Rolle spielt denn die Struktur überhaupt für den Katalysator? Man könnte ja denken, dass bei der Katalyse eigentlich nur die Oberfläche  ausschlaggebend ist und vielleicht noch, wie gut das Molekül dort hinkommt. Aber tatsächlich geht es um mehr als das?

Es geht auf jeden Fall um mehr. Natürlich gibt es Reaktionen, die sehr empfindlich auf die Struktur und die physikalischen Eigenschaften der Materialien reagieren. Ein Beispiel: die Fischer-Tropsch-Katalyse, die hier am Max-Planck-Institut entdeckt wurde. Bei dem Verfahren kann mithilfe von Kobalt-Nanopartikeln  Kohlenmonoxid mit Wasserstoff zu Kohlenwasserstoffverbindungen umgewandelt werden. Es gibt dabei einen Trend, der besagt, „je kleiner der Nanopartikel, desto aktiver und besser ist der Katalysator“.  Für diesen gibt es aber eine Grenze: unterhalb einer Partikelgröße von 6-7 Nanometern verringert sich die Aktivität des Katalysators wieder. Das ist eine sehr spezifische Eigenschaft der Fischer-Tropsch-Katalysatoren, die auch für andere Reaktionen gelten kann. Neben der Struktur spielen also die Zusammensetzung, die Morphologie, die Porosität, die Oberfläche, die Partikelgröße, die Partikelform und die Defekte sehr wichtige Rollen in der heterogenen Katalyse.

Es gibt also viel mehr Faktoren als die Partikelgröße?

Die Oberflächenstruktur eines Katalysators hat einen wesentlichen Einfluss auf seine Aktivität.

Absolut! Morphologie, Partikelgröße und Form sind alles wichtige Parameter, die eine große Rolle in der Katalyse spielen können. Während einer chemischen Reaktion sind die Wechselwirkungen zwischen den Katalysatoren und den Reaktanden sowie deren Adsorptions- und Desorptionsenergien sehr stark von der Form und den Facetten der Katalysatoren abhängig.  Wenn Sie einen Katalysator haben, der an der Oberfläche Würfel-, Oktaeder- oder Pyramidenstrukturen bilden kann, werden Sie je nach Oberflächenstruktur unterschiedliche Aktivitäten und auch Produktselektivitäten beobachten.

Man könnte also anhand der Katalysatorstruktur vorhersagen, wie ein Reaktion abläuft bzw. welche Struktur man für ein gewünschtes Ergebnis bräuchte. Wie gut versteht man diesen Zusammenhang denn schon?

Für viele Reaktionen lässt sich das bereits mithilfe des entsprechenden theoretischen Hintergrundwissens vorhersagen. Aber es gibt auch immer noch viele Fälle in der Katalyseforschung, in denen das Ergebnis am Ende eine Überraschung ist.

Wenn Sie wie beispielsweise bei der Wasserspaltung in eine neue Richtung forschen, können sich die tatsächlichen Ergebnisse stark von Ihren Anfangsannahmen unterscheiden. Sie können zwar ungefähr berechnen, welche Aktivität oder Stromstärke Sie von einer bestimmten Elektrokatalyse erwarten, doch Aspekte wie die Kinetik, die Diffusion oder der Stofftransport können dazu führen, dass das Resultat weit von dem abweicht, was Sie erwartet haben.

Die Katalyseforschung ist ein sehr großes Feld mit viel Theorie und immer noch unvorhersehbaren Ergebnissen – was fasziniert Sie besonders daran?

90% aller hergestellten Produkte sind auf ihrem Lebensweg einem Katalysator begegnet. [Photo by Martin Lopez on Pexels.com]

Die Katalyseforschung ist ein Bereich mit einer langen und reichen Geschichte. Sie wird eine noch strahlendere Zukunft haben, da die Herausforderungen unserer Gesellschaft mehr Unterstützung erfordern. Sie ist auch der Schlüssel zur Schaffung einer sicheren, nachhaltigeren und umweltverträglichen Zukunft.

Die Katalyseforschung ist sehr interdisziplinär und erstreckt sich über weite Bereiche der Chemie, Biochemie, Biotechnologie, Chemietechnik und Materialwissenschaften. Ungefähr 90% aller hergestellten Materialien beinhalten auf der einen oder anderen Stufe ihrer Herstellung mindestens einen katalytischen Prozess. Es beeindruckt mich, wie breit das Feld der Katalyse gefächert ist und wie sehr sie unser tägliches Leben beeinflusst, manchmal ohne dass wir es wissen.

Ich glaube, die große Faszination meiner Arbeit ist, dass kein Tag dem anderen gleicht. Jeder Tag im Büro birgt neue Herausforderungen. Die stete Weiterentwicklung fasziniert mich – jeden Tag ergeben sich neue Puzzleteile, die wir dann am Ende zu einem großen Bild zusammenbauen, um so Lösungen für wissenschaftliche Probleme liefern zu können.

Wo sehen Sie denn die größten Hürden bei Ihrer Arbeit?

Die größte Herausforderung für die Katalysegemeinschaft ist die Beobachtung der katalytischen Reaktion unter Betriebsbedingungen. Dies liefert wesentliche Erkenntnisse über die Veränderung der Katalysatoren, ihre Aktivierung oder Deaktivierung. Wir brauchen die Entwicklung fortschrittlicherer analytischer Techniken, um mehr Einblick in die katalytische Reaktion- und den Reaktionsmechanismus sowie die Bestimmung der aktiven Zentren zu ermöglichen.

Die Bürokratie kann eine hohe Hürde für Wissenschaftler sein. [Photo by Pixabay on Pexels.com]

Für meine Arbeit sehe ich die größten Hürden, um ehrlich zu sein, tatsächlich im nicht-wissenschaftlichen Bereich. Das betrifft vor allem die Bürokratie und den unnötigen Papierkram. Der zweite große Punkt sind die Schwierigkeiten, wenn es darum geht, Finanzmittel für die Grundlagenforschung zu gewinnen. Ich gebe Ihnen dafür gern ein Beispiel: Nobelpreisträger Otto Warburg hat Anfang 1921 einen Antrag bei der DFG eingereicht. Dieser Antrag bestand aus einem einzigen Satz: „Ich benötige 10.000 (zehntausend) Mark.“ Dieser Antrag wurde bewilligt und Otto Warburg hat am Ende die benötigten Mittel erhalten.

