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Frühjahrstreffen 2019 der VBU-Managerinnen

Haben Sie auch schon einmal versucht, einem Kleinkind Hustensirup einzuflößen? Oder ärgern sich darüber, dass beim Öffnen der Tablettenpackung immer der Beipackzettel im Weg ist? Damit Medikamente die gewünschte Wirkung entfalten, gehört mehr dazu als der hochpotente Wirkstoff; denn der muss auch in der richtigen Menge und zur richtigen Zeit in den Patienten gelangen, und das ist mitunter alles andere als einfach. Multimorbide Patienten kapitulieren vor der Tabletten-Batterie auf dem Frühstückstisch, Patienten dosieren versehentlich zu viel oder zu wenig, und das Kleinkind spuckt den Sirup wieder aus.

Wie es auch anders gehen kann, erfuhren die Teilnehmerinnen des diesjährigen Frühjahrstreffens der VBU-Managerinnen in den Life Sciences. Knapp 30 Frauen aus Wissenschaft und Industrie waren zu Gast bei tesa Labtec in Langenfeld.

Wer bei tesa zuerst an Haftklebestreifen denkt, ist in diesem Fall auf dem Holzweg: Das Unternehmen gehört zu den führenden Entwicklern und Herstellern von pharmazeutischen Spezialdarreichungsformen. Darunter fallen beispielsweise sogenannte „Rapid Films“, die sich auf der Zunge in Sekundenschnelle auflösen (und die das Kleinkind nicht ausspucken kann). „Mucofilms“ dagegen werden z.B. in die Wange appliziert und können dafür sorgen,  dass der Wirkstoff nicht oral, sondern über die Schleimhaut aufgenommen wird und damit unerwünschte „first pass“-Effekte, also eine unmittelbare Metabolisierung, vermieden werden. Und jeder kennt die Wirkstoffpflaster, die Schmerzmittel über einen längeren Zeitraum über die Haut in den Organismus bringen.

Wie viel Entwicklungsarbeit hinter solchen Anwendungen steckt, wurde bei einem Rundgang durch das Unternehmen deutlich: Von der Forschung, um das geeignete Filmmaterial, die richtige Formulierung und die Verarbeitung zu entwickeln, über das Entwicklungslabor, in dem die Chargen „im Kleinen“ hergestellt werden, bevor die Verfahren in Hamburg in die Produktion gehen, zeigten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Schritt für Schritt, welche Parameter zu beachten sind. Da geht es um die Dosierung und Freisetzung des Wirkstoffs, aber auch um die Klebkraft von Pflastern und den Durchgang des Wirkstoffs aus dem Pflaster durch die Klebschicht auf die Haut. Letzterer wird in der Analytik an echten Hautproben getestet, die nicht nur von Schweinen stammen, sondern dank der Nähe zu Düsseldorfer Schönheitskliniken von freiwilligen Spendern und damit auch vom Menschen verfügbar sind.

Je leichter ein Medikament zugänglich ist, desto größer ist allerdings auch die Gefahr des Missbrauchs: Darauf wies die Gastgeberin, die Geschäftsführerin von tesa labtec Dr. Helge Lubenow, in einem eindringlichen Vortrag hin. Hier sind nicht nur die Hersteller, sondern auch Ärzte, Patienten und Gesetzgeber in der Pflicht, um Folgen wie die US-Opiatkrise von vornherein zu verhindern.

Überhaupt ist der Patient längst nicht mehr nur ein „Duldender“, wie es der lateinische Wortursprung nahelegt. Er muss vielmehr als aktiver Teil des Gesundheitssystems handeln und auch so wahrgenommen werden. Wie diese Rolle aussehen kann, schilderte Philipp von Gallwitz in seinem Vortrag zu „Patient Engagement aus Industriesicht“ – ein Plädoyer für mehr Austausch zwischen Patienten, Herstellern und Behörden. Dass auch die „klassische“ Tablette leichter ihren Weg in den Patienten finden könnte, wenn man den denn nur stärker berücksichtigen würde, zeigte Prof. Dr. Sven Stegemann in seinem trotz des ernsten Themas vergnüglichen Vortrag zu „Alt, multimorbid und selbständige Arzneimitteleinnahme – ein Realitätscheck“.

