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Archive for the ‘Biotechnologie’ Category

Leroy Cronin von der University of Glasgow und sein Team konstruierten ein universelles chemisches Synthesesystem, das ohne den Einsatz eines menschlichen Bedieners funktioniert. Es besteht aus miteinander verbundenen Modulen, die über einen standardisierten Computercode gesteuert werden. Die Module umfassen Reaktor, Filter, und Separator, verbunden durch ein „Rückgrat“ von Sechswegeventilen und Spritzen und Pumpen, die Reaktionsgemische zwischen den Modulen transportieren. Neben der Robotik ist die Integration von Analytik entscheidend, um Reaktionsverläufe zu überwachen und Status von Trennoperationen zu verfolgen. Nach Validierung des Systems erzeugte der Synthesizer gemäß den von den Autoren vorgegebenen synthesespezifischen Computercodes autonom die pharmazeutischen Verbindungen Diphenhydraminhydrochlorid, Rufinamid und Sildenafil.

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Mit Kunstobjekten aus Pilzen möchte die Berliner Biotechnologie-Professorin Vera Meyer den Blick hinter das Offensichtliche lenken, aber gleichzeitig in der Öffentlichkeit auch mehr Interesse über das enorme Potenzial von Pilzen wecken.


Iyora I (Bild: V.meer)

Eine Steilwand, ein Riff mit abblätterndem Gestein; unwillkürlich sucht der Blick nach dem Meer, das diese Struktur geformt haben könnte. Oben neben einem schroffen Felsen ein sanftes Tal; an den Rändern schmiegen sich weiche goldene Formen an den braunen Untergrund und ergießen sich auf der anderen Seite in eine Schlucht. Man möchte eintauchen in diese Landschaft und erkunden, was sich in den Winkeln und Nischen verbirgt. Doch hier kann man nicht spazieren gehen, es ist keine Insel, die aus dem Meer aufragt oder eine Bergformation über Almwiesen, sondern ein von Pilzen besiedeltes Baumstück.

Die Berliner Biotechnologie-Professorin Vera Meyer hat daraus ein Kunstwerk geschaffen. „Über Jahre hinweg lag an unserer Lagerfeuerstelle ein toter Stamm einer Birne fast unverändert“, erzählt sie. „Im regenreichen Sommer 2017 wurde er jedoch binnen kürzester Zeit von Pilzen besiedelt und zersetzt.“ Im Titel der Skulptur „Iyora I“ verbirgt sich gleichzeitig, was sie in dem Werk sieht: 2018 war IYOR das International Year of the Reef, und tatsächlich kann man auch Anklänge an ein Korallenriff in den Strukturen des Holzes und der Pilze entdecken.

Unter dem Namen V. meer ist Vera Meyer schon länger künstlerisch aktiv. Jedes Jahr zieht sie sich für zwei Wochen an einen Ort zurück, wo sie sich ganz auf die Kunst konzentrieren kann. Nachdem sie sich mit verschiedenen Ausdrucksformen – Malerei, Plastik, Zeichnungen – beschäftigt hat, hat sie 2016 Pilze als Kunstobjekte für sich entdeckt. Während eines Sabbaticals im vergangenen Jahr hatte sie die Möglichkeit, sich noch intensiver damit zu beschäftigen und für sich Wege auszuprobieren, wie sie ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit Hilfe künstlerischer Mittel „ein Bild geben kann“.

Denn auch beruflich arbeitet Vera Meyer mit Pilzen, allerdings bisher hauptsächlich mit Schimmelpilzen. „Bei Schimmelpilzen denken die meisten Menschen an Verwesung oder Ekliges – alles nicht besonders sexy. Waldpilze und Baumpilze dagegen, begeistern viele Menschen.“


Growth and decay series (2017) (Bild: V.meer)