Wenn ich heutzutage einen Antrag auf Fördermittel stellen möchte, dann dauert das Verfahren extrem lang, häufig 8-12 Monate. Es kann Jahre dauern, bis man tatsächlich Mittel für eine neue Forschungsrichtung bekommt. Wenn es dann soweit ist, sind andere Wissenschaftler oder Länder vielleicht schon gar nicht mehr an diesem Thema interessiert. Ohne konkrete Anwendung ist es ebenfalls schwierig, an Fördermittel zu kommen. Dabei ist es sehr wichtig, die Grundlagenforschung in Deutschland zu unterstützen. Wenn man heute ein Chemiebuch zur Hand nimmt, beruht fast alles Wissen darin auf Grundlagenforschung. Das müssen wir erhalten.

Ich merke schon, die Hürden in Ihrer Arbeit beziehen sich weniger auf die Forschung, sondern eher auf das Drumherum.

Mit der Forschung bin ich sehr zufrieden. Ich arbeite am Max-Planck-Institut und wir haben eine sehr gute Infrastruktur vor Ort. Wir erhalten zudem viel Unterstützung von der zentralen Max-Planck-Gesellschaft. Außerdem ist das MPI für Kohlenforschung eine Stiftung, die sich zum Teil durch alte Patente zum Beispiel für die Polyethylen-Herstellung finanziert. Wissenschaftlich geht es uns also sehr gut.

Lesen Sie nächste Woche im zweiten Teil des Interviews, wie Harun Tüysüz die Chancen für eine treibhausgas-neutrale chemische Industrie bis 2050 einschätzt, was dafür gebraucht würde und welchen Katalysator er sich von einer guten „Wissenschafts-Fee“ wünschen würde.

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Obst haltbar machen, Atemluft reinigen, reaktive Gase stabiliseren: So unterschiedlich diese Fragestellungen sind, metallorganische Gerüstverbindungen (MOFs) sind die Antwort. Aus der unglaublichen Vielfalt an möglichen Strukturen und Zusammensetzungen von MOFs ergeben sich entsprechend viele Einsatzmöglichkeiten.

Die entscheidende Rolle bei den Anwendungen außerhalb der Katalyse spielt dabei die Fähigkeit der MOFs, insbesondere Gase selektiv zu adsorbieren und freizusetzen. Diese Eigenschaft kann sowohl zur Speicherung von Gasen wie Wasserstoff oder Methan dienen, zur Adsorption von CO2 aus Abgasströmen, aber auch zur gezielten Freisetzung von Gasen.

Durchbruch im Jahr 2016

Photo by Maria Lindsey Multimedia Creator on Pexels.com

Letzteres war der Schlüssel zur laut Presseberichten ersten kommerziellen Anwendung von MOFs bei der Lebensmittellagerung: 2016 verkündeten der MOF-Hersteller MOF Technologies Ltd. und das Obstlogistik-Unternehmen Decco Worldwide Post-Harvest Holdings, man habe gemeinsam eine Technologie entwickelt, um Obst länger zu lagern. Kern des Verfahrens sind MOFs, die in der Verpackung 1-Methylcyclopropen freisetzen; es verhindert den Nachreifungsprozess bei Obst.

Auch in der Öl- und Gasindustrie kommen MOFs bereits zum Einsatz. Die Firma framergy hat sich darauf spezialisiert und bietet maßgeschneiderte MOFs für die Gasreinigung. Noch wichtiger könnte aber ein spezifisches Anwendungsfeld werden: framergy entwickelt Lösungen, um Fackelgase aufzufangen, und könnte damit einen signifikanten Beitrag für Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit bei der Öl- und Gasgewinnung leisten. Demonstrationsanlagen sind bereits in Betrieb.

Der Wert der Zuverlässigkeit

Wo der Preis gegenüber der Zuverlässigkeit nachrangig ist, können MOFs ihre Stärken voll ausspielen. Das gilt für den Einsatz in Atemschutzmasken, wo sie Lücken im Adsorptionsspektrum schließen könnten, die Aktivkohle und andere konventionelle Materialien bisher hinterlassen. Unter anderem forscht die Bundeswehr an entsprechenden Technologien.

Es gilt aber auch in der Halbleiterindustrie. NuMat Technologies, ein junges US-Unternehmen, hat sich dafür mit Versum Materials zusammengeschlossen, einem Anbieter von Ausgangsstoffen und Gasen für die Halbleiterindustrie. Die von NuMat entwickelten MOFs sollen in Gasbehältern dafür sorgen, dass Gase wie Arsin, Phosphin und Bortrifluorid mit höchster Reinheit auch bei Unterdruck gelagert und transportiert werden können. Das stabilisiert einerseits die reaktiven Gase und reduziert gleichzeitig die Risiken bei Lecks.

By JuliusEvola – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=64506541

Das Schweizer Startup novoMOF AG untersucht ebenfalls zahlreiche mögliche Einsatzgebiete für ihre MOFs. Dazu gehört auch die Gewinnung von Edelgasen. Anstelle der sehr energieaufwändigen Luftfraktionierung sieht novoMOF die Möglichkeit, hochselektive MOFs zu nutzen, um insbesondere die seltenen Edelgase Krypton und Xenon zu gewinnen, und wirbt um Partner für die Pilotierung.

Wenn die Einsatzmöglichkeiten so zahlreich sind, warum sehen wir dann derzeit doch noch relativ wenige Anwendungen im Markt? Das liegt zum einen an den Kosten, zum anderen aber auch an Fragen wie der Stabilität der Verbindungen. Dazu mehr im nächsten Beitrag in der kommenden Woche.

https://dechema.de/MOF2020.html

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Wie können wir nachhaltiger leben, Ressourcen schonen und gleichzeitig unseren Lebensstandard sichern? Das Wissenschaftsjahr Bioökonomie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung möchte Antworten geben und Lösungsansätze erlebbar machen. Mitte Januar gab Bundesforschungsministerin Anja Karliczek in Berlin den Startschuss. Den DECHEMA-Geschäftsführer Prof. Dr. Kurt Wagemann haben wir gefragt, was ein Wissenschaftsjahr leisten kann und was die DECHEMA zur Diskussion beiträgt.

Nun läuft es also, das Wissenschaftsjahr Bioökonomie. Was kann es Ihrer Ansicht nach bewegen?

Prof. Dr. Kurt Wagemann,

Es kann auf jeden Fall größeres Bewusstsein schaffen. Früher war Triebfeder für die  Bioökonomie die drohende Rohstoffknappheit – Stichwort Peak-Oil. Seit einigen Jahren – und nicht erst seit „Fridays for Future“ – ist der Klimaschutz viel sichtbarer in den Vordergrund getreten. Die Bioökonomie spielt vor allem bei den Themen „Nutzung erneuerbarer Rohstoffe und Energien“ und  „Sektorkopplung“ zur Defossilisierung unserer Wirtschaft eine wesentliche Rolle. Darauf hat der Bioökonomierat der Bundesregierung bereits 2016 sehr deutlich hingewiesen.