So bleibt von diesem Treffen die Erkenntnis, dass mit etwas mehr Aufmerksamkeit für ein patientenfreundlicheres Design der Medikamentenumverpackung der Beipackzettel nicht im Weg sein müsste. Es bleibt aber auch der große Respekt vor der Innovationskraft und dem Ideenreichtum der Entwickler, die immer neue Wege gehen, um die Medikamenteneinnahme zuverlässiger und sicherer zu machen. Es bleiben neue Kontakte und das Wiedersehen mit alten Bekannten – und es bleibt ein großes Dankeschön an die hochmotivierten Gastgeber!

Save the Date: Herbsttreffen der VBU-Managerinnen am 25. Oktober 2019 in Frankfurt

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Hand aufs Herz: wissen Sie, ob Ihr Unternehmen oder Ihre Organisation von Force Majeure betroffen sein könnte? Und was wäre in so einem Fall zu tun?

Hinter Force Majeure, einem Begriff, der so unscheinbar und schon fast charmant französisch klingt, verbirgt sich ein Krisenfall, der ein Unternehmen oder Institution allen Vorbeugemaßnahmen zum Trotz ereilen kann. Umgangssprachlich bekannt als „höhere Gewalt“, umfasst der Begriff Naturkatastrophen, aber auch Brände, Bürgerkriege, Geiselnahmen und Sabotagen – kurz gesagt, Ereignnise, die unvorhergesehen und ohne Ihr eigenes Verschulden die Produktionskette in Ihrem Betrieb unterbrechen können.

In der deutschen Rechtssprechung gehört Force Majeure zum Zivilrecht. Nach §275 BGB sind Vertragspartner von der Leistungspflicht freigestellt, soweit die Erbringung der Leistung für den Schuldner oder für jedermann unmöglich ist. Im englischsprachigen Raum lassen sich Force-Majeure-Fälle weniger einfach regeln. Das dort herrschende Common Law befreit den Lieferanten nicht von seiner Leistungspflicht und sieht unter Umständen Schadensersatzansprüche vor.

https://dechema.de/krisenmanagement.html

Kein allgemeinverbindlicher Standard

Jedes Unternehmen muss für sich klären, wann tatsächlich Force Majeure ausgerufen werden muss. Damit man sich auf Force Majeure berufen kann, muss die Kommunikation „unverzüglich, ohne schuldhaftes Zögern“ erfolgen. Das schließt aber nicht aus, dass zunächst geprüft wird, ob eine Ersatzproduktion oder –lieferung möglich ist. Könnte Ihr Unternehmen von Force Majeure betroffen sein, sollten Sie bereits im Vorfeld festlegen, welche Prüfschritte vorzunehmen sind und bis wann spätestens die Entscheidung über die Mitteilung von Force Majeure gefällt werden muss.

Ist es dann soweit, müssen die Kunden umgehend und sachlich informiert werden – und falls der Kunde seinerseits Verpflichtungen erfüllen kann, muss er wiederum seine Kunden informieren.

Gute Vorbereitung zählt

Force Majeure ist ein Krisenfall, auf den man sich gut vorbereiten kann. Zur Vorbereitung gehört die Definition des Force-Majeure-Falls und ein Force-Majeure-Handbuch, das Abläufe und Verantwortlichkeiten regelt. Um die Folgen einer Force Majeure gut zu managen, bedarf es aber auch Kenntnissen nicht nur über die eigenen Produkte, sondern auch die Kunden und deren Prozesse und Märkte.


Mehr über den Umgang mit Force Majeure und mit vielen anderen Krisen erfahren Sie beim DECHEMA-PRAXISforum Krisenmanagement am 3. und 4. Juni in Frankfurt. Werden Sie fit für die Krise und melden Sie sich jetzt an!

Nichts geht mehr ohne Startups. Ständig kommen neue Gründer hinzu, die gute Ideen und neue Konzepte auf den Markt bringen. Auch die deutsche Chemieindustrie braucht Startups, weil die jungen Unternehmen viel flexibler als große Konzerne sind und unvoreingenommen disruptive Ideen und neue Strukturen entwickeln. Bisher war die Gründungsfreudigkeit in der Branche aber eher gering. Damit sich das ändert, gibt es seit September vergangenen Jahres das Forum Startup Chemie, das junge Unternehmen unterstützt und sich für die Verbesserung der Rahmenbedingungen einsetzt.

