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Archive for the ‘Bioökonomie/ Biotechnologie’ Category

Leroy Cronin von der University of Glasgow und sein Team konstruierten ein universelles chemisches Synthesesystem, das ohne den Einsatz eines menschlichen Bedieners funktioniert. Es besteht aus miteinander verbundenen Modulen, die über einen standardisierten Computercode gesteuert werden. Die Module umfassen Reaktor, Filter, und Separator, verbunden durch ein „Rückgrat“ von Sechswegeventilen und Spritzen und Pumpen, die Reaktionsgemische zwischen den Modulen transportieren. Neben der Robotik ist die Integration von Analytik entscheidend, um Reaktionsverläufe zu überwachen und Status von Trennoperationen zu verfolgen. Nach Validierung des Systems erzeugte der Synthesizer gemäß den von den Autoren vorgegebenen synthesespezifischen Computercodes autonom die pharmazeutischen Verbindungen Diphenhydraminhydrochlorid, Rufinamid und Sildenafil.

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Mit Kunstobjekten aus Pilzen möchte die Berliner Biotechnologie-Professorin Vera Meyer den Blick hinter das Offensichtliche lenken, aber gleichzeitig in der Öffentlichkeit auch mehr Interesse über das enorme Potenzial von Pilzen wecken.


Iyora I (Bild: V.meer)

Eine Steilwand, ein Riff mit abblätterndem Gestein; unwillkürlich sucht der Blick nach dem Meer, das diese Struktur geformt haben könnte. Oben neben einem schroffen Felsen ein sanftes Tal; an den Rändern schmiegen sich weiche goldene Formen an den braunen Untergrund und ergießen sich auf der anderen Seite in eine Schlucht. Man möchte eintauchen in diese Landschaft und erkunden, was sich in den Winkeln und Nischen verbirgt. Doch hier kann man nicht spazieren gehen, es ist keine Insel, die aus dem Meer aufragt oder eine Bergformation über Almwiesen, sondern ein von Pilzen besiedeltes Baumstück.

Die Berliner Biotechnologie-Professorin Vera Meyer hat daraus ein Kunstwerk geschaffen. „Über Jahre hinweg lag an unserer Lagerfeuerstelle ein toter Stamm einer Birne fast unverändert“, erzählt sie. „Im regenreichen Sommer 2017 wurde er jedoch binnen kürzester Zeit von Pilzen besiedelt und zersetzt.“ Im Titel der Skulptur „Iyora I“ verbirgt sich gleichzeitig, was sie in dem Werk sieht: 2018 war IYOR das International Year of the Reef, und tatsächlich kann man auch Anklänge an ein Korallenriff in den Strukturen des Holzes und der Pilze entdecken.

Unter dem Namen V. meer ist Vera Meyer schon länger künstlerisch aktiv. Jedes Jahr zieht sie sich für zwei Wochen an einen Ort zurück, wo sie sich ganz auf die Kunst konzentrieren kann. Nachdem sie sich mit verschiedenen Ausdrucksformen – Malerei, Plastik, Zeichnungen – beschäftigt hat, hat sie 2016 Pilze als Kunstobjekte für sich entdeckt. Während eines Sabbaticals im vergangenen Jahr hatte sie die Möglichkeit, sich noch intensiver damit zu beschäftigen und für sich Wege auszuprobieren, wie sie ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit Hilfe künstlerischer Mittel „ein Bild geben kann“.

Denn auch beruflich arbeitet Vera Meyer mit Pilzen, allerdings bisher hauptsächlich mit Schimmelpilzen. „Bei Schimmelpilzen denken die meisten Menschen an Verwesung oder Ekliges – alles nicht besonders sexy. Waldpilze und Baumpilze dagegen, begeistern viele Menschen.“


Growth and decay series (2017) (Bild: V.meer)