Sind Fahrräder aus Bambus oder Kleidung aus Milchprotein denn wirklich der Schlüssel zur mehr Klimaschutz?

Jede neue Entwicklung muss beweisen, dass sie etwas zum Klimaschutz beiträgt. Insbesondere bei den Produkten geht es nicht nur um die Herstellung, sondern auch um ihre Lebensdauer und die Möglichkeiten des Recyclings. Es sind aber nicht nur die Produkte, sondern auch die Prozesse einschließlich des Rohstoffeinsatzes, die nachweisen müssen, dass sie letztlich in einer Gesamtbetrachtung zu verringerten Emissionen von Treibhausgasen führen. Mit den Comic-Figuren „Mega-Mikrobe“, „Profi-Protein“ und „Allrounder-Alge“ macht das Wissenschaftsjahr erstmals auch Prozesse im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar. Das ist aus meiner Sicht ein sehr wichtiger Schritt, denn biotechnologische Prozesse sind ein ganz wesentlicher Schlüssel zur Bioökonomie.

Das Profi-Protein ist einer der „Kleinen Helden“ des Wissenschaftsjahrs. Quelle: BMBF

Was trägt die DECHEMA zu den Zielen des Wissenschaftsjahrs bei?

Die Bioökonomie beschäftigt uns immer, nicht nur 2020 – sie ist ein Pfeiler der Aktivitäten der DECHEMA. Natürlich sind wir aber auch beim Wissenschaftsjahr dabei:  Kathrin Rübberdt, die Leiterin der Abteilung Biotechnologie, vertritt die DECHEMA im Beirat des BMBF.

Und mit dem Schülerwettbewerb DECHEMAX haben wir im Oktober wahrscheinlich eine der ersten Aktivitäten  zum Wissenschaftsjahr gestartet. Er steht in der Saison 2019/2020 unter dem Motto „Alles Bioökonomie, oder was? Dasselbe in Grün“. Mit Fragen wie beispielsweise

  • Die Biogasanlage – Was darf rein? – Welche Form von Biomasse wird in traditionellen Biogasanlagen nicht für die Methanproduktion genutzt?
  • Elektrischer Strom aus der Kuh – Wie viele Kilowattstunden (kWh) an Energie können aus der täglich anfallenden Gülle von zwei Milchkühen produziert werden?

möchten wir bereits Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen 7-11 für die Thematik sensibilisieren.

Bei der Auftaktveranstaltung zum Wissenschaftsjahr forderte Bundesforschungsministerin Karliczek eine sachgerechte Diskussion über moderne Züchtungsmethoden und Genome Editing. Wie beteiligt sich die DECHEMA daran?

Die Forderung nach einer sachgerechten Diskussion begrüße ich sehr. An dieser Diskussion beteiligt sich auch die DECHEMA als wichtige Fachgesellschaft im Bereich der Bioökonomie. Der DECHEMA-Tag 2019 war bereits unter der Überschrift „Genome-Editing – der Turbo für die Pflanzenzüchtung?“ diesem Thema gewidmet. Die Vorträge von Prof. Dr. Christine Lang vom Bioökonomierat Berlin zur Frage „Genome Editing in der Bioökonomie – Benötigen wir ein neues Gentechnikrecht?“ sowie die Vorstellung von „Methoden zur Erweiterung der genetischen Variation als Grundlage für erfolgreiche Pflanzenzüchtung“ durch Prof. Dr. Christian Jung, Universität Kiel, stießen dabei auf sehr großes Interesse und förderten eine angeregte Diskussion.

Das hat gezeigt, wie groß der Bedarf nach Diskussionen, aber auch nach Informationen ist. Deshalb haben wir gerade  unser Faktenpapier „Züchtung von Nutzpflanzen“ veröffentlicht. Darin haben wir ganz bewusst auf jegliche Wertung verzichtet, sondern erst einmal nur den Stand der Wissenschaft zusammengetragen. So kann es als Grundlage für die weitere Diskussion dienen. Aktuell wenden wir uns damit an alle, deren Meinung und Handeln wichtig ist, und bitten um Stellungnahmen.

In der Auftaktveranstaltung fiel mehrfach das Wort „Verzicht“ – sprich, wir können unseren derzeitigen Konsum nicht einfach auf eine neue Basis stellen, sondern müssen unseren Lebenswandel auch verändern. Wie stehen Sie zu solchen Diskussionen?

Die DECHEMA wird als Fachgesellschaft alles tun, um technische Lösungen voranzubringen, damit Grundbedürfnisse wie Ernährung oder Mobilität auch zukünftig befriedigt werden können. Die Entwicklung von Strategien zum Ersatz fossiler Rohstoffe  oder für effizientere Produktionswege gehört dabei zu unseren Kernkompetenzen.

Auf entscheidende Rahmenbedingungen wie  beispielsweise den rascheren Ausbau erneuerbarer Energien oder die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte haben wir allerdings keinen Einfluss. Energieimporte wird man ebenso neu denken müssen wie internationale Kooperationen zur Herstellung von Kraftstoffen an begünstigten Standorten mit Power-to-X-Technologien, an deren Entwicklung wir maßgeblich beteiligt sind. Hier wird die Industrie- ebenso wie die Entwicklungshilfepolitik eine entsprechende Rolle zu spielen haben.

Jenseits der grundlegenden Bedürfnisse muss man aber wohl auch fragen, ob sich jeder Konsumwunsch nachhaltig erfüllen lässt. Natürlich  wird sich jeder selbst bei dem Gedanken ertappen, ob die nächste Urlaubsreise tatsächlich der Flug in die Karibik wird oder ob der Gänsebraten zu Weihnachten sein muss. Klimaschutz erfordert Umdenken auf jeder Ebene – der persönlichen, der Firmen- ebenso wie der Regierungsebene.

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Was wird die Prozesstechnik morgen beschäftigen? Wohin entwickelt sich die Biotechnologie? Und wer muss mit wem zusammenarbeiten, um diese Fragestellungen aktiv anzugehen?

Mehr als 50 Experten diskutierten beim Strategieworkshop über Zukunftsthemen

Neue Themen zu entdecken und aktiv mitzugestalten, gehört zu den wichtigsten Aufgaben der DECHEMA. Viele Ideen entstehen aus den Gremien heraus. Aber es liegt in der Natur der DECHEMA und von ProcessNet, dass die ganz wesentlichen Herausforderungen nicht eine Fachgruppe oder ein Ausschuss alleine bearbeiten kann. Von der Energiewende über die Nutzung nachwachsender Rohstoffe bis zum Umgang mit den neuen Datenströmen in der Prozessindustrie – fachübergreifende Zusammenarbeit ist mehr denn je gefragt.