Bei der 2. Stakeholderversammlung am vergangenen Donnerstag trafen sich die Arbeitskreise des Forums und Vertreter aus der Industrie, kleinen und mittelständischen Unternehmen, dem Kapitalmarkt, von Startups, Verbänden und aus den Gesellschaften im DECHEMA-Haus, um erste Ergebnisse zu präsentieren, über die Arbeit des Forums zu diskutieren und zu netzwerken.

Und die Arbeitskreise des Forums Startup Chemie waren fleißig! Der Arbeitskreis „Gründung“, der sich um Startups bis zwei Jahre nach Gründung kümmert, berichtete von seinen Analysen zur Hochschul-Gründerlandschaft im Bereich Chemie und stellte unter anderem identifizierte Gründungshindernisse vor. Der Arbeitskreis „Wachstum“ hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, nachhaltiges Wachstum von Chemie-Startups zu fördern. Hierfür müssen Startups ihre Einnahmen zunehmend auch aus Aufträgen von Kunden generieren. Dazu brauchen die Startups mehrSichtbarkeit in der Branche. Als eine Maßnahme dafür präsentierte der Arbeitskreis eine Datenbank, die einen Überblick über die etwa 200 deutschen Chemie-Startups und ihre Produkte bzw. Dienstleistungen gibt. Außerdem präsentierte der Arbeitskreis ein Positionspapier zu kritischen Punkten bei Verträgen zwischen Startups und etablierten Unternehmen. Das Papier wird kontinuierlich weiterentwickelt und die aktuelle Version kann auf der Homepage des Forums abgerufen werden. An neuen Geschäftsmodellen für die gegenseitige Unterstützung von Startups und Unternehmen an der Schnittstelle von Chemie und Digitaler Wirtschaft hatte der Arbeitskreis „Chancenfeld Digitalisierung“ gearbeitet und, unter anderem, eine Session beim PRAXISforum Big Data Analytics in Process Industry der DECHEMA organisiert.

Sehr unterhaltsam und lehrreich war der Vortrag von Calin-Mihai Isman, Berater, Mediator und Geschäftsführer von Isman & Partner. Er gab Startups praktische Tipps zum Thema Verhandlung und erklärte sehr anschaulich, worauf Gründer bei der Verhandlung mit Corporates besonders achten sollten. Einen Raum zum Ausprobieren und Gründen finden Chemiestudenten und -doktoranden in der Chemical Invention Factory, die der Geschäftsführer Sebastian Müller und Prof. Dr. Matthias Drieß (Professor für Chemie TU Berlin) vorstellten. Daneben präsentierte Dr. Frank Funke die Angebote des Digital Hub Rhein-Neckar, welches digitale Innovationen durch die Zusammenarbeit von Startups, KMUs und Corporates im Bereich der Chemie und der Gesundheit fördern möchte.

© peshkova – stock.adobe.com

Um den Blick nach vorne ging es anschließend in den Sitzungen der Arbeitskreise. Hier wurden die Aufgaben für die nächsten Monate besprochen und das weitere Vorgehen geplant. Das nächste Stakeholdertreffen des Forums findet im November dieses Jahres statt. Wenn Sie auch als Stakeholder im Forum Startup Chemie mitwirken wollen oder Fragen zur Unterstützung durch das Forum haben, wenden Sie sich an Dr. Sebastian Hiessl (info@forum-startup-chemie.de).

Wer Energie spart, spart auch CO2 und Kosten. Das liegt auf der Hand. Kompliziert wird es aber bei der Umsetzung, denn hier spielen viele Faktoren eine Rolle. Für industrielle Wasserkreisläufe gibt es jetzt eine Plattform, die Unternehmen auf dem Weg zu mehr Energieeffizienz unterstützt. An ihrer Entwicklung war auch die DECHEMA im EU-Projekt WaterWatt beteiligt. Im Interview erklärt Dr. Jochen Michels, wissenschaftlicher Koordinator des Projekts, wie die Plattform eingesetzt werden kann und welche Einsparungen möglich sind.

Was ist die E3-Plattform?

