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Dörte Rother erhält am 23. Mai 2019 den DECHEMA-Preis 2018

Chirale Substanzen selektiv herstellen – was für den „klassischen“ Chemiker eine der größten Herausforderungen ist und in der chemischen Katalyse im wahrsten Sinne des Wortes hochkomplexe Strukturen erfordert, leisten Enzyme quasi im Handumdrehen. Dennoch ist ihre industrielle Anwendung alles andere als trivial, alleine schon wegen der Kosten. Wir sprachen mit der DECHEMA-Preisträgerin 2018 Prof. Dr. Dörte Rother über ihre wissenschaftliche Arbeit, die Herausforderungen bei der Umsetzung und ihr „Traumprojekt“. Im ersten Teil erklärt sie uns ihre Vorgehensweise, um auf Basis synthetischer Enzymkaskaden wettbewerbsfähige Prozesse zu entwickeln.

Worum geht es in Ihrer wissenschaftlichen Arbeit?

Wir arbeiten an synthetischen Enzymkaskaden. Das bedeutet, dass Enzyme miteinander kombiniert werden, die in der Natur so nicht vorkommen. Beim Metabolic Engineering werden Enzyme kombiniert, die zumindest teilweise auch in der Natur gemeinsam in synthetischen Pathways auftreten. Unser Ansatz ist, für jeden Syntheseschritt den besten Katalysator zu finden (der übrigens auch mal ein chemischer Katalysator sein kann) und diese dann zu kombinieren. Der „Baukasten“, den wir dafür nutzen, enthält Enzyme, die alle ungefähr die gleiche Reaktion unterstützen, aber sich in ihren Selektivitäten ein bisschen unterschieden. So werden leicht unterschiedliche Substrate akzeptiert oder die gewonnenen Produkte unterscheiden sich hinsichtlich ihrer optischen Aktivität – das ist besonders für den Pharmabereich sehr relevant. Wenn ich diese Enzyme mit ihren verschiedenen Selektivitäten kombiniere, bekomme ich nicht nur ein Produkt, sondern habe eine Technologieplattform für eine ganze Bandbreite von Produkten.

https://dechema.de/Veranstaltungen/DECHEMA_Tag+201

Arbeiten Sie dabei zellfrei?

Zellfrei zu arbeiten ist der einfachste Weg, aber: wir möchten die Lücke zwischen Grundlagenforschung und Anwendung schließen und unsere Kaskaden in industrielle Prozesse bringen. Das heißt, wir müssen ähnlich hohe Produktkonzentrationen erzielen wie in chemischen Synthesen, ohne deutlich teurer zu werden. Enzyme sind sehr selektiv und arbeiten unter ökologisch vorteilhaften Bedingungen – keine hohen Drücke, keine toxischen Additive, moderate Temperaturen; das sind Pluspunkte, besonders, wenn die Nachhaltigkeit im Fokus steht. Zudem sind Biokatalysatoren einfach durch Erwärmung inaktivierbar, ohne toxische Abfälle zu hinterlassen. Lauter gute Gründe, Enzyme als Katalysatoren einzusetzen.  Aber die Herstellungskosten für Enzyme sind hoch, besonders für gereinigte Enzyme. Deshalb arbeiten wir, wenn möglich, mit ganzen, oft gefriergetrockneten Zellen. Das ist circa 10fach günstiger. Diese Zellen können auch wiederverwertet oder kontinuierlich eingesetzt werden. Dazu kann man die ganzen Zellen zurückhalten oder auch gereinigte Enzym immobilisieren. Letzteres sollte möglichst kombiniert werden – also Aufreinigung und Immobilisierung in einem Schritt – alles andere ist kaum wettbewerbsfähig.

Wie genau funktioniert Ihr Ganzzellverfahren?