Die Idee, sich künstlerisch mit Pilzen auseinanderzusetzen, kam ihr angesichts der Bronzefigur „Kleine Tänzerin“ von Edgar Degas. „Ich stand vor der Skulptur einer trotzigen Balletttänzerin aus Bronze, Seide und Tüll auf einem Holzsockel. Sie war schön, stolz und unnahbar. Das Tutu erinnerte mich an einen Waldpilz mit einem Hut aus Lamellen. Es begann in mir zu arbeiten und ich ging der Frage nach, wie ich aus Pilzen Skulpturen schaffen könnte, die sie in Szene setzen oder durch Verfremdung – einer Art Metamorphose – gar eine neue Figur werden ließen. Durch die Mittel der Bildhauerei erhoffte ich, die Schönheit der Pilze sichtbar zu machen.“ Dabei trennt sie nie zwischen dem „wissenschaftlichen“ und dem „künstlerischen“ Blick: „Wenn ich einen Schimmelpilz unter dem Mikroskop anschaue, beeindruckt und ergreift mich das immer wieder. Die morphologischen Strukturen, die sich aus pilzlichen Mycelwachstum ergeben sind einfach wunderschön.“  Und was ist aus ihrer Malerei geworden? „Ich habe mich in der Malerei an meinen künstlerischen Vorbildern wie Mark Rothko, Jackson Pollock und Gerhard Richter abarbeiten und reifen können. Jetzt bin ich soweit, etwas zu schaffen, das ganz für mich steht.“

Doch die Begeisterung für Pilze als Kunstwerke geht über das rein Ästhetische hinaus: Für V. meer lenken Pilze den Blick auf das Geheimnisvolle, Unsichtbare. „Pilze wachsen unter der Erde und werden nur im Herbst mit ihren Fruchtkörpern für ein paar Wochen für uns sichtbar, aber eigentlich sind sie immer da. Pilze sind die kleinsten aber auch die größten Organismen auf dieser Erde. Und sie sind widersprüchlich: Sie können Tod und Verderben bringen, krank machen und Halluzinationen verursachen, aber andererseits sind sie auch wichtige Zellfabriken für unsere Antibiotika, Arzneimittel, Lebensmittel und essentiell für eine grüne Chemie.“ Menschen neigten dazu, sehr schnell zu entscheiden, wie etwas ist, oder nicht ist. Mit ihren Arbeiten will V. meer anregen, einen zweiten oder gar dritten Blick auf die Dinge zu wagen und dazu anregen, hinter die Kulissen zu schauen.

Durch die Arbeit an den Skulpturen hat sich auch verändert, welche Rolle die Kunst für sie spielt. „Am Anfang war Kunstschaffen für mich als etwas Meditatives gedacht, als eine Art Gegenentwurf zu meiner wissenschaftlichen Arbeit – ich ließ die Hände arbeiten, nicht den Kopf. Es war herrlich und befriedigend, wenn aus dem Prozess heraus etwas Kunstvolles entstand.“, beschreibt sie ihr Verhältnis zur Kunst. Doch während sie in der Vergangenheit eher „für sich“ gemalt hat, möchte sie nun mit den Pilzkunstwerken auch andere Menschen erreichen. Dafür sammelt sie Pilze, Holz und Metall, alles was ihr der Wald bietet, und verbindet diese Materialien zu mal mehr, mal weniger stark verfremdeten Skulpturen. „Mal sehe ich einen Pilz und denke: Der ist schon fertig, den kann ich so wie er ist bereits zeigen. Oder aber ich erkenne, das etwas anderes in dem Fundstück verborgen ist, welches ich versuche herauszuarbeiten. So verändern Pilze ihre Form und durchleben, obwohl sie tot sind, eine Metamorphose.“ Ihre neueste Serie ist von Göttermythen der Skythen inspiriert, ein Reitervolk am Schwarzen Meer, bei dem Herodot den Ursprung der Amazonen verortete.

„Ich vermute, dass die Wurzeln meiner Vorfahren dort liegen. Um die Jahrtausendwende wurden die ersten Skythengräber entdeckt, in denen auch weibliche Kriegerinnen bestattet waren. Man weiß wenig über die Skythen, wie sie aussahen und wie sie gelebt haben. Jedoch sind viele Mythen mit ihnen verbunden. Ich sehe hier viele Analogien zu den Pilzen. Wir können nur Weniges über sie mit Sicherheit sagen, wir stehen noch am Anfang ihre Biologie zu entziffern aber sie ziehen viele Menschen fast mysthisch in ihren Bann. Ich fange daher nun einfach an, Geschichten zu erzählen. Über Skythen und Pilze“ sagt V. meer.