Die Idee, sich künstlerisch mit Pilzen auseinanderzusetzen, kam ihr angesichts der Bronzefigur „Kleine Tänzerin“ von Edgar Degas. „Ich stand vor der Skulptur einer trotzigen Balletttänzerin aus Bronze, Seide und Tüll auf einem Holzsockel. Sie war schön, stolz und unnahbar. Das Tutu erinnerte mich an einen Waldpilz mit einem Hut aus Lamellen. Es begann in mir zu arbeiten und ich ging der Frage nach, wie ich aus Pilzen Skulpturen schaffen könnte, die sie in Szene setzen oder durch Verfremdung – einer Art Metamorphose – gar eine neue Figur werden ließen. Durch die Mittel der Bildhauerei erhoffte ich, die Schönheit der Pilze sichtbar zu machen.“ Dabei trennt sie nie zwischen dem „wissenschaftlichen“ und dem „künstlerischen“ Blick: „Wenn ich einen Schimmelpilz unter dem Mikroskop anschaue, beeindruckt und ergreift mich das immer wieder. Die morphologischen Strukturen, die sich aus pilzlichen Mycelwachstum ergeben sind einfach wunderschön.“  Und was ist aus ihrer Malerei geworden? „Ich habe mich in der Malerei an meinen künstlerischen Vorbildern wie Mark Rothko, Jackson Pollock und Gerhard Richter abarbeiten und reifen können. Jetzt bin ich soweit, etwas zu schaffen, das ganz für mich steht.“

Doch die Begeisterung für Pilze als Kunstwerke geht über das rein Ästhetische hinaus: Für V. meer lenken Pilze den Blick auf das Geheimnisvolle, Unsichtbare. „Pilze wachsen unter der Erde und werden nur im Herbst mit ihren Fruchtkörpern für ein paar Wochen für uns sichtbar, aber eigentlich sind sie immer da. Pilze sind die kleinsten aber auch die größten Organismen auf dieser Erde. Und sie sind widersprüchlich: Sie können Tod und Verderben bringen, krank machen und Halluzinationen verursachen, aber andererseits sind sie auch wichtige Zellfabriken für unsere Antibiotika, Arzneimittel, Lebensmittel und essentiell für eine grüne Chemie.“ Menschen neigten dazu, sehr schnell zu entscheiden, wie etwas ist, oder nicht ist. Mit ihren Arbeiten will V. meer anregen, einen zweiten oder gar dritten Blick auf die Dinge zu wagen und dazu anregen, hinter die Kulissen zu schauen.

Durch die Arbeit an den Skulpturen hat sich auch verändert, welche Rolle die Kunst für sie spielt. „Am Anfang war Kunstschaffen für mich als etwas Meditatives gedacht, als eine Art Gegenentwurf zu meiner wissenschaftlichen Arbeit – ich ließ die Hände arbeiten, nicht den Kopf. Es war herrlich und befriedigend, wenn aus dem Prozess heraus etwas Kunstvolles entstand.“, beschreibt sie ihr Verhältnis zur Kunst. Doch während sie in der Vergangenheit eher „für sich“ gemalt hat, möchte sie nun mit den Pilzkunstwerken auch andere Menschen erreichen. Dafür sammelt sie Pilze, Holz und Metall, alles was ihr der Wald bietet, und verbindet diese Materialien zu mal mehr, mal weniger stark verfremdeten Skulpturen. „Mal sehe ich einen Pilz und denke: Der ist schon fertig, den kann ich so wie er ist bereits zeigen. Oder aber ich erkenne, das etwas anderes in dem Fundstück verborgen ist, welches ich versuche herauszuarbeiten. So verändern Pilze ihre Form und durchleben, obwohl sie tot sind, eine Metamorphose.“ Ihre neueste Serie ist von Göttermythen der Skythen inspiriert, ein Reitervolk am Schwarzen Meer, bei dem Herodot den Ursprung der Amazonen verortete.

„Ich vermute, dass die Wurzeln meiner Vorfahren dort liegen. Um die Jahrtausendwende wurden die ersten Skythengräber entdeckt, in denen auch weibliche Kriegerinnen bestattet waren. Man weiß wenig über die Skythen, wie sie aussahen und wie sie gelebt haben. Jedoch sind viele Mythen mit ihnen verbunden. Ich sehe hier viele Analogien zu den Pilzen. Wir können nur Weniges über sie mit Sicherheit sagen, wir stehen noch am Anfang ihre Biologie zu entziffern aber sie ziehen viele Menschen fast mysthisch in ihren Bann. Ich fange daher nun einfach an, Geschichten zu erzählen. Über Skythen und Pilze“ sagt V. meer.