„Verantwortung Zukunft“

Der gemeinsame Strategieworkshop von DECHEMA-Fachgemeinschaft Biotechnologie und ProcessNet Mitte Oktober in Wiesloch hatte genau das zum Ziel: Es ging darum, die Fragestellungen von morgen zu identifizieren und zu bearbeiten. Rund 50 Expertinnen und Experten, die die unterschiedlichsten Fachrichtungen innerhalb der Community repräsentieren, trafen sich unter dem Motto „Verantwortung Zukunft“.

Die Aufgabenstellung: Die unübersehbar großen Themen Digitalisierung, Biologisierung und Circular Economy sollten greifbar gemacht und strukturiert werden. Als viertes Thema kristallisierte sich schon zu Beginn im neuen Veranstaltungsformat BarCamp die Kommunikation heraus: Technologischer Fortschritt ist ohne gesellschaftlichen Dialog nicht (mehr) möglich – aber wie kann dieser Dialog angestoßen und geführt werden?

Themen und Aufgaben definiert

Digitalisierung und neue Lebensmittel = „Kuh 2.0“?

Das Ergebnis: Nach zweieinhalb Tagen intensiver gemeinsamer Arbeit in World Cafés und Workshops liegen nun zu den drei Fachthemen umfangreiche Kataloge mit verschiedenen Arbeitsempfehlungen vor: Von der „Kuh 2.0“ als Stichwort für biosynthetische Lebensmittel über die Definition der Circular Economy bis zur Einordnung der vielfältigen Digitalisierungsthemen nach Entwicklungsgrad wurden Fragestellungen formuliert, die handhabbar sind. Namentlich benannte „Kümmerer“ sind dafür verantwortlich, diese Themen weiter zu verfolgen – sei es in Form eines spezifischen Workshops mit Experten, sei es in Form eines Diskussionspapiers oder als Ausgangspunkt für ein mögliches Projekt. Zur Kommunikation wurden sehr konkrete Handlungsaufträge entwickelt, die in der nächsten Zeit gemeinsam mit der Geschäftsstelle umgesetzt werden sollen. Anfang des Jahres werden die Ergebnisse in den Gremien von ProcessNet und DECHEMA-Fachgemeinschaft Biotechnologie vorgestellt und die Aktivitäten mit allen Beteiligten gestartet.

Dass ein so fruchtbarer Workshop überhaupt möglich war, ist zum Einen dem großen Engagement all derer zu danken, die als Ehrenamtliche zwei Tage ihrer Zeit geopfert und sich mit großem Einsatz beteiligt haben. Zum Anderen gilt der Dank aber auch all denen, die schon vorher über ihre Fachgruppen und Beiräte zur Themensammlung beigetragen haben.

An die Arbeit!

Das Ende des Strategieworkshops bildet damit den Anfang einer ganzen Palette thematischer Aktivitäten und das klare Bekenntnis von ProcessNet und DECHEMA-Fachgemeinschaft Biotechnologie: Gemeinsam übernehmen wir Verantwortung für die Zukunft.

DECHEMA-Mitglieder finden Anfang 2020 die Informationen zu den konkreten Aktivitäten im Mitgliederbereich der Webseite und können sich dann beteiligen – wir informieren Sie per Newsletter und DECHEMA aktuell.

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„Miss alles, was sich messen lässt, und mach alles messbar, was sich nicht messen lässt“, soll Archimedes gesagt haben. Das klingt einfach – und ist doch extrem komplex.

Umwelt und Gesundheit – hier spielt Messtechnik eine besondere Rolle
Bild: Erich Westendarp auf Pixabay

Das gilt besonders dann, wenn es um Gesundheit geht. Bei wenigen Themen wird dies so deutlich wie bei der anhaltenden Diskussion um Fahrverbote für Dieselautos. Und hier fängt die Kontroverse schon bei den vermeintlich objektiven Fakten, den Messwerten an: Was wird gemessen, und vor allem: Wo wird gemessen? Und ist auf Basis dieser Messungen eine Aussage darüber möglich, wie es wenige Meter entfernt oder oberhalb aussieht? Das Ergebnis lässt sich in der öffentlichen Debatte besichtigen. Da wird um jede Messstelle gerungen und heftig diskutiert, ob Grenzwerte an Arbeitsplätzen anders einzuordnen sind als Grenzwerte auf Durchgangsstraßen und warum. Das gipfelt in dem Versuch, durch die Installation einer Absauganlage neben einer Messstelle die Messwerte unter die kritischen Schwelle zu drücken – so ernsthaft an einer stark befahrenen Straße in Kiel geplant.

Dass die Luftverschmutzung in weiten Teilen Indiens gesundheitsgefährdend hoch ist, ist wohl auch ohne Messung jedem ersichtlich. Aber wie steht es um deutsche Innenstädte? Laut Europäischer Umweltagentur war Feinstaub die Ursache für rund 422.000 vorzeitige Todesfälle in 41 europäischen Ländern, Stickoxide sorgten für 79.000 Tote. Verkompliziert wird das Ganze dadurch, dass eine Optimierung von Dieselmotoren auf möglichst geringen Stickoxid-Ausstoß zu einem Anstieg der Feinstaubemissionen führt und andersherum; darauf machte Professor Matthias Klingner, der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme in Dresden, 2017 in der „Welt“ aufmerksam. Und Feinstaub ist nicht gleich Feinstaub – allein die Größe eines Partikels sagt noch nicht viel über dessen Toxizität aus. Dafür spielen unter anderem die Form des Teilchens und dessen Oberflächeneigenschaften eine entscheidende Rolle.

Es geht also nicht nur um eine immer bessere Messtechnik, man muss sich auch darüber im Klaren sein, welche Aussagekraft die gemessenen Daten haben.

14. Dresdner Sensor-Symposium

Wie man sich diesen komplexen Fragestellungen nähern kann, ist Thema einer Podiumsdiskussion beim 14. Dresdner Sensor-Symposium. Reinhard Nießner, TU München, Heinz Burtscher, Fachhochschule Nordwestschweiz,  Axel Haverich, Medizinische Hochschule Hannover, und Volker Ziegler, Grimm Aerosol Technik Ainring beschäftigen sich mit der Frage: Partikel und Gesundheit – Messen wir das Richtige? Die Moderation hat Ulrich Kaiser, Endress+Hauser. Die Veranstaltung ist Teil des Dresdner Sensor-Symposiums vom 2. bis 4. Dezember 2019.