E3 steht für Energie, Effizienz, Evaluation. Auf dieser internetbasierten Plattform kann man sich über Energieeffizienz in industriellen Wasserkreisläufen informieren und seine eigenen Kreisläufe evaluieren. Man kann also einmal durchprüfen, wie energieeffizient sie im Vergleich zu Wasserkreisläufen, die wir als Beispiele hinterlegt haben, schon sind. Man kann Verbesserungsvorschläge nachlesen oder im Simulator durchtesten.

Startseite der E3-Plattform

An wen richtet sich die E3-Plattform?

Wir gingen erst davon aus, dass sie sich direkt an die Unternehmen richtet, an große Unternehmen, die industrielle Wasserkreisläufe einer bestimmten Dimension betreiben. Das sind in der Regel Großindustrien, die auch eigene Energieteams haben, die sich um die Energieeffizienz in den Anlagen kümmern. Das ist aber nur eine relativ kleine Gruppe, die aber auch durchaus interessiert ist. Allerdings muss man sagen, dass die alle schon Lösungen haben, weil sie vom Gesetz her verpflichtet sind, sich alle drei Jahre in Bezug auf Energieeffizienz evaluieren zu lassen. Das ist eine gesetzliche Vorgabe der EU.

Deswegen muss man sagen, dass wir uns mit diesem WaterWatt-Projekt eher an kleine und mittelständische Unternehmen wenden, die zwar nicht gesetzlich verpflichtet sind, Energieeffizienzmaßnahmen zu ergreifen, aber wo die EU es sehr unterstützt, wenn sie es tun. Es lohnt sich für diese Unternehmen auch erst, wenn sie eine bestimmte Mitarbeitergröße haben, weil Energieeffizienzevaluation immer auch bedeutet, dass mindestens ein Mitarbeiter, wenn nicht gar ein Team, für diese Aufgabe zuständig sein muss.

Interessant ist die Plattform auch für Berater. Die waren, wenn wir das Projekt vorgestellt haben, immer sehr interessiert, weil sie die Plattform nutzen können, um ihren Kunden Energieeffizienzmaßnahmen zu erklären. Ein Consultant kann sich mit diesem doch recht komplizierten Simulator auseinandersetzen, kann die Kreisläufe dort abbilden und seinen Kunden gleich zeigen, wie viel Energie im Jahr gespart werden kann, wenn er Pumpe X und Filter Y durch etwas anderes ersetzt. Solche Tools gibt es eigentlich nicht auf dem freien Markt oder zumindest nicht kostenlos und sie sind auch relativ kompliziert. D.h. es lohnt sich eigentlich weniger für Unternehmen, sich einmalig dort einzuarbeiten, aber es lohnt sich für einen Berater, der viele Kunden hat, bei denen er das Tool regelmäßig einsetzen kann.

Wie kann die Plattform eingesetzt werden? Welche Vorteile hat sie?

Die Situation vor drei Jahren, als wir mit dem Projekt angefangen haben, war, dass es eigentlich gar kein Bewusstsein für diese Nebenkreisläufe in der Industrie gab. Für ein Unternehmen ist wichtig, dass der Prozess läuft. Und der Prozess an sich, was auch immer produziert wird, muss energieeffizient sein. Das ist schon richtig. Aber in der Regel hängt bei vielen Unternehmen der Prozess auch daran, dass der industrielle Wasserkreislauf funktioniert. Nehmen wir als Beispiel ein Walzwerk, das Walzstahl herstellt. Die Maschinen, die den Stahl walzen, werden permanent mit Wasser gekühlt, damit sie durch den geschmolzenen Stahl nicht selber angegriffen werden. Wenn da die Kühlung ausfällt, steht der ganze Prozess still. Und deswegen ist es ihnen eher egal, wie viel Wasser sie dort verbrauchen, Hauptsache die Kühlung funktioniert. Ein Stahlwerk braucht natürlich viel mehr Energie, um den Stahl aufzuschmelzen. Da muss also auch ein Umdenken stattfinden, weil es auch hier in der Summe um sehr viel Energie geht und damit auch sehr viel CO2, das bei der Energieproduktion anfällt. Man geht davon aus, dass es um die 10.000 Gigawattstunden für die gesamte EU sind, die eingespart werden können.