Einige ihrer Kunstwerke hat sie mittlerweile auch an ihrem Arbeitsplatz stehen. Darüber kommt sie mit vielen Menschen ins Gespräch. „Für mich hat sich so ein neues Fenster geöffnet über das zu berichten, was wir in der Wissenschaft tun. In einer Art und Weise, die auch dazu inspiriert, in neue Richtungen zu denken.“

Ihre nächsten Vorhaben? „Wir arbeiten in einem Citizen-Science-Projekt mit dem Art Laboratory Berlin zusammen, um Pilzbiotechnologie und Kunst zusammenzuführen.“ Dabei befruchten sich Wissenschaft und Kunst gegenseitig: „Das Citizen-Science-Projekt adressiert reinste Bioökonomie – wie können wir mit Hilfe von Baumpilzen aus pflanzlichen Abfällen, d.h. aus Lignin und Cellulose, neuartige Materialen biotechnologisch gewinnen.“ Denn in ihrer wissenschaftlichen Arbeit will sich Vera Meyer zunehmend mit dieser Thematik beschäftigen. Und für den nächsten Sommer hat sie schon Pläne für neue Pilzskulpturen: „In der Kunst kann ich wahrhaft spinnen, in der Wissenschaft geht das nicht.“ Aus beiden Perspektiven kann sie erforschen, was Pilze tun und wofür sie stehen – „mir purzeln die Fragen entgehen, das ist großartig!“ Und sie träumt davon, ihren Kunstwerken einen Rahmen zu geben, der ihrer würdig ist – eine Ausstellung, in denen Raum und Licht die ganze Vielfalt und Charaktere der Pilzskulpturen erstrahlen lassen.

Mehr über die Arbeit von V.meer und über Kunst und Biotechnologie allgemein gibt es bei der Frühjahrstagung der Biotechnologen am 25. und 26. Februar 2019 – außerdem den Hochschullehrer-Nachwuchspreis, den Preis des Zukunftsforums und jede Menge Zeit fürs Networking – melden Sie sich jetzt an!

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Bio-News KW 3/2019

KI berechnet Proteinstrukturen

Nach den Erfolgen von Deep Mind bei Schach, Go und Computerspielen hat sich jetzt ein KI-System der Google-Tochter bei einem der wichtigsten Probleme der Molekularbiologie, der Berechnung der räumlichen Proteinstrukturen aus den Primärsequenzen, eindrucksvoll durchgesetzt: Die Software AlphaFold errang im Dezember den ersten Platz beim letzten CASP (Critical Assessment of Structure Prediction)-Wettbewerb, in dem fast 100 verschiedene Strukturberechnungsprogramme gegeneinander antraten, um aus vorgegebenen Aminosäuresequenzen die (bis dahin unpublizierten) dreidimensionalen Strukturen von Polypeptiden zu ermitteln. Deep Minds KI-Software fand in 25 von 43 Fällen die korrekten Strukturen, während es der zweitplazierten Spezialsoftware nur in 3 Fällen gelang. AlphaFold verwendet neuronale Netze, um die Abstände zwischen Aminosäurepaaren und Bindungswinkel vorherzusagen. In einem zweiten Schritt optimiert das System diese Strukturen, um die energieeffizienteste Anordnung zu finden. Dabei greift AlphaFold auf Informationen zurück, die es bei Berechnung von bekannten Proteinstrukturen „gelernt“ hat.

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Mit Gentechnik gegen Insekten

Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in San Diego und Berkeley haben eine neue gentechnische Methode zur Bekämpfung von Schadinsekten vorgestellt, die die Schwächen des traditionellen Ansatzes der „Sterile-Insekten-Technologie“ (SIT) vermeidet. Dabei werden Gene, die essentiell für die Entwicklung weiblicher Insekten und für die Fertilität männlicher Nachkommen sind, präzise ausgeschaltet. Der neue CRISPR/cas9-basierte Ansatz, precision-guided SIT (pgSIT) genannt, führt zur Bildung von Eizellen, die ausschließlich zu sterilen Männchen heranreifen können.  Im Modellsystem der Fruchtfliege Drosophila melanogaster kreuzte man homozygote Linien, die das Cas9-Gen trugen, mit homozygoten Tieren, die double guide RNAs für die beiden Zielgene trugen. Nach der Befruchtung wuchsen aus den Eizellen, in denen die zwei Zielgene durch die entsprechenden CRISPR/Cas9-Komplexe zerstört worden waren, nur sterile Männchen heran. Gegenüber der üblichen Sterilisation durch mutagene Substanzen, UV- oder Röntgenstrahlung erhält man mit dem neuen Verfahren vitale, weitgehend unbeeinträchtigte Tiere, die erfolgreich um Weibchen konkurrieren können. Da das Wachstum selektiv zum gewüschten Phänotyp führt und die mühsame Selektion von männlichen Tieren entfällt, steigen die Effizienz des Verfahrens und die Erfolgsrate für die Verminderung von Insektenpopulationen gegenüber üblichen SIT-Ansätzen. Die Forscher wollen die Methode nun auch bei krankheitsübertragenden Moskitos wie Aedes aegypti und landwirtschaftlichen Schadinsekten ausprobieren.