Mehr zu Programm und Teilnahme unter https://dechema.de/dss14.html

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Die Stimmung war hervorragend beim 12. Bundesalgenstammtisch im September 2019 in Kiel. Sicher trug auch der Tagungsort dazu bei. Denn die ca. 120 Teilnehmer konnten nicht nur aktuelle Forschungsergebnisse erfahren und intensiv diskutieren, sondern in und rund um Kiel Algenkultivierung und – nutzung live erleben. Kiel hat sich in den letzten Jahren zu einer Hochburg für die Algenbiotechnologie entwickelt, und auf den angebotenenen fünf Exkursionen zu Unternehmen und Instituten in der Region konnten sich die Gäste selbst ein Bild von Forschung und Anwendung entlang der Wertschöpfungskette machen.

Auch im Vortragsprogramm hatten die örtlichen Aktivitäten ihren Platz. Dazu kamen Vorstellungen der neuen „Innovationsräume Bioökonomie“, namentlich  BaMS und BioBall, in denen Mikroalgen eine Rolle spielen werden. Weitere Sessions befassten sich mit der Nährstoffversorgung von Algenkulturen, den Wechselwirkungen zwischen Alge und Reaktorsystem und der Frage, wie man marktfähige Produkte auf Basis von Algen entwickelt.

Zusätzlich zu den Präsentationen konnten sich die Teilnehmer in der Posterausstellung einen Überblick über den Stand der Wissenschaft verschaffen.

Das nächste Treffen der Algencommunity wird im Rahmen der 34. DECHEMA-Jahrestagung der Biotechnologen vom 21.-14. September 2020 in Aachen stattfinden. Der Call for Papers öffnet Ende Oktober 2019.

Im Frühjahr 2021 findet dann in Wien der erste DACH-Algen-Kongress statt, der das Jahrestreffen des österreichischen Netzwerkes Algen und den deutschen Bundesalgenstammtisch in einer gemeinsamen Veranstaltung des DACH-Netzwerkes Algen bündelt.

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ICCDU 2019 was definitely „the place to be“ for anyone working on carbon dioxide utilization and the event everybody has been talking about. See for yourself what happened in Aachen:

Carbon dioxide utilization requires the cooperation of many disciplines – the CO2 emitting industries as well as chemists, biotechnologists, engineers and experts for sustainability and life cycle analysis. This is reflected in the variety of scientific topics at ICCU 2019:

https://dechema.de/Power_to_X.html

But carbon dioxide utilization is not only a matter of science and technology. Policy frameworks and social acceptance are prerequisites for its implementation, and they were discussed in Aachen, too:

If you think science is hard to visualize, see some of the presentations given at ICCDU:

A scientific conference is about research and hard facts, but also about people – here are some of the participants and their impressions:

Scientists reflect what they are doing – CO2 is something everbody is confronted with in their daily life:

And when we say, „everybody is talking about“ carbon dioxide utiliziation, we mean everybody!

https://www.telegraph.co.uk/technology/2019/06/25/muck-brass-meet-uk-entrepreneurs-turning-waste-co2-beer-cement/

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Wie lassen sich Stadtquartiere ressourceneffizienter gestalten? Darüber diskutierten rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunen bei der Auftaktveranstaltung der Fördermaßnahme „Ressourceneffiziente Stadtquartiere für die Zukunft – RES:Z“ am 5. und 6. Juni in Frankfurt am Main. Ansätze gibt es viele, von der Begrünung bis zur Erstellung urbaner Gebäude-Material-Kataster und der Erarbeitung von Planungstools. In den kommenden 3 Jahren sollen sie in 11 Projekten weiterentwickelt werden.

Bereits heute lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Diese sind für bis zu 70% des weltweiten Ressourcenverbrauchs verantwortlich. Vor dem Hintergrund der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und der Umsetzung der Sustainable Development Goals müssen Städte energie- und rohstoffeffizient sowie klimaangepasst weiter entwickelt werden.

Hier setzt die Fördermaßnahme „Ressourceneffiziente Stadtquartiere für die Zukunft – RES:Z“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) an. Die 11 inter- und transdisziplinären Projekte entwickeln unter aktiver Einbindung von über 20 Modellkommunen umsetzungsorientierte Konzepte für Wasserwirtschaft, Flächennutzung und Stoffstrommanagement auf der Ebene des Stadtquartiers und erproben diese in der Realität, um so einen Beitrag zur nachhaltigen Gestaltung von Städten zu leisten.

Zur Auftaktveranstaltung der Fördermaßnahme RES:Z wurden am 5. und 6. Juni 2019 rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunen im DECHEMA-Haus in Frankfurt am Main begrüßt. In Form von Tandemvorträgen der meist wissenschaftlichen Projektleitung und Vertreterinnen und Vertretern der involvierten Kommunen wurden die geplanten Arbeiten der Projekte sowie die spezifischen Ziele der jeweiligen Kommunen anschaulich vorgestellt, was zu einem regen und interessierten Austausch beitrug. Diskutiert wurden Aspekte zur Entwicklung von übergreifenden Planungsinstrumenten für die integrative Stadtentwicklung und zur Gestaltung des Straßenraums vor dem Hintergrund unterschiedlicher Anforderungen der Nutzung (z.B. Mobilität, Wasserwirtschaft, Stadtplanung) und den Herausforderungen des Klimawandels (Hitze, Starkregenereignisse). Weitere Themen waren die Bedeutung sowie die ökologischen und sozialen Leistungen von urbanen Grünflächen und Möglichkeiten der Begrünung von Fassaden und Hausdächern für eine Verbesserung des städtischen Mikroklimas. Vorgestellt wurden darüber hinaus Ansätze für eine optimierte Nutzung von Wohnraum, um Flächenversiegelung zu vermeiden und zur Schließung von Stoffkreisläufen durch die Erstellung von Gebäude-Material-Katastern und von Konzepten zur Nutzung von Sekundärrohstoffen aus dem Rückbau von Gebäuden.

Zwei Impulsvorträge zur urbanen Transformation sowie – als Blick über den Tellerrand – zu Städten der Zukunft in Asien mit Beispielen zu aktuellen Entwicklungen in Korea. ergänztentenn die Präsentationen der RES:Z-Projekte. z

Die Veranstaltung wurde von der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. organisiert, die das wissenschaftliche Querschnittsprojekt ReQ+ zur Fördermaßnahme RES:Z koordiniert. Projektpartner sind das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT und StadtLand GmbH. Aufgaben von ReQ+ ist die inhaltliche Vernetzung der RES:Z-Projekte und die Unterstützung des Ergebnistransfers in die kommunale Praxis.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.bmbf.ressourceneffiziente-stadtquartiere.de 

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Welche Rolle könnte Methanol als Energieträger und Plattformchemikalie der Zukunft spielen? Diese Frage hat Hans Jürgen Wernicke durch seine gesamte Berufslaufbahn begleitet – und auch beim DECHEMA-Kolloquium anlässlich seines 70. Geburtstages ist der Blick nicht nur auf den aktuellen Stand der Technik, gerichtet, sondern darüber hinaus auf die Einsatzmöglichkeiten von Methanol in der nahen und mittleren Zukunft. Wir sprachen mit dem früheren DECHEMA-Vorsitzenden darüber, was ihn an Methanol so fasziniert:

Dr. Hans Jürgen Wernicke

Herr Dr. Wernicke, welche Rolle hat Methanol in Ihrer Laufbahn gespielt?
Methanol hat mich über meine gesamte Berufslaufbahn begleitet. Bei Linde haben wir einen Reaktor entwickelt, der unter anderem für die stark exotherme Synthese von Methanol dient, bei der Süd-Chemie (heute Clariant) waren und sind  Methanolkatalysatoren ein wichtiger Teil des Geschäfts und wurden kontinuierlich verbessert  – ich war also immer in der einen oder anderen Weise mit Methanol befasst.