Einige ihrer Kunstwerke hat sie mittlerweile auch an ihrem Arbeitsplatz stehen. Darüber kommt sie mit vielen Menschen ins Gespräch. „Für mich hat sich so ein neues Fenster geöffnet über das zu berichten, was wir in der Wissenschaft tun. In einer Art und Weise, die auch dazu inspiriert, in neue Richtungen zu denken.“

Ihre nächsten Vorhaben? „Wir arbeiten in einem Citizen-Science-Projekt mit dem Art Laboratory Berlin zusammen, um Pilzbiotechnologie und Kunst zusammenzuführen.“ Dabei befruchten sich Wissenschaft und Kunst gegenseitig: „Das Citizen-Science-Projekt adressiert reinste Bioökonomie – wie können wir mit Hilfe von Baumpilzen aus pflanzlichen Abfällen, d.h. aus Lignin und Cellulose, neuartige Materialen biotechnologisch gewinnen.“ Denn in ihrer wissenschaftlichen Arbeit will sich Vera Meyer zunehmend mit dieser Thematik beschäftigen. Und für den nächsten Sommer hat sie schon Pläne für neue Pilzskulpturen: „In der Kunst kann ich wahrhaft spinnen, in der Wissenschaft geht das nicht.“ Aus beiden Perspektiven kann sie erforschen, was Pilze tun und wofür sie stehen – „mir purzeln die Fragen entgehen, das ist großartig!“ Und sie träumt davon, ihren Kunstwerken einen Rahmen zu geben, der ihrer würdig ist – eine Ausstellung, in denen Raum und Licht die ganze Vielfalt und Charaktere der Pilzskulpturen erstrahlen lassen.

Mehr über die Arbeit von V.meer und über Kunst und Biotechnologie allgemein gibt es bei der Frühjahrstagung der Biotechnologen am 25. und 26. Februar 2019 – außerdem den Hochschullehrer-Nachwuchspreis, den Preis des Zukunftsforums und jede Menge Zeit fürs Networking – melden Sie sich jetzt an!

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Bio-News KW 3/2019

KI berechnet Proteinstrukturen

Nach den Erfolgen von Deep Mind bei Schach, Go und Computerspielen hat sich jetzt ein KI-System der Google-Tochter bei einem der wichtigsten Probleme der Molekularbiologie, der Berechnung der räumlichen Proteinstrukturen aus den Primärsequenzen, eindrucksvoll durchgesetzt: Die Software AlphaFold errang im Dezember den ersten Platz beim letzten CASP (Critical Assessment of Structure Prediction)-Wettbewerb, in dem fast 100 verschiedene Strukturberechnungsprogramme gegeneinander antraten, um aus vorgegebenen Aminosäuresequenzen die (bis dahin unpublizierten) dreidimensionalen Strukturen von Polypeptiden zu ermitteln. Deep Minds KI-Software fand in 25 von 43 Fällen die korrekten Strukturen, während es der zweitplazierten Spezialsoftware nur in 3 Fällen gelang. AlphaFold verwendet neuronale Netze, um die Abstände zwischen Aminosäurepaaren und Bindungswinkel vorherzusagen. In einem zweiten Schritt optimiert das System diese Strukturen, um die energieeffizienteste Anordnung zu finden. Dabei greift AlphaFold auf Informationen zurück, die es bei Berechnung von bekannten Proteinstrukturen „gelernt“ hat.

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Mit Gentechnik gegen Insekten

Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in San Diego und Berkeley haben eine neue gentechnische Methode zur Bekämpfung von Schadinsekten vorgestellt, die die Schwächen des traditionellen Ansatzes der „Sterile-Insekten-Technologie“ (SIT) vermeidet. Dabei werden Gene, die essentiell für die Entwicklung weiblicher Insekten und für die Fertilität männlicher Nachkommen sind, präzise ausgeschaltet. Der neue CRISPR/cas9-basierte Ansatz, precision-guided SIT (pgSIT) genannt, führt zur Bildung von Eizellen, die ausschließlich zu sterilen Männchen heranreifen können.  Im Modellsystem der Fruchtfliege Drosophila melanogaster kreuzte man homozygote Linien, die das Cas9-Gen trugen, mit homozygoten Tieren, die double guide RNAs für die beiden Zielgene trugen. Nach der Befruchtung wuchsen aus den Eizellen, in denen die zwei Zielgene durch die entsprechenden CRISPR/Cas9-Komplexe zerstört worden waren, nur sterile Männchen heran. Gegenüber der üblichen Sterilisation durch mutagene Substanzen, UV- oder Röntgenstrahlung erhält man mit dem neuen Verfahren vitale, weitgehend unbeeinträchtigte Tiere, die erfolgreich um Weibchen konkurrieren können. Da das Wachstum selektiv zum gewüschten Phänotyp führt und die mühsame Selektion von männlichen Tieren entfällt, steigen die Effizienz des Verfahrens und die Erfolgsrate für die Verminderung von Insektenpopulationen gegenüber üblichen SIT-Ansätzen. Die Forscher wollen die Methode nun auch bei krankheitsübertragenden Moskitos wie Aedes aegypti und landwirtschaftlichen Schadinsekten ausprobieren.