Die Zellen, die wir einsetzen,  sind gefriergetrocknet und daher überwiegend nicht mehr lebensfähig. Eigentlich ist das die einfachste Form der Immobilisierung: Die Enzyme, die in hohen Konzentrationen in den Zellen vorliegen, sind etwas geschützt, wir können mit vergleichsweise hohen Substratkonzentrationen arbeiten, und die Zellen lassen sich hinterher abtrennen und wieder einsetzen. Zu den Zellen geben wir dann Substrate, Lösungsmittel und eine bestimmte Menge Puffer, um gute Umsätze zu erlangen. Zumindest bei Substraten wie Ketonen konnten wir sogar im reinen Substrat ohne Zugabe weiterer Additive arbeiten. Bei sehr reaktiven und toxischen Substraten wie Aldehyden braucht man allerdings Lösungsmittel, um Deaktivierungen zu vermeiden. Wir versuchen, in den Standardsystemen der chemischen Synthese zu arbeiten. Nur so erreichen wir hohe Produktkonzentrationen beispielsweise auch mit schwer wasserlöslichen Aromaten und können das Produkt hinterher auch wieder abtrennen.

Und wie gelangt das Substrat in die Zelle?

Wir wissen es nicht ganz genau, gehen aber davon aus, dass die Membran sehr porös oder teilweise gar nicht mehr vorhanden ist. Jedenfalls haben wir bei diesem Verfahren kaum Diffusionshemmnisse. Unter dem Elektronenmikroskop sieht man, dass die E. coli-Zelle um ca. ein Drittel geschrumpft ist, aber ihre Form behält. Zumindest in den von uns gewählten mikro-wässrigen Reaktionsbedingungen zeigten nur ca. 10 % der Zellen Löcher oder andere Veränderungen. Gerade für die Industrie sind solche Ganzzellprozesse attraktiv, und sie funktionieren gut.

Worauf achten Sie bei der Prozessentwicklung besonders?

Die nachhaltige Produktion ist mir sehr wichtig. Wir verwenden zum Beispiel Lösungsmittel, die nachhaltige Kriterien erfüllen – also nicht toxisch sind und möglichst auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt wurden. Die Biokatalyse hat eine „Kinderkrankheit“: Sie ist sehr „grün“, was die Prozessbedingungen betrifft, aber am Ende liegt das Produkt oft in niedrigen Konzentrationen in einem wässrigen System vor. Um es daraus abzutrennen, wird sehr viel Lösungsmittel benötigt. Alternativ ist es möglich, in mikro-wässrigen Reaktionssystemen zu arbeiten, so wie wir es mit den gefriergetrockneten ganzen Zellen, wenn möglich, tun, um Vorteile bei der Produktaufarbeitung zu haben.

Wir versuchen, eine effektive Aufarbeitung in die Prozessentwicklung zu integrieren. Dazu planen wir von Anfang an, wie wir das Produkt am Ende aufreinigen können, und forschen parallel an den verschiedenen Prozessschritten, um den besten Gesamtprozess zu entwickeln.

Der 2. Teil des Interviews erscheint am 2. April. Dann fragen wir nach den Hürden bei Industriekooperationen, und Dörte Rother verrät uns ihr „Traumprojekt“.

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Kaum eine Woche vergeht ohne Nachrichten über die fortschreitende Digitalisierung der Prozessindustrie. Zentren für Big-Data-Analysen werden eingerichtet, neue Positionen geschaffen und unternehmensweite Programme ins Leben gerufen, um Digitalisierungskonzepte einzuführen, die weit über die Automatisierung der Produktion hinausreichen. Dem Verband der Chemischen Industrie zufolge plant die chemische Industrie in den nächsten Jahren Investitionen von mehr als 1 Milliarde Euro für Digitalisierungskonzepte und neue nachhaltige Geschäftsmodelle.

Die erwarteten Gewinne scheinen diese Investitionen zu rechtfertigen: „Laut einer Studie von Fraunhofer IAO und dem IT-Verband BITCOM könnte die Vernetzung von Produktentwicklung, Produktion, Logistik und Kunden der chemischen Industrie zu einem Anstieg der Wertschöpfung um 30 % bis 2025 führen. Mit anderen Worten: Wem es gelingt, seine Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette nutzbar zu machen, kann sich einen gewaltigen Wettbewerbsvorteil sichern“, erklärt Mirko Hardtke, Business Development Manager bei der Data Virtuality GmbH.