Wo sehen Sie die größten Potenziale für den Einsatz von Methanol in der nahen und in der mittleren Zukunft?
Das größte Potenzial sehe ich darin, CO2 zu recyceln und mit „grünem“ Elektrolysewasserstoff zu nachhaltigem Methanol umzusetzen. Methanol lässt sich vielseitig einsetzen, z.B. als hochoktaniger  Kraftstoffzusatz oder weiterverarbeitet  als Benzin oder Diesel. Über die in großem Maßstab realisierte  Herstellung von Olefinen aus Methanol lässt sich  die gesamte petrochemische Prozesskette  abbilden. Methanol könnte so wesentlich zum  Ersatz fossiler Rohstoffe beitragen. Die Handhabung von Methanol ist Stand der Technik, es  ist ein flüssiger Energieträger, für den, anders als z.B. bei  Wasserstoff oder den Ladestationen für Batterien, nicht in eine neue Infrastruktur investiert werden müsste. .

Warum werden diese Potenziale bisher nicht genutzt – welche technischen oder sonstigen Hürden stehen dem im Wege?
Da gibt es mehrere Gründe: Der zur CO2-Hydrierung benötigte Elektrolysewasserstoff –  insbesondere  aus regenerativen Energiequellen –  ist noch zu teuer. CO2 ist dagegen leicht abzutrennen und in großer Menge verfügbar, vor allem aus industriellen Quellen. Die zweite Hürde ist die generelle  Akzeptanz: Wenn die Öffentlichkeit überhaupt etwas über Methanol hört, dann als Giftstoff im Zusammenhang mit Schwarzbrennerei. Deshalb bestehen dort Vorbehalte. Technische Hürden sehe ich eigentlich nicht. In Island läuft seit 2012 eine Anlage, die „grünes“ Methanol aus CO2 und Wasserstoff produziert, der über Geothermie gewonnen wird. Seit 2015 produziert die Anlage 4000 t Methanol im Jahr, das als Benzinzusatz genutzt wird. Darüber hinaus laufen vielfältige Projekte im Rahmen von Kopernikus oder Carbon2Chem, um die technische Skalierbarkeit nachzuweisen und die Wirtschaftlichkeit zu verbessern.

Mehr zum Thema Methanol, seiner Herstellung und seinen Einsatzmöglichkeiten beim DECHEMA-Kolloquium am 4. Juli 2019 – melden Sie sich jetzt kostenfrei an!

Hans Jürgen Wernicke wurde 1949 geboren und trat nach dem Studium der Chemie und der Promotion an der Christian-Albrechts-Universität Kiel zunächst in die Linde Group ein, für die er acht Jahre lang in München und Südafrika tätig war. 1985 wechselte er zum Süd-Chemie Konzern, für den er unter anderem als Projektleiter in Südafrika und als Geschäftsbereichsleiter in den USA und in Deutschland arbeitete. Im Jahr 1997 wurde er in den Vorstand berufen und war von 2007 bis 2011 stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Süd-Chemie AG. Seit 2011 ist Hans Jürgen Wernicke beratend tätig und u.a. in mehreren Aufsichtsräten vertreten. Neben zahlreichen ehrenamtlichen Aufgaben war er von 2009 bis 2012 Vorsitzender des DECHEMA e.V. und ist aktuell Vorsitzender des Stiftungsrates des DECHEMA-Forschungsinstituts. 2016 verlieh die DECHEMA ihm die Ehrenmitgliedschaft.

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Der diesjährige DECHEMAX-Schülerwettbewerb hat einen Nerv getroffen: Noch bevor Schüler zum ersten Mal in Deutschland für „Fridays for Future“ auf die Straße gingen, regten die Wettbewerbsfragen die Teilnehmenden zum Recherchieren und Nachdenken an. Rund ums Thema Mobilität ging es u. a. um die Emissionen von Flugreisen, Elektromobilität und Power-to-X. Beim DECHEMA-Tag erhielten die Sieger ihre Preise und sprachen mit uns über ihre Teilnahme am Wettbewerb.

 Die Siegerteams des DECHEMAX-Wettbewerbs

Wie war es, hier beim DECHEMA-Tag vorne auf der Bühne zu stehen und den Preis entgegenzunehmen?

Tobias Viefhaus: Es war ein sehr schönes Gefühl. Ich habe noch nie einen Chemie-Wettbewerb gewonnen. Bei einigen Mathe-Wettbewerben habe ich schon einen Preis gewonnen, ich stand also schon öfter auf einer Bühne und habe etwas entgegengenommen, aber es war trotzdem ein tolles Gefühl.

Florian Noje: Ich sehe es genauso und es war auch mal etwas anderes. Ich habe schon bei einigen Mathe-Wettbewerben mitgemacht, aber da sitzen dann hauptsächlich die anderen Teilnehmer mit ihren Eltern und nicht so ein Publikum wie hier. Hier sitzen Menschen, die sich auch selber mit dem Themenbereich beschäftigen und die wissen es wahrscheinlich anders zu schätzen, als wenn da nur die anderen Schüler sitzen.

Renfield Pambor: Ich fand es auch sehr spannend – wir alle aus meinem Team. Denn es war schon etwas Besonderes, dass einem die ganzen Professoren zusehen und die ganzen Vorstandsmitglieder. Dass man selber den Preis verliehen bekommt, war schon eine Ehre und es war aufregend.

Warum habt ihr euch dazu entschlossen, beim DECHEMAX mitzumachen?

Friedrich Böttger: Meine beiden Teammitglieder hatten schon vor zwei Jahren mitgemacht und kamen mit der Idee auf mich zu, den Wettbewerb wieder zu machen. Dann hatten wir von Anfang an entschieden, dass wir da viel Arbeit reinstecken wollen, und sind mit viel Hoffnung in den Wettbewerb gegangen.