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chembio

Jason Chin ist einer der Keynote-Sprecher der Tagung „Advances in Chemical Biology“ am 22. und 23. Januar 2019 in Frankfurt. Informieren Sie sich hier über das vollständige Programm

Die katalytischen Zwischenstufen enzymatischer Reaktionen kann man in manchen Fällen durch strukturanaloge Substrate des Übergangszustands stabilisieren, so dass sie kristallographisch untersucht werden können. Da sich die Analoga meistens vom natürlichen Substrat chemisch sehr unterscheiden, treten zwangsläufig Abweichungen von den tatsächlichen Verhältnissen im Reaktionszentrum auf. Jason Chin (Cambridge, UK) ist jetzt den umgekehrten Weg gegangen: Er tauschte die katalytischen Cystein- oder Serinreste von Enzymen durch Aminogruppen aus, die das natürliche Substrat stabil binden und katalytische Zwischenstufen auf diese Weise fixieren.

Konkret ersetzte er in Thioesterase-Domänen von Nicht-ribosomalen Peptid-Synthasen (NRPS) die Aminosäuren Cystein bzw. Serin der Reaktionszentren über eine Erweiterung des genetischen Codes durch die nicht-kanonische 2,3- Diaminopropionsäure (DAP). Die daraus entstehenden Aminoacyl-Komplexe aus Substrat und katalytischer Aminosäure anstelle der natürlichen  (Thio)esterverbindungen sind chemisch stabil. Im Beispiel der Thioesterase-Domäne der Valinomycin-Synthetase konnte die Biosynthese des Antibiotikums strukturell weiter aufgeklärt werden. Indem die ersten und letzten Zwischenprodukte im katalytischen Zyklus als DAP- Konjugate eingefangen werden konnten, ergaben sich neue Einblicke, wie Konformationsänderungen die Oligomerisierung und Zyklisierung linearer Substrate steuern.

Zur Publikation: https://www.nature.com/articles/d41586-018-07569-6

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VBIONeuer Präsident des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO e. V.) ist Prof. Dr. Gerhard Haszprunar- Der Zoologe an der LMU München ist auch Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns und gehört dem Präsidium des Biologenverbandes bereits seit 2014 an. Die jährliche Bundesdelegiertenkonferenz des Biologenverbandes wählte ihn jüngst in sein neues Amt, das er von Prof. Dr. Bernd Müller-Röber von der Universität Potsdam übernimmt, der den Verband seit 2014 geleitet hat.

Haszprunar__Praesident_VBIO_2018.jpg„Der VBIO ist in den letzten Jahren gut vorangekommen“, so Gerhard Haszprunar. „Aber die Herausforderungen für die Vertretung der Biowissenschaften sind im gleichen Zeitraum auch deutlich gewachsen. Wir beobachten in Teilen der Gesetzgebung eine zunehmend kritische, zuweilen gar feindliche Einstellung gegenüber Wissenschaft im Allgemeinen und Biowissenschaften im Speziellen“.Die Vermittlung von biowissenschaftlichem Orientierungs – und Entscheidungswissen an die breite Öffentlichkeit ebenso wie an Entscheidungsträger bleibt daher ein zentrales Aktivitätsfeld des Biologenverbandes. Voraussetzung für eine bessere Vertretung der Interessen der Biowissenschaften ist die Stärkung der biowissenschaftlichen Community, die auf der Agenda des neu gewählten VBIO-Präsidenten steht.Gerhard Haszprunar wird als Präsident des VBIO unterstützt von einem Team aus Wissenschaftlern und Praktikern aus Schule, Hochschule und Forschungseinrichtungen. Prof. Dr. Johannes Beckers vom Helmholtz-Zentrum München verantwortet weiterhin als Schatzmeister die Finanzen des VBIO. Prof. Dr. Felicitas Pfeifer von der TU Darmstadt engagiert sich als Sprecherin der Fachgesellschaften im VBIO, Margarete Radermacher als Sprecherin der Landesverbände. Des Weiteren wirken im Präsidium mit: Prof. Dr. Karl-Josef Dietz (Bielefeld), Ilka Gropengießer (Bremen), Prof. Dr. Manfred Lutz (Würzburg), Prof. Dr. Bernd Müller-Röber (Potsdam), Prof. Dr. Gabriele Pfitzer (Köln), und PD Dr. Sabine Specht (Genf).