Keuin Wunder, dass ein enormes Interesse an der Entwicklung von Werkzeugen besteht, mit denen sich der versteckte Schatz in Big Data heben lässt. Große wie kleine Unternehmen und Startups beteiligen sich an diesem neuen Goldrausch: „Für die steigende Prozesskomplexität und den schnelle Anstieg der Datenmengen braucht man neue Technologien zum Umgang mit Daten, vor allem dort, wo Abhängigkeiten zwischen Datensilos bestehen“, sagt Sebastian Dörr, Vice President Sales bei der Conweaver GmbH. Sein Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, die die automatische Verknüpfung von Daten aus verschiedenen Quellen ermöglicht und so kontextuales Wissen für Datenowner und -nutzer zugänglich macht. Gleichzeitig dient die Plattform als Grundlage für Big Data Analytics.

Über Methoden zu verfügen ist das eine – sie tatsächlich einzusetzen, manchmal etwas ganz anderes: „Industrieunternehmen sammeln heute mehr und mehr Daten, kontinuierlich und aus mehr Quellen als jemals vorher. Statistische Methoden können helfen, diese Daten zu nutzen. Aber sie stoßen häufig auf Zögern und Vorurteile“, sagt Martin Demel, Sr. Systems Engineer JMP bei SAS Institute.

Statistische Methoden lassen sich heute einfach, fast spielerisch einsetzen“

Martin Demel, Sr. Systems Engineer JMP, SAS Institute GmbH

„Das ist nicht nur ein IT-Thema“, stimmt Dr. Sebastian Schmitz, Senior Manager bei der Industrie 4.0 Maturity Center GmbH, zu. „Die Digitalisierung hat hohes Potenzial für produzierende Unternehmen, aber viele kämpfen mit der Transformation.“ Deshalb sollten Digitalisierungsprojekte sorgfältig geplant werden und berücksichtigen, was über die Neuordnung von Datenströmen hinaus passiert.

Erste Erfahrungen haben gezeigt, wie wichtig es ist, Geschäftsprozesse und -modelle zu hinterfragen, sich bewusst mit der Unternehmenskultur auseinanderzusetzen und Mitarbeiter aktiv in die digitale Transformation einzubinden.

Big Data ist nicht mehr nur ein theoretisches Konzept – es ist schon heute Teil der industriellen Praxis mit sehr greifbaren Ergebnissen in einer ganzen Reihe von Anwendungen. Dr. Martin Hollender, ABB Corporate Research Center, nennt ein Beispiel: „Aus Produktionsdaten aus der Vergangenheit können wir Wissen destillieren, mit sich aktuelle Produktionsläufe optimieren lassen.“ Aber die Daten lassen sich auch herunterbrechen, um einzelne Komponenten zu untersuchen. „Bei Borealis gab es schwerweigende Ausfälle an einem großen Kompressor, und der Grund war nicht erkannbar“, sagt Herbert Andert, Group Leader EIC & Automation bei VTU Engineering. „Mit Hilfe von Prozessdaten aus der Vergangenheit und in enger Zusammenarbeit zwischen Technikern und Datenspezialisten konnten mögliche zugrundeliegende Ursachen identifiziert werden.“

Air Liquide geht noch einen Schritt weiter: Das Unternehmen hat in verschiedenen Regionen sogenannte „Smart Innovative Operation Centers“ (SIO) eröffnet. Sie ermöglichen nicht nur die Fernsteuerung des Betriebs und vorausschauende Wartung, sondern auch die Prozessanpassung an den Kundenbedarf in Echtzeit.

Mit der Zentralisierung und Digitalisierung des Betriebs hat Air Liquide seinen Umgang mit Daten verändert. Die Einführung der SIO-Ströme und eine kontextuelle Datenbank für Datenserien über die Zeit sind Teil dieses Wandels.