Tobias Viefhaus: Mein Bruder hat von dem Wettbewerb erzählt und ich hatte mir ein Team zusammengestellt. Ich habe auch so viel Interesse an Chemie und darum haben wir entschieden, daran teilzunehmen.

Renfield Pambor: Ich war bei der internationalen Chemie-Olympiade in Berlin dabei und da war ein Schüler, der letztes Jahr beim DECHEMAX-Wettbewerb mitgemacht hat und der mir ganz begeistert von den Experimenten erzählt hat und dass es sehr spannend ist. Daraufhin habe ich das in der Schule erzählt und dann war ein Team ganz schnell gefunden.

Eine Frage an euren Lehrer: Ging das eher von den Schülern aus oder haben Sie Teams motiviert, mitzumachen?

Holger Tröger: Ich habe die Schüler auf den Wettbewerb hingewiesen, weil ich auch schon früher Teams betreut habe. Die Motivation mitzumachen, kam von den Schülern. Das war natürlich eine freiwillige Teilnahme, die Entscheidung war freiwillig. Ich habe nur zwischendurch mal nachgefragt, ob denn auch die Fristen eingehalten werden, ob sie daran denken, die Sachen abzuschicken, weil es erfahrungsgemäß häufig daran gescheitert ist und diesmal glücklicherweise nicht. Aber die Motivation und die Arbeitsleistung kamen vollständig von den Schülern. Ich habe natürlich gerne mit Rat und Tat zur Seite gestanden, aber das ist gar nicht in Anspruch genommen worden. Sie haben komplett eigenständig gearbeitet und das finde ich auch sehr gut so. Das macht uns stolz.

Seit wie vielen Jahren sind Sie mit Teams beim DECHEMAX dabei?

Holger Tröger: Ich bin erst seit etwas über einem Jahr an der Schule, dementsprechend war das der erste DECHEMAX-Durchgang, den ich am Gymnasium Essen-Werden mitgemacht habe. Ich war auch schon vorher dabei, so dass es jetzt das vierte Jahr in Folge gewesen ist.

Dr. Klaus Schäfer, Vorsitzender der DECHEMA, überreicht die Urkunden.

Wie habt ihr es geschafft, neben Schule und Hausaufgaben noch den Wettbewerb unterzubringen und jede Woche die Fragen zu beantworten und zu experimentieren?

Lukas Krinke: In der ersten Runde haben wir uns immer in den großen Mittagspausen getroffen – von der 6. bis zur 8. Stunde haben wir immer eine Stunde Zeit gehabt – recherchiert und die Fragen beantwortet. In der zweiten Runde haben wir uns fast jeden Nachmittag nach der Schule getroffen oder per Skype gechattet und darüber gesprochen und recherchiert.

Tobias Viefhaus: In der ersten Runden haben wir uns immer samstags getroffen und haben dann jede Woche die jeweilige Frage beantwortet. Und in der zweiten Runde haben wir uns dann einige Male getroffen, haben die Versuche durchgeführt und nach weiteren Malen das Versuchsprotokoll fertigstellen können.

Renfield Pambor: In der Oberstufe haben wir bestimmte Fächer abgewählt und haben dadurch Freistunden, in denen wir uns im Labor getroffen und die Experimente in der zweiten Runde durchgeführt haben – unter Aufsicht einer Lehrperson, die uns aber nicht geholfen hat.

Du hast gerade angesprochen, dass ihr im Labor experimentiert habt. Wie war das bei den anderen beiden Teams? Wo habt ihr die Versuche durchgeführt?

Florian Noje: Wir haben bei zweien von uns in den Küchen experimentiert. Das war auch zuerst ein bisschen skeptisch gesehen von den Eltern. Aber da wir immer alles aufgeräumt haben, war es im Endeffekt bei den Versuchen kein Problem.

Wie habt ihr eure Eltern überzeugt?

Florian Noje: Wir haben einfach gesagt, dass wir da mitmachen wollen, und wenn man ein bisschen erklärt hat, was der Wettbewerb ist, dann waren die Eltern auch selbst interessiert daran. Wir haben auch gesagt, dass wir nachher alles wieder aufräumen und dann war es kein Problem.

Tobias Viefhaus: Wir haben auch in zwei von unseren Küchen experimentiert. Es war auch alles mit den Eltern abgesprochen.

Was hat euch am DECHEMAX am meisten Spaß gemacht?

Friedrich Böttger: Am spaßigsten waren die Versuche, bei denen wir selbst etwas machen und analysieren konnten, was dabei herauskommt. Es hatte auch noch einen guten Beigeschmack, dass wir für jeden Versuch zusammengekommen sind und uns öfter getroffen haben.

Renfield Pambor: Am interessantesten war die Arbeit im Labor bei den Experimenten, weil wir uns die Zeit selbst einteilen und schauen mussten, wie wir die Versuche organisieren und planen. Wenn man sieht, was am Ende dabei herausgekommen ist, ist das schon toll.

Jonas Jöhring: Am witzigsten und spaßigsten war, dass wir uns immer mit unseren Freunden und Teammitgliedern getroffen haben und manchmal auch länger darüber diskutiert haben, welche Lösung wir einschicken.

Und was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Holger Tröger: Ich finde es immer in der zweiten Phase ganz spannend, die Experimente zu sehen, wobei die Experimente eigentlich vergleichsweise simpel sind und in den letzten Jahren auch waren. Ich finde tatsächlich die Fragen spannender. Und dann auch zu sehen, wie sich die Fragen von Jahrgangsstufe zu Jahrgangsstufe unterscheiden, immer komplexer und schwieriger werden, und manchmal ist die Antwort eben nicht so leicht, selbst bei den Fragen für die 7. Klasse. Manchmal muss man wirklich intensiv recherchieren und nachdenken. Das ist spannend, weil die Naturwissenschaften bei uns im Unterricht ganz stark und ganz klar getrennt sind – Chemie, Physik, Biologie – dass man tatsächlich auch mal Fragen aus einem Bereich hat, wo man mehrere Wissenschaften miteinander kombinieren muss, das ist für die Jugendlichen auch mal ein ganz interessanter Ansatz.

Welche Ideen oder Antworten Ihrer Schüler haben Sie verblüfft? Hat Sie etwas erstaunt?

Holger Tröger: Was mich tatsächlich bei der 9. Klasse erstaunt hat, ist die Leichtigkeit, mit der sie die Sachen durchgegangen sind. Ich habe dann immer von Woche zu Woche gefragt, wie es aussieht, ob sie an die Fragen gedacht haben – ‚Ja, ja‘. ‚Habt ihr die Fragen beantwortet?‘ – ‚Ja, war ja nicht schwer.‘ So ging das von Woche zu Woche, dass das gar nicht als große Hürde gesehen wurde. Die Gruppen, die ich vorher betreut habe, mussten schon über die Fragen sehr intensiv nachdenken. Mit Recherche waren die Fragen meiner Meinung nach sehr gut machbar.