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SpinnennetzBei  Rasterkraftmikroskop-Untersuchungen der Seide von braunen Einsiedlerspinnen fanden  Forscher aus Williamsburg (VA, USA) heraus, dass jeder Faden, 1000 mal dünner ist als ein menschliches Haar, wie ein Kabel aus einigen tausend Protein-Nanosträngen von 20 Millionstel Millimeter Durchmesser und mindestens 1 Mikrometer Länge besteht.

Dass lange Nanofasern das Geheimnis der hohen Reißfestigkeit von Spinnenseidenfäden sind, wurde lange vermutet. Die einzigartige Seide der braunen Einsiedlerspinne, die im Gegensatz zu anderen Spinnenseiden aus flachen Bändern statt zylindrischen Fasern besteht, erleichterte jetzt die mikroskopische Untersuchung. Bereits im letzten Jahr konnte das Team zeigen, dass die braune Einsiedlerspinne ihre Seidenstränge mit einer speziellen Technik verstärkt. Mittels einer winzigen, nähmaschinenähnlichen Spinndüse webt die Spinne etwa 20 Mikroschleifen in jeden Millimeter Seide, die sie auswirft, was den klebrigen Faden reißfester macht.

Zur Originalpublikation http://www.sciencemag.org/news/2018/11/spider-silk-five-times-stronger-steel-now-scientists-know-why

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Herr Professor Fischer, Schokolade oder Bier sind uralte Lebensmittel, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben. Was gibt es daran heute noch zu verbessern?

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Univ.-Prof. Dr. Lutz Fischer

Fischer: Es geht hier beispielsweise um die geschmacklichen und gesundheitlichen Eigenschaften der Produkte. Beide Qualitätseigenschaften sollen für den Konsumenten gesichert für eine möglichst lange Aufbewahrungszeit und bei unterschiedlichen Transport- und Lagerbedingungen gewährleistet sein.

Läuft der Einsatz moderner biotechnologischer Methoden in der Lebensmittelherstellung nicht dem Wunsch vieler Verbraucher nach möglichst naturbelassenen Lebensmitteln entgegen?

Fischer: Beides hat nicht logischer Weise etwas miteinander zu tun. Was bedeutet „naturbelassen“? Ein nicht verarbeitetes Lebensmittel wie eine Banane, Apfel oder Mohrrübe könnte als „naturbelassen“, weil nicht weiter verarbeitet essbar, betrachtet werden. Die allermeisten Lebensmittel müssen für den Verzehr jedoch verarbeitet, also z.B. gewaschen, erhitzt, zerkleinert, mit anderen Komponenten vermischt und hygienisch einwandfrei abgepackt werden. Biotechnologie ist NICHT gleich Gentechnik, falls Sie darauf anspielen. Moderne biotechnologisch Verfahren sind beispielsweise Membrantrenntechniken, Ultrahochdruckverfahren, modifizierte Fermentationsverfahren u.a.m. Dabei bleiben die Lebensmittel durchaus „naturbelassen“, sie werden nur gesundheitlich gesehen sicherer und länger haltbar.

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Mehr zum Thema erfahren Sie beim DECHEMA-Kolloquium „Neue Trends bei traditionellen Lebensmitteln“ am 26. November 2018 in Frankfurt – melden Sie sich kostenfrei an!

Welche Vorteile bietet die Biotechnologie gegenüber anderen Wegen der Lebensmittelverarbeitung?