Moussa Diakhité ,Real time Engineer, Air Liquide France Industrie, France

Es mag also bald soweit sein, dass nicht mehr Öl oder Gas die wichtigsten Rohstoffe für die chemische Industrie sind; der Zugang zu Daten und das Wissen und die Methoden, aus ihnen Wert zu generieren, könnten über den zukünftigen Unternehmenserfolg entscheiden.

Jedes Unternehmen, das größere Datenmengen generiert oder darüber verfügt, muss sich mit Smart Data und Künstlicher Intelligenz auseinandersetzen, um die nächsten zehn Jahre im Markt zu überleben.

Dr. Rene Fassbender, CEO & Founder, OmegaLambdaTec GmbH, Germany

Die Rohstoffbasis erweitert sich also, und „Erkundung“ bezieht sich nicht mehr nur auf Öl- und Gasquellen: „Big Data ist das Rohmaterial der Prozessindustrie. Der zukünftige Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens hängt wesentlich davon ab, ob es in der Lage ist, Big Data auszuschöpfen“, erklärt Dr. Alessandro Butté, CEO der Schweizer Firma DataHow.

Treffen Sie diese und andere Experten beim DECHEMA-PRAXISforum Big Data Analytics in Process Industry am 9. und 10. April 2019 in Frankfurt und diskutieren Sie, was Big Data Analytics für Ihr Unternehmen bedeuten könnte. Hier geht es zum vollständigen Programm und zur Anmeldung

Welche Krise könnte Sie in Ihrem beruflichen Umfeld ereilen? Ein Brand in der Produktion, ein Unfall im Labor, eine Cyberattacke auf Ihre Daten? Wissen Sie, was dann zu tun ist? Krisen kommen plötzlich – gut, wenn man dann vorbereitet ist.

Die gute Nachricht: Man kann sich auf Krisen vorbereiten und es gibt ein „Standardinstrumentarium“, das einem dabei hilft.

Dabei ist es nützlich, sich zuallererst zu überlegen, was der schlimmste Fall ist, der das eigene Unternehmen oder den eigenen Bereich treffen kann: Können extreme Wetterereignisse zu Schäden an Gebäuden oder Einrichtungen führen oder die Produktion gefährden, weil beispielsweise aufgrund von Niedrigwasser keine Rohstoffanlieferung mehr möglich ist? Welche Auswirkungen hätte menschliches Versagen oder ein technischer Effekt? Und was passiert, wenn ein Virus oder ein gezielter Hackerangriff Ihre IT-Systeme lahmlegt?

So unterschiedlich diese Einzelfälle auch sind, eine Krise kann jeden treffen. Und dann ist umgehende Reaktion gefragt. Zugegeben, auch mit bester Vorbereitung lässt sich nicht verhindern, dass es zur Krise kommt. Aber der Umgang damit entscheidet, welche Auswirkungen sie haben wird.

Krisen sind Führungsaufgabe

Als Geschäftsführer, Betriebs- oder Laborleiter oder Kommunikationsverantwortlicher sind Sie im Krisenfall gefragt. Letztlich können Sie die Verantwortung dafür als Führungskraft auch nicht delegieren. Sie können aber dafür sorgen, dass bereits im Vorfeld jeder in der Organisation weiß, welche Rolle ihm zukommen. Wer ist Teil des Krisenstabs, und welche Aufgaben übernimmt er dort? Wer hält Kontakt zu Behörden, zur Feuerwehr, zur Presse – all dies lässt sich bereits im Vorfeld festlegen, ebenso wie die Frage, wo der Krisenstab sich trifft und welche Ausstattung für den Raum notwendig ist.

Tipp: Entwickeln Sie ein mögliches Krisenszenario für Ihre Organisation und spielen Sie es mit einem Krisenstab einmal durch – dabei erkennen Sie sehr schnell, welche Rollen, Informationen und Kommunikationsströme kritisch werden können.

Das Krisen-Instrumentarium

Egal, wie klein oder groß Ihr Krisenszenario aussieht, ein Krisenhandbuch ist unverzichtbar. Ob es gedruckt oder digital vorliegt, spielt keine Rolle (allerdings sollte es auch dann noch zugänglich sein, wenn es der Standardserver nicht mehr ist). Fortlaufend aktualisiert, enthält es Kontakt- und Telefonlisten, Verhaltensregeln, Rollen, Aufgaben und Abläufe und weitere relevante Informationen.