Abhängig von den kontextabhängigen Faktoren werden natürlich nicht alle Unternehmen die Maßnahmen umsetzen. Eine Checkliste mit den kontextabhängigen Faktoren, die Unternehmen bei der Berechnung berücksichtigen sollten, findet sich im Informationsteil der Plattform. Dort gibt es auch E-Learning-Module und weitere Infos. Jeder muss für sich selbst bestimmen, welche Faktoren auf die eigene Situation zutreffen. Es reicht z.B. nicht zu sagen, dass man eine neue Pumpe kauft. Man muss schauen, ob man nicht Fördergelder dafür bekommen kann. Muss ich meine Mitarbeiter für diese neue Pumpe schulen, habe ich Mehrkosten. So geht es rauf und runter und das muss man alles berücksichtigen, wenn man so eine Investitionsentscheidung trifft. Für die Entscheidung reicht es nicht zu sagen, dass eine neue Pumpe so und so viel Wasser und Energie spart. Auch die Frage nach der maximal tragbaren Amortisationszeit, die für jedes Unternehmen unterschiedlich ist, spielt eine Rolle. So etwas kann der Unternehmer nur selber entscheiden. Dafür geben wir dem Unternehmen oder Berater die Tools an die Hand. Wir bieten eine riesige Datenbank auf der Website die von vielen Anbietern Pumpen, Filter und Kühltürme sowie andere Teile enthält, die in einem industriellen Wasserkreislauf verwendet werden. Deren Kenndaten, die für die Energieeffizienz sprechen, haben wir auf einen gemeinsamen Nenner gebracht, so dass wir in einer großen Tabelle darstellen können, wie energieeffizient bestimmte Komponenten sind, so dass man sie auch untereinander vergleichen kann.

Neben den Infos bieten wir auf der Plattform im Moment zwei Möglichkeiten zur Evaluierung an: Das eine ist die Selbstevaluierung. Man kann also die ganzen Tools, einen kurzen Fragebogen und den Simulator nutzen. Oder man füllt einen umfangreicheren Fragebogen aus, der an unsere Partner im Projekt geschickt wird, und kann dort eine kostenpflichtige Beratungsleistung anfordern. Das Projekt ist jetzt zu Ende, aber die Finanzierung für die Plattform ist in der Form noch für ein Jahr gesichert. Die Idee ist, dass zwei unserer Partner daraus ein Unternehmen gründen und mit dem Tool einerseits an Unternehmen herangehen, andererseits Berater schulen. Dieses Spin-off soll die Plattform dann weiter kostenlos anbieten. Darüber hinaus wird die geplante Firma auch kostenpflichtige Beratungen anbieten.

Konzept des Projekts WaterWatt

Wie sollte ein Unternehmen vorgehen, wenn es sein Einsparpotenzial auf der Website berechnen möchte?

Sinnvoll ist, sich erst mal mit der Website vertraut zu machen und einen Überblick über die Tools zu bekommen, z.B. mit unserer Broschüre. Wenn es dann an die Simulation geht, kann man natürlich alle Komponenten im Simulator darstellen. Dahinter verbergen sich noch jede Menge Eingabefelder mit notwendigen Daten, damit die Simulation am Ende läuft. Das ist ein iterativer Prozess. Man kann auch jeden Zwischenstand speichern, wenn z.B. noch Daten fehlen, und dann an der Stelle weitermachen. Das ist auch nützlich, wenn man einen Energieaudit durchführt und die Zwischenschritte mit dem Auditor bespricht.

Jetzt ist eine gute Zeit, sich um die Energieeffizienz zu kümmern, weil es viele Fördermittel gibt. Die EU hat eine eigene Energieeffizienz-Richtlinie herausgegeben, die aktuell zwar nur die Großunternehmen verpflichtet, Energieaudits zu machen und regelmäßig zu dokumentieren, wie sie energieeffizienter werden. Für kleine und mittelständische Unternehmen gilt das nicht. Aber es gibt sehr viele Programme, um sie auch zum Audit zu bewegen und sie dabei zu unterstützen, energieeffizienter zu werden. Je energieeffizienter ein Unternehmen, desto wirtschaftlicher. Es lohnt sich also auch für kleinere Unternehmen mal zu schauen, wo man etwas einsparen kann.


Dashboard des Simulators

Welche Einsparungen sind möglich?