Fischer: Im Grunde genommen ist dies wieder eine Definitionssache des Begriffs „Biotechnologie“. Da Lebensmittel grundsätzlich aus pflanzlichen, tierischen oder mikrobiellen Rohwaren – also Biomasse – bestehen, fällt jegliche Verarbeitung davon in die weitestgehende Definition der „Biotechnologie“. Es ist dann eher eine Frage des Blickwinkels, ob ich eine Verarbeitung von Lebensmitteln als reine Verfahrenstechnik oder Biotechnologie, die als interdisziplinäre Wissenschaftsdisziplin die Verfahrenstechnik definitionsgemäß mit beinhaltet, ansehen möchte. Nimmt man eine engere Sichtweise der Disziplinen ein, so könnte die Biotechnologie in der Betrachtung von molekularen Ursachen und Prinzipien der Biomolekülveränderung in Lebensmitteln betrachtet werden. Dann kommen enzymatische bzw. biokatalytische Prozesse in den Mittelpunkt der Betrachtung, die als Riesenvorteil gegenüber anderen Prozessen angesehen werden können, da sie SELEKTIV im Lebensmittel wirken und, wie bei einem chirurgischen Eingriff in einer Operation, als molekulare Skalpelle für die Verbesserung von Lebensmitteleigenschaften genutzt werden können.

Und zum Schluss eine persönliche Frage: Welches Lebensmittel, dass in den letzten Jahren neu oder anders auf den Markt gekommen ist, empfinden Sie persönlich als Bereicherung für Ihren Speiseplan?

Fischer: Persönlich finde ich die pro- und prebiotischen Milchprodukte als große Bereicherung für meinen Speiseplan. Diese Produkte schmecken mir nicht nur sehr gut, sondern haben für mich auch noch einen besonderen gesundheitlichen Effekt für meine Verdauung und mein Immunsystem. Ich bin zwar nicht Betroffener, aber die lactosefreien oder glutenfreien Lebensmittel finde ich ebenfalls bereichernd, da hier Menschen mit individuellen Lebenmittelunverträglichkeiten ein attraktiverer und gesünderer Speiseplan offeriert werden kann.

Wir sprachen mit Univ.-Prof. Dr. Lutz Fischer vom Institute of Food Science and Biotechnology an der Universität Hohenheim. Er ist Vorsitzender der DECHEMA-Fachgruppe Lebensmittelbiotechnologie.

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Dass Forschungsprojekte erfolgreich sind, ist glücklicherweise keine Seltenheit. Dass sie  allerdings so erfolgreich sind, dass zwei Großunternehmen nach einem Projektjahr den Bau einer Kleinanlage ins Auge fassen, ist dann doch eher selten. Grund genug, einmal nachzufragen – bei Dr. Günter Schmid, Principal Key Expert Research Scientist bei Siemens:

GSchmidHerr Schmid, herzlichen Glückwunsch an Sie und Ihren Projektpartner Dr. Thomas Haas von Evonik – Sie sind quasi von Ihrem Erfolg überrollt worden.

Ja, das kann man sagen. Unser Projekt ist im ersten Jahr so erfolgreich gelaufen, dass wir uns entschieden haben, den nächsten Schritt zu gehen und in Richtung einer vollständig automatisierten Kleinanlage zu skalieren. Derzeit planen wir, im Dezember 2019 unsere Einzelprozesse zu verkoppeln.

Worum geht es im Projekt von Siemens und Evonik genau?

Unser Projekt heißt Rheticus und ist ein Satellitenprojekt der Kopernikus-Initiative. Wir wollen aus erneuerbaren Rohstoffen Spezialchemikalien herstellen. Die „Rohstoffe“ sind Elektronen aus erneuerbarer Energie, CO2 und Wasser. Die Energie bringen wir über eine Elektrolyse in das System: Wir elektrolysieren CO2 zu Kohlenmonoxid, Wasser zu Wasserstoff, und das verfüttern wir dann an die Bakterien.

Warum setzen Sie ausgerechnet auf ein biotechnologisches Verfahren?

Wir arbeiten mit anaeroben Bakterien, wie sie beispielsweise an „Black Smokern“ in der Tiefsee vorkommen. Wir benutzen zwei Bakterienstämme, bei denen einer der Stämme  ein Gasgemisch aus Wasserstoff, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid zu Acetat und Ethanol umsetzt. Ein zweiter Stamm produziert aus diesen Intermediaten anschließend Butanol und Hexanol.