Auch über die Frage, wie Kommunikationsströme im Krisenfall aussehen, sollte man sich vorab Gedanken machen. Wer ist Ansprechpartner für die Presse, wer entscheidet, welche Informationen wann weitergegeben werden? All diejenigen, die sich im Zweifelfall einem Fernsehteam gegenüber sehen könnten, sollten vorher den Umgang mit der Kamera trainieren. Offenheit, Transparenz, Glaubhaftigkeit und Dialogorientierung sind Kommunikationsgrundsätze, die auch und gerade in der Krise gelten.

Tipp: „Kein Kommentar“ ist keine dauerhafte Lösung und kann zu zusätzlichem Vertrauensverlust führen. Auftritte vor der Kamera lassen sich üben – nutzen Sie ruhige Zeiten, um Routine zu entwickeln.

Ist Ihnen bewusst, wie sich Ihre wesentlichen Zielgruppen im Krisenfall aufteilen? Vergessen Sie die wichtigste nicht: Ihre eigenen Mitarbeiter. Sie sind die glaubwürdigsten Gesprächspartner und Multiplikatoren, die sie auch schon vorbereitend in die Kommunikation einbinden können. Externe Zielgruppen sind Kunden, Lieferanten, die Medien, Anteilseigner und die allgemeine Öffentlichkeit. Im Krisenfall arbeiten Sie zudem sehr eng mit Behörden und politischen Entscheidern zusammen. Alle drei Zielgruppen sollten zeitlich und inhaltlich abgestimmt mit relevanten Informationen versorgt werden.

Mehr über Krisenmanagement und wie Sie sich vorbereiten können, erfahren Sie beim DECHEMA-PRAXISforum Krisenmanagement am 3. und 4. Juni 2019 in Frankfurt. Zwei Tage kompaktes Programm mit Erfahrungsberichten, Vorträgen und interaktiven Übungen – melden Sie sich jetzt an.!

https://dechema.de/krisenmanagement

Das US Biomass Research and Development (BR&D) Board hat eine gemeinsame Strategie mehrerer Bundesbehörden vorgestellt, mit der die Entwicklung innovativer Technologien beschleunigt werden soll, um die nationalen Biomasse-Ressourcen besser für die Produktion kostengünstiger Biokraftstoffe, Bioprodukte und Bioenergie zu nutzen. Das Papier mit dem Titel The Bioeconomy Initiative: Implementation Framework wurde vom B&RD Board entwickelt – eine behördenübergreifende Kooperation unter dem gemeinsamen Vorsitz des US-Agrarministeriums und des US-Energieministeriums.

“Die sich entwickelnde Bioökonomie bietet eine Möglichkeit, neue Märkte für Landwirtschaft und Forst zu entwickeln und zu erweitern und gleichzeitig die Nachhaltigkeit der modernen Wirtschaft und Umwelt auf breiter Linie zu steigern“, sagt USDA Deputy Under Secretary for Research, Education, and Economics Scott Hutchins. “Strategische Investitionen aus Bundesmitteln dienen der Entwicklung von Technologien für die Bioökonomie, die Chancenauf erneuerbare Wertschöpfungsketten, Arbeitsplätze und wirtschaftliche Entwicklung versprechen.“

“Ein wesentlicher Nutzen der Bioökonomie-Initiative ist die Möglichkeit, den Effekt von staatlichen Investitionen in Bioenergie zu maximieren und die Innovationen in der Bioökonomie zu beschleunigen“, erklärt Energy Department Assistant Secretary for Energy Efficiency and Renewable Energy Daniel Simmons. “Biobasierte Technologie können vielfältige, bezahlbare heimische Quellen für Energie und andere Produkte erschließen und Verbraucher und Unternehmen so mit zusätzliche zuverlässiger und sicherer Energie versorgen.“

 The Bioeconomy Initiative: Implementation Framework skizziert einen Ansatz, wie die Iniative umgesetzt werden kann. Das Strategiepapier wird als Rahmen für die Mitglieder des BR&D Board dienen, um die Verantwortung der Regierung klarer herauszustellen und innovative und nachhaltige Technologien zu beschleunigen, die zu einer sicheren, zuverlässigen, bezahlbaren und langfristigen Versorgung der USA mit Energie und Gütern beitragen können.