Für die Marktanalyse haben wir sehr viele Berichte von ähnlich gelagerten Fällen gelesen. Da wurden schon Case Studies gemacht, die versucht haben, das Einsparpotenzial zu erfassen. Und es lag immer zwischen fünf und zehn Prozent des Energieverbrauchs des Kreislaufes eines Unternehmens.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Michels.


Interview with Michele Aresta, Initiator of ICCDU and Member of the International Committee

This year’s ICCDU is the 17th edition of the event. What were your expectations when you started this series?
ICCDU was started after two Summer Schools funded by NATO on “CO2 as Carbon Source, 1986” and “Reaction Mechanisms in Enzymatic and Model carboxylation and reduction reactions based on CO2, 1989”.  The ICCDU Series was started for being the international forum where the scientific community working on CO2 conversion could meet. And this has been ICCDU since its start.

How would you describe the first ICCDU – was this more an academic discussion, or did you already envision concrete applications?
Surprisingly, in the 1980s there were already practical applications in the field of polymers from CO2 (Al-based catalysts) which went on stream. The scientific discussions already covered other themes such as CO2 reduction, photocatalysis, synthesis of fine chemicals, polymers such as polyurethanes and polycarbonates and so on. What people do today was well known in the 1980s. The interest in CO2 chemistry was at that time boosted by the“oil crisis” (1973, 2000s).  Climate change was not yet a serious issue. The low cost of oil has decreased the interest in CO2 conversion in the 2000-2010s. Now the push comes from climate change, a completely different motivation.
The scheme below was developed in 1987: it presents the vision I had about CCU 30 years ago:


 An Integrated approach to CO2 Utilization, M. Aresta, NATO ASI Series 1989.

The routes to go were very clear to me at that time! We are running now along those paths.

How has CCU (not the conference, but the technology) evolved since the first ICCDU? What expectations were met, what not? And did unexpected develpoments occur?
As I wrote in a paper published in JCOU in 2013 “The changing paradigm in CO2 conversion”, the availability of cheap PV-H2 makes possible today the exploitation of CO2 reduction to energy products, that did not make sense in a fossil-C based energy frame as it was in the 1980s. And this is a big step towards “circular economy of C”.

What is special about ICCDU compared to other events on the topic of CCS and CCU?
ICCDU is a scientific forum and gathers scientists from usually 35+ countries. In 2015 we had over 40 countries present. It is a global conference that has since a few years opened up to policy makers and industrialists: this is a must these days.

From your personal point of view, what are you looking forward to most at this year’s ICCDU?
In future years ICCDU will be more and more inclusive and will sustain the development of new science and technology in the direction of implementing a circular C-economy by integrating CO2 conversion, biotechnologies, and biomass utilization. Integration of biotechnologies, catalysis, photocatalysis is essential for CCU. Synthetic photochemistry is a key step. Integration with nature is essential. Learning from nature is our future.

What will, from your personal point of view, be the „next big thing“ in CCU?
Direct co-processing of water and CO2 for developing an “Economy based on CO2 and water”! This is the title of my most recent book published with Springer and this is my vision since ever.
CCU is cycling Carbon. CO2 is renewable carbon: one can cycle it again and again as Nature does. This is the basis of bioeceonomy: CCU is integrated with the Bioeconomy concept. We should not make the mistake of keeping biomass utilization and CCU apart! They must be integrated.

Join ICCDU 2019 in Aachen and discuss the opportunities and applications of carbon capture and utilization with experts from research and industry from all over the world!

Rückblick auf den Infotag „Phosphor aus Klärschlamm“

Anfang April 2019 veranstaltete die DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. gemeinsam mit der Deutschen Phosphor-Plattform DPP e.V einen Infotag „Phosphor aus Klärschlamm – Wie Sie die Phosphorabreicherung bestimmen können!“ in Frankfurt am Main. Neben Vorträgen zur Gesetzgebung und Analytik informierten die Referenten über Anwendungen von Phosphor im alltäglichen Leben; bei einem interaktiven Quiz erfuhren die Teilnehmer  erstaunliche Fakten über Phosphor. Ziel der Veranstaltung war es, einen umfassenden Überblick über Phosphor zu geben und so die Notwendigkeit der Phosphor-Rückgewinnung nicht nur auf Basis von gesetzlichen Vorschriften, sondern aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und zu diskutieren.