Die Biotechnologie bietet zwei Vorteile: Sie arbeitet sehr selektiv und effizient in der CO2 Nutzung, und sie lässt sich dezentral einsetzen, auch unabhängig von einem integrierten Chemiestandort. Wir können solche Anlagen dort aufbauen, wo auch die erneuerbaren Energien anfallen.

 

 

Wie sind Sie bei der Auswahl der Zielprodukte vorgegangen?

An dieser Frage haben wir ziemlich lang gearbeitet. Bei fossil basierten Produkten bezahlt man nur für Prozess, Transport und Förderung, aber nicht für den Energieinhalt. Bei Produkten auf Basis erneuerbarer Energie ist der Energieinhalt einer der größten Kostentreiber. Wir brauchen also Produkte, bei denen der Anteil der Energie an den Kosten möglichst gering ist, und das ist bei der Spezialchemie der Fall. Außerdem können wir mit kleineren Anlagen starten, bevor wir dann in den Bereich der Bulkchemikalien oder der Kraftstoffe eintreten.

 

Wie sauber muss das CO2 sein, das Sie einsetzen?

Die Ansprüche an das CO2 sind vergleichsweise gering. So stören viele Schwefelverbindungen oder Sauerstoff den Prozess nicht, nur Metalle, die als Katalysatorgifte wirken, müssen vorab aus dem Rauchgas entfernt werden. Wir gehen aber trotzdem davon aus, dass wir das CO2 vorher aufreinigen, denn das können wir leicht aus Luft abtrennen, während Kohlenmonoxid sehr schwer von Stickstoff und Sauerstoff zu befreien ist.

 Wo liegt die größte technische Hürde?

Im Moment sind wir in der Fermentation im 2-Liter-Maßstab und wir wollen in den Kubikmeter-Maßstab kommen. Wir müssen also sowohl die Elektrolyse als auch die Bioreaktoren scalieren. Bisher hat noch niemand einen Gas-/Gas-Elektrolyseur gebaut, schon gar nicht in diesen Größenordnungen.

Inwieweit ist die Technologie auch dazu geeignet, Schwankungen in der Stromerzeugung abzupuffern?

Die Technologie ist sehr flexibel. Wir haben Betriebsmodi entwickelt, bei denen man die Leistung rauf- und runterfahren kann. Die untere Grenze bildet ein Standby-Modus; das ist auch für die Fermentation anwendbar.

Was ist Ihr nächstes Ziel?

Bis jetzt entwickeln wir die Einzelkomponenten aus dem Labormaßstab von 10 cm² auf 300 cm² – das ist ein Riesensprung. Für die weitere Skalierung bauen wir dann mehrere Zellen – ein Stack aus etwa zehn Zellen wäre ein Zwischenschritt, mit dem man erst einmal alles demonstrieren kann, was man so braucht. Wir haben im Rahmen von Kopernikus einen kontinuierlichen Betriebsmodus entwickelt, und in 2019 wird die erste echte Kopplung mit allen Anlagen stattfinden. Ziel ist eine automatisierte Kleinanlage, die eine kleine zweistellige Tonnage pro Jahr produzieren kann. Das heißt, wir sprechen von Elektrolyseuren im Kilowattbereich und Fermentern von im Bereich von 1 m³ Größe.

Wer mehr zu den vielen Einsatzmöglichkeiten der Elektrolyse und den aktuellesten technischen Entwicklungen erfahren und sich mit anderen Experten austauschen möchte, hat dazu Gelegenheit beim PRAXISforum Electrolysis in Industry am 22. und 23. November 2018 in Frankfurt – jetzt Programm ansehen und anmelden!

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Vorfreude

Abendvortrag

Eröffnungsveranstaltung

Preise und Ehrungen

Ausstellung

Vorträge

Berichterstattung

Und drumherum…

Und jetzt? Nicht verpassen – Call for Paper für die Jahrestreffen der ProcessNet-Fachgruppen im Frühjahr 2019!
Alle weiteren Treffpunkte für Verfahrenstechniker und Biotechnologen immer aktuell im Veranstaltungskalender – wann sehen wir uns?

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