Das Papier formuliert Ziele und Handlungsempfehlungen, um Wissens- und Technologielücken auf diesen Gebieten zu schließen:

  • Fortschrittliche Systeme auf Algenbasis
  • Genetische Optimierung, verbesserte Produktion, Management und Logistik der Rohstoffbasis
  • Biomasse-Konversion und Kohlendioxidnutzung
  • Transport, Verteilungsinfrastruktur und Verwendung
  • Analytische Betrachtung der Bioökonomie
  • Nachhaltigkeit der Bioökonomie

Das Strategie-Papier zählt Handlungen auf, mit denen die Unsicherheit bei der Technologieentwicklung angegangen werden kann und Ressourcen und Fähigkeiten aus Regierung, Wissenschat und Industrie besser genutzt werden können. Außerdem sollen Public-Private-Partnerships initiiert werden und technische Informationen erarbeitet werden, um Entscheidungsträger und Politik besser zu informieren.

Das BR&D Board umfasst Vertreter der DOE, USDA, U.S. Department of Transportation, U.S. Department of the Interior, U.S. Department of Defense, U.S. Environmental Protection Agency, National Science Foundation und das Office of Science and Technology Policy innerhalb des Executive Office of the President.

Quelle: Pressemitteilung des United States Department of Agriculture vom 5. März 2019

Sie wollen mehr aktuelle Nachrichten aus Bioökonomie und Biotechnologie? Dann abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter oder informieren Sie sich über die Aktivitäten der DECHEMA auf unserer Themenseite https://dechema.de/biooekonomie.html

Der Vorsitzende der DECHEMA-Fachgemeinschaft Biotechnologie, Prof. Dr. Roland Ulber, überreicht den DECHEMA-Hochschullehrer-Nachwuchspreis für Biotechnologie an Jun.-Prof. Dr. Alexander Grünberger

Der DECHEMA-Hochschullehrer-Nachwuchspreis für Biotechnologie 2019 geht an Jun.-Prof. Dr. Alexander Grünberger, Universität Bielefeld. Mit seinem Vortrag „Einzelzellbioreaktoren in der Biotechnologie: Science oder Fiction?“ überzeugte er nicht nur die Jury, sondern auch das Publikum der Frühjahrstagung. Drei Kandidaten hatten die Gelegenheit, in einem Vortrag ihre fachliche Exzellenz darzustellen, gleichzeitig ihre Ergebnisse aber auch verständlich und spannend zu vermitteln.

Alexander Grünberger beschäftigt sich in seiner Forschung mit der Entwicklung mikrofluidischer Einzelzellbioreaktoren und deren Anwendung im Bereich Biotechnologie und Bioverfahrenstechnik. Mit solchen „Einzelzellbioreaktoren“ können Prozesse auf der Ebene individueller Zellen statt anhand des statistischen Verhaltens von großen Populationen untersucht werden. So lassen sich Wachstum oder Metabolismus einzelner Zellen räumlich und zeitlich aufgelöst beobachten.

Alexander Grünberger stellte die Möglichkeiten dieser noch jungen Technologie in seinem Vortrag anschaulich dar und verwies dabei gleichzeitig auf die derzeit noch vorhandenen Grenzen. Damit überzeugte er Jury und Publikum nicht nur von seiner wissenschaftlichen Arbeit, sondern auch davon, dass er seine Themen auch Studierenden auf Bachelor-Niveau verständlich nahebringen kann – ein wichtiges Kriterium für die Vergabe des DECHEMA-Hochschullehrer-Nachwuchspreises.