Wie fandet ihr die Fragen? Waren sie zu leicht für euch?

Florian Noje: Ich würde nicht sagen zu leicht, aber wie gesagt, heute findet man ziemlich viel im Internet und wir sind zu dritt. Wir haben uns dann eine Stunde konzentriert hingesetzt und dann findet man da auch ziemlich schnell die Lösung.

In diesem Jahr ging es beim DECHEMAX häufig um das Thema Umwelt. Habt ihr durch den Wettbewerb einen neuen Blick darauf bekommen?

Lukas Krinke: Auf jeden Fall. Wir haben uns jetzt mit Zahlen auseinandergesetzt und dass  manche Sachen auch verbessert werden müssen. Es war auf jeden Fall interessant.

Florian Noje: Da möchte ich noch etwas ergänzen: Bei den Fragen ging es in einer Woche um den Spritverbrauch vor allem von Flugzeugen und Kreuzfahrtschiffen. Das war unvorstellbar viel. Und da wir diese Reisen eigentlich nur für uns machen, man kann ja auch anders reisen, finde ich das schon ziemlich übertrieben. Da sollte man meiner Meinung nach auch etwas gegen tun. Denn es war nicht einfach nur hoch, es war VIEL zu hoch. Es war teilweise in den zehntausender Bereichen für eine kurze Fahrt.

Möchtest du für dich selber Konsequenzen ziehen?

Florian Noje: Ich habe selber auch noch nie eine Kreuzfahrt gemacht, aber bei solchen Sachen denkt man jetzt schon mehr darüber nach, ob man es wirklich machen will.

Tobias Viefhaus: Ich habe auch eine neue Sicht darauf bekommen. Vorher habe ich mir gar nicht bewusst gemacht, wie viel Sprit und umweltschädlicher Treibstoff verschwendet wird dafür. Ich habe auch noch keine Kreuzfahrt gemacht und bin noch nie geflogen, auch wenn das jetzt komisch klingt, weil man heutzutage sehr häufig in Urlaub fliegt. Aber ich empfehle es auch anderen.

Renfield Pambor: Man hat gesehen, dass man Ökonomie und Ökologie verbinden muss und dass es da interessant ist, neue Lösungen zu finden. Wie Herr Schäfer auch in seiner Eröffnungsrede gesagt hat, dass die „Fridays for Future“-Bewegung jetzt erst aufkommt und das Thema des Wettbewerbs vorher schon festgelegt wurde und dass das eben ganz zukunftsweisende Themen sind und dass es wichtig ist, dass wir jetzt darüber sprechen.

Die DECHEMAX-Sieger in Aktion auf dem „Marktplatz“ des DECHEMA-Tags.

Wollt ihr im nächsten Jahr wieder beim DECHEMAX mitmachen?

Tobias Viefhaus: Ich möchte auf jeden Fall wieder mitmachen und ich hoffe, meine Gruppe auch. Und wir freuen uns sehr, dass wir jetzt hier so erfolgreich waren und wir hoffen wieder auf so einen erfolgreichen Wettbewerb nächstes Jahr.

Friedrich Böttger: Wir drei kommen alle nächstes Jahr in die Oberstufe und wir werden alle Chemie weiter wählen. Bei uns ist auch relativ sicher, dass wir in Kontakt bleiben und auch höchstwahrscheinlich am Wettbewerb wieder teilnehmen und hoffentlich wieder genauso erfolgreich sind.

Renfield Pambor: Wir sind Schüler der 11. Klasse und können damit nicht mehr beim DECHEMAX-Wettbewerb nächstes Jahr teilnehmen, werden es den jetzigen 10. Klassen aber sehr empfehlen.

Welche Tipps habt ihr für zukünftige Teilnehmer?

Tobias Viefhaus: Der größte Tipp ist, rechtzeitig zu beginnen. Wir haben uns dieses Jahr etwas mit der Zeit verplant, aber letztendlich haben wir es doch noch rechtzeitig geschafft. Aber auf jeden Fall: Früh anfangen und so gut wie jeden Nachmittag treffen. Es ist schon viel Arbeit.

Florian Noje: Wir können uns dem nur anschließen. Wir haben es vor zwei Jahren genauso verpennt und daraus auch gelernt, zeitnah anzufangen. Dann ist es auch machbar.

Renfield Pambor: Das Zeitmanagement ist eigentlich das Wichtigste. Und dass Leute mitmachen, die sich für Chemie interessieren und keine Berührungsängste haben. Denn wir hätten nicht gedacht, dass wir bis hierhin kommen, dass wir heute ausgezeichnet werden. Und deshalb einfach mitmachen, wenn man Interesse an Chemie hat.

Was können Sie Kollegen empfehlen, die mit einem Team antreten möchten?

Holger Tröger: Die Kollegen sollten versuchen, den Schülern erstens die Motivation mitzugeben und zweitens die Angst davor zu nehmen. Denn viele denken bei Chemie sofort an das große böse Fach, das extrem schwierig ist. Und das ist an der Stelle einfach ein Fehler, denn es ist nicht unmenschlich, am DECHEMAX-Wettbewerb teilzunehmen. Die Fragen sind gut machbar, wenn man strukturiert arbeitet. Wenn man sich Mühe gibt, ist es auch gut möglich, ein gutes Protokoll zu schreiben. Und offensichtlich haben die Schüler alles Nötige, was sie wissen müssen, gelernt – über die Jahre, in denen sie Biologie-, Chemie- und Physikunterricht hatten. Warum soll man es also nicht versuchen? Selbst wenn es nicht bis zu einer Siegerehrung hinterher führt, lernen die Schüler durch die Fragen auch etwas für ihr zukünftiges Leben. Und wenn es nur ist, dass man vielleicht nicht jedes Jahr eine Kreuzfahrt machen sollte.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die siegreichen Teams im Einzelnen:

Chemisters (Klasse 7)
Tobias Felix Viefhaus, Martin Rose, Jonas Jöhring und Josh Alexander Berktold; Gymnasium Essen-Werden

DieChemiker (Klasse 9)
Florian Noje, Friedrich Böttger und Lukas Krinke; Gymnasium Essen-Werden

Gleichgewicht (Klasse 11)
Renfield M. Pambor, Merle Poggendorf, Rasmus Partecke und Henning Schult; Ostseegymnasium Greifswald

Der Sonderpreis geht an das Team:
ChunkyMonkeys (Klasse 9)
Sina Hegemann und Alina Fischer; Mariengymnasium Papenburg

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