Über den VBIO

Der VBIO e. V. ist das gemeinsame Dach für alle, die im Bereich Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin studieren oder tätig sind – egal ob in Hochschule, Schule, Industrie, Verwaltung, Selbstständigkeit oder Forschung.Die Mitglieder des VBIO vertreten das gesamte Spektrum der Biowissenschaften von der molekularen, zellulären oder der am Organismus orientierten Sicht bis hin zur Biomedizin.

Die DECHEMA-Fachgemeinschaft Biotechnologie ist Mitglied des VBIO.

Weitere Informationen auf den Seiten des VBIO

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Mit dem Zukunftsforum verfügt die DECHEMA-Fachgemeinschaft Biotechnologie über einen ziemlich einmaligen „Think Tank“ junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Seit 2002 treffen sich regelmäßig etwa 20 Mitglieder aus Akademia und Industrie, die ein breites fachliches Spektrum abdecken. Sie diskutieren aktuelle Trends und melden sich nicht nur innerhalb der Fachgemeinschaft, sondern auch weit darüber hinaus zu wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Debatten zu Wort.  Dirk Tischler und Selin Kara sind seit Mai 2016 im Zukunftsforum und wurden vor kurzem zu seinen Sprechern gewählt. Wir haben gefragt, warum sie sich engagieren und was sie sich für die nächste Zeit vorgenommen haben.  

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Das Zukunftsforum bei seinem Treffen im Oktober 2018. Selin Kara steht ganz links außen, Dirk Tischler als dritter von rechts in der zweiten Reihe

Herr Tischler und Frau Kara, warum sind Sie zum Zukunftsforum gestoßen?

Dirk Tischler: Ich wollte mich gern intensiver mit Förderpolitik und dem Fach Biotechnologie auseinandersetzen. Da schien die DECHEMA äußerst sinnvoll, da hier viele Fachgruppen in dem Bereich zusammenlaufen – auch solche mit anderen Gesellschaften wie der VAAM und GDCh. Und für einen Nachwuchswissenschaftler macht es dann auch Sinn, das in einem Forum zu verwirklichen: dem Zukunftsforum.

Selin Kara: Ich bin seit meinem Masterstudium 2005 bei DECHEMA-Aktivitäten dabei. Ich war fasziniert, wie man mit Hilfe der DECHEMA viele Vernetzungen sowohl in der Akademie als auch in der Industrie aufbauen kann.  Als Habilitandin war ich sehr interessiert am Zukunftsforum, da es eine Plattform für Diskussion und Zusammenarbeit anbietet.

Was macht Ihnen an der Mitarbeit im Zukunftsforum besonders viel Spaß?

Dirk Tischler: Es ist eine sehr dynamische und interdisziplinäre Arbeit mit sehr engagierten und zielstrebigen Nachwuchsleuten. Wir haben die Chance, so aus verschiedenen Blickrichtungen Themen zu diskutieren und voranzubringen durch Stellungnahmen oder Positionspapiere.

Selin Kara: Sowohl die Diversität als auch die Komplementarität der Forschungsthemen inspirieren mich sehr, mit den anderen Nachwuchsgruppen zusammen zu arbeiten. Außerdem bietet das Zukunftsforum auch die Möglichkeit, uns über unsere gemeinsamen akademischen Aufgaben und Hürden in der akademischen Laufbahn auszutauschen. Vor allem der Dialog mit den Nachwuchsgruppen über diese Themen macht mir sehr viel Spaß.

„Man lernt neue Herangehensweisen kennen“

Was, denken Sie, werden Sie aus dieser Mitarbeit für sich mitnehmen?

Dirk Tischler: Fachlich muss ich hier immer über den Tellerrand schauen und werde da einiges stetig lernen und mir aneignen. Aber auch die Organisation in so einem diversen Gremium ist interessant und man lernt neue Herangehensweisen kennen.

Selin Kara: Fachlich bin ich sehr gespannt zu sehen, was die  Nachwuchsgruppenleiter im Bereich Biotechnologie machen und ich werde neue Kenntnisse gewinnen. Außerdem hoffe ich natürlich darauf, die Möglichkeit zu haben, mit meinen DECHEMA-Zukunftsforum-Kollegen zu kooperieren. Ich denke, ich werde eine langfristige Vernetzung aufbauen.

Was fasziniert Sie an der Biotechnologie, und wo möchten Sie gerne zukünftig Ihren persönlichen Forschungsschwerpunkt legen/ausbauen?