Alexander Grünberger studierte Bioingenieurwesen an der Universität Karlsruhe/KIT, fertigte seine Dissertation am Forschungszentrum Jülich an und promovierte 2014 an der RWTH Aachen. Anschließend war er als Postdoktorand am Forschungszentrum Jülich tätig, bevor er 2017 eine Junior-Professur an der Universität Bielefeld übernahm. Alexander Grünberger erhielt mehrere Auszeichnungen und Stipendien, darunter den Bioeconomy PhD Award 2014 des Bioeconomy Science Center, den VAAM PhD Award 2015 und eine Helmholtz Postdoctoral Fellowship 2016.

Der DECHEMA-Hochschullehrer-Nachwuchspreis für Biotechnologie wird jährlich an eine Wissenschaftlerin oder einen Wissenschaftler vergeben, die im Rahmen eines Vortrags sowohl hohe fachliche Exzellenz als auch die Fähigkeit bewiesen haben,  ihr Fachwissen in hervorragender Weise an Studierende zu vermitteln. Er ist mit 1500 Euro dotiert.

Neuer Service ermittelt das Marktpotenzial von Biotech-Forschungsprojekten

KETBIO, eine Initiative, um Forschungsergebnisse in den Markt zu bringen, hat ein neues Online-Portal für Biotechnologie als Schlüsselforschung aufgesetzt. Die interaktive Plattform ermöglicht der Biotech-Community nicht nur, sich online zu vernetzen und auszutauschen, sie eröffnet auch die Möglichkeit, sich auf den Markteintritt vorzubereiten: Das wichtigste Angebot von KETBIO ist die Evaluierung des Marktpotenzials von vielversprechenden Biotechnologie-Projekten.

Die Plattform steht allen Industrieexperten und Wissenschaftlern auf den verschiedenen Gebieten der Biotechnologie offen. Mit der kostenfreien Registrierung erhalten sie Zugang zu einer großen Bandbreite an Angeboten – Networking mit Experten und Gleichgesinnten, die Vorstellung von Projektprofilen, Suchen und Finden von Technologien, Marktdaten, Webinare und Kontakt zu Firmen. Hochrangige Vertreter der Biotech-Industrie sind eingeladen, dem Commercial Committee von KETBIO beizutreten, Projektergebnisse zu bewerten und Empfehlungen für die Kommerzialisierung zu geben. Durch die zusätzliche Bewerbung und mehr Sichtbarkeit für vielversprechende Projekte, die auf Industrieveranstaltugnen präsentiert werden, durch Beratung oder Unterstützung bei Lizenzfragen helfen die KETBIO-Technologietransfer-Experten dabei, Forschungsergebnisse schneller in den Markt zu bringen.

KETBIO ist eine EU-finanzierte Coordination Action im Forschungsprogramm HORIZON 2020 für Forschung in Schlüsseltechnologien. Die Initiative soll die europäische Innovationsfähigkeit fördern. Biotechnologie-Forschung ist einer der wesentlichen Treiber für die Kreislaufwirtschaft und bietet Technologie für verschiedene Gebiete wie Bioraffinerien, Meeres- und Süßwassertechnologien, Energie- und Abfallverwertung, Lebensmittel-, Futtermittel- und Textilproduktion, Landwirtschaft und vieles mehr.

Insgesamt umfassen die Schlüsseltechnologien (Key Enabling Technologies, KET) sechs Technologien: Mikro- und Nanoelektronik, Nanotechnologie, Industrielle Biotechnologie, Advanced Materials, Photonik, und fortschrittliche Produktionstechnologien. Die Initiative „Leadership in Enabling and Industrial Technologies (LEIT)“, die die industriellen Fähigkeiten in Europa weiterentwickeln soll, ist Teil des Programms HORIZON 2020. Sie unterstützt die Entwicklung von Technologien, die Innovationen in einer ganzen Reihe von Branchen ermöglichen. Das 2017 begonnene KETBIO-Projekt gehört zur Implementierungsphase. Das Konsortium unter Leitung der DECHEMA vereint Kenner der chemischen Industrie, Wissenschaftler, Innovations- und Technologie-Transferexperten und Kommunikationsfachleute aus sechs europäischen Ländern.

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