Dirk Tischler: Ich arbeite im Wesentlichen mikrobiell und mit Enzymen zur Synthese neuer Stoffe. Das ist nur ein kleiner Bereich im großen Feld der Biotechnologie. Mir gefällt besonders der modulare und interdisziplinäre Charakter der Biotechnologie.  Und wenn man die einzelnen Bereiche zusammenfügt,  kommt man zu einem Prozess, dessen Produkt in die Gesellschaft gelangen kann – es ist eben angewandte Forschung!

Selin Kara: “Biotechnologie“ ist ein sehr breit gefächertes Forschungsfeld. Man kann sich z.B. mit der Stammentwicklung beschäftigen, mit Antikörper-Herstellung oder mit der Optimierung von enzymatischen Reaktionen mit Hilfe von Reaktionstechnik. Dies sind nur Beispiele; Biotechnologie bietet einfach eine große Plattform, in der viele Disziplinen verschmelzen können.
Der Fokus meiner Arbeit ist die Etablierung von neuen Reaktionen mit Enzymen – also Biokatalyse – und die Optimierung von enzymatischen Reaktionen mit Hilfe der Ingenieurwissenschaften. Ich – als Verfahrenstechnikerin – benutze die reaktionstechnischen Lösungswege, um die Produktivität der enzymatischen Reaktionen zu maximieren. Mein zukünftiger Fokus wird im Bereich „Flow Biocatalysis“ liegen, wo man Enzyme in kontinuierlich betriebenen Reaktoren einsetzen kann.

„Aktivitäten einem breiten Publikum nahebringen“

Herr Tischler, wie sehen Sie die Rolle des Zukunftsforums für die DECHEMA bzw. die Fachgemeinschaft Biotechnologie?

Dirk Tischler: Das Zukunftsforum ist ein Forum, in dem aktuelle Meinungen zum Fach und neue Ausrichtungen diskutiert und vorgestellt werden. Es soll einen Überblick oder Querschnitt zum Fachgebiet umreißen und neue Themen und Trends identifizieren. Wir versuchen, die Kommunikation zwischen den Teildisziplinen voranzutreiben und immer wieder anzustoßen und vor allem den Nachwuchs mit ins Boot zu holen.

Frau Kara, was haben Sie sich für die nächsten Jahre als neue Sprecherin des Zukunftsforums zum Ziel gesetzt?

Selin Kara: Ich möchte sehr gerne unsere Aktivitäten im Bereich Biotechnologie dem breiten Publikum näher bringen. Hierzu sollten wir unsere Forschungsfelder und unsere Visionen in einfachen Worten der „Allgemeinheit“ bekannt machen. Ich denke, dies wird die Position der DECHEMA in der Gesellschaft – nicht nur im akademischen und industriellen Umfeld – stärken.

Mehr über das Zukunftsforum Biotechnologie. Wenn Sie über das Zukunftsforum und seine Aktivitäten mehr erfahren möchten, kommen Sie zur Frühjahrstagung der DECHEMA-Biotechnologen – dort wird unter anderem der Preis des Zukunftsforums verliehen.

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SpinnennetzBei  Rasterkraftmikroskop-Untersuchungen der Seide von braunen Einsiedlerspinnen fanden  Forscher aus Williamsburg (VA, USA) heraus, dass jeder Faden, 1000 mal dünner ist als ein menschliches Haar, wie ein Kabel aus einigen tausend Protein-Nanosträngen von 20 Millionstel Millimeter Durchmesser und mindestens 1 Mikrometer Länge besteht.

Dass lange Nanofasern das Geheimnis der hohen Reißfestigkeit von Spinnenseidenfäden sind, wurde lange vermutet. Die einzigartige Seide der braunen Einsiedlerspinne, die im Gegensatz zu anderen Spinnenseiden aus flachen Bändern statt zylindrischen Fasern besteht, erleichterte jetzt die mikroskopische Untersuchung. Bereits im letzten Jahr konnte das Team zeigen, dass die braune Einsiedlerspinne ihre Seidenstränge mit einer speziellen Technik verstärkt. Mittels einer winzigen, nähmaschinenähnlichen Spinndüse webt die Spinne etwa 20 Mikroschleifen in jeden Millimeter Seide, die sie auswirft, was den klebrigen Faden reißfester macht.

Zur Originalpublikation http://www.sciencemag.org/news/2018/11/spider-silk-five-times-stronger-steel-now-scientists-know-why

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