Die rund 60 Teilnehmer wurden bei der Veranstaltung aktiv mit eingebunden. Neben einem Quiz über Phosphor, an dem die Teilnehmer in den Pausen teilnehmen konnten, wurden auch Versuche gezeigt, um die unterschiedlichen Eigenschaften von Phosphor für die Teilnehmer erlebbar zu machen.

Ebenso wichtig wie die technische Anwendung von Phosphaten in Reinigern, Farben und Baustoffen ist die Anwendung von Phosphaten in Lebensmitteln. Hierzu veranschaulichte Dr. Rainer Schnee, 1. Vorsitzender der DPP, in seinem Vortrag auf die Bedeutung von Phosphaten für die Qualität von Backwaren, Fleisch- und Milchprodukten hin. In Fleischprodukten werden sie beispielsweise eingesetzt, um das Fleisch saftig zu halten, da sie durch einen hochspezifischen Effekt auf das Wasserbindevermögen von Fleisch, Fisch und essbaren Meerestieren einwirken können.

Nach der Anwendung von Phosphat in Lebensmitteln und technischen Anwendungen stand am Nachmittag der Klärschlamm  im Mittelpunkt. Dr. Martin Loew, ICL Food Specialties, informierte über aktuelle Methoden für die Phosphoranalytik mit Schwerpunkt auf der Charakterisierung von Klärschlämmen. Hans-Walter Schneichel, Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz, stellte in seiner Funktion als Obmann des zuständigen Ad-hoc-Ausschusses der Länderarbeits-gemeinschaft Abfall (LAGA), den aktuellen Stand der Vollzugshinweise zur Umsetzung der Klärschlammverordnung dar und Dr. Daniel Frank von Isle Utilities gab einen Überblick zur momentanen Situation der Umsetzung in Deutschland. Auch die Notwendigkeit einer Frachtenbetrachtung bei der Abreicherung von Phosphor aus Klärschlamm wurde angerissen. Bei einer abschließenden Podiumsdiskussionkonnten die Teilnehmer ihre Fragen mit in die Diskussion einbringen.

Mehr zum Thema Rohstoffe und zu aktuellen Veranstaltungen finden Sie auf der Webseite der DECHEMA zum Fokusthema Rohstoffe.

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Standardisierung und Normung sind mittlerweile ein wichtiger Aspekt in vielen Branchen, damit der Handel auf dem europäischen Binnenmarkt und die Zusammenarbeit von Akteuren aus unterschiedlichen Ländern und Industrien reibungslos verlaufen. Häufig entstehen dabei, wie etwa im EU-Projekt SHAREBOX, sogenannte CEN Workshop Agreements (CWAs). Aber was ist ein CWA eigentlich und wozu ist es gut?

In den drei europäischen Organisationen CEN, CENELEC und ETSI arbeiten die nationalen Normungsorganisationen europäischer Länder, z.B. die DIN für Deutschland, an einheitlichen Regelungen für verschiedene Industrie- und Dienstleistungsbereiche. Die Themenfelder reichen dabei von der Chemie, Nanotechnologie und dem Transportwesen bis zur Nahrungsmittelindustrie, Konsumgütern und Smart Living, um nur einige zu nennen. Im CEN (European Committee for Standardization) entstehen beispielsweise europäische Normen, die den Handel erleichtern, die Qualität und Sicherheit von Produkten steigern und die Kosten senken, weil keine Produktanpassungen an abweichende Regeln im Absatzland nötig sind.

Eine weitere Möglichkeit sind CEN Workshop Agreements (CWAs), die als offizielle Einigung beispielsweise Best Practices, technische Spezifikationen und Anleitungen enthalten. Wie Normen können sie für viele verschiedene Fachgebiete aufgestellt werden. Sie haben nicht den gleichen Stellenwert wie eine europäische Norm, haben z.B. keine nationale Verbindlichkeit und ihre Anwendung ist freiwillig, können aber eine Vorstufe auf dem Weg zu einer Norm sein.

Der Vorteil ist, dass CWAs schneller erstellt werden können und kostengünstiger sind. So kann ein CWA in fünf bis 18 Monaten entwickelt und beschlossen werden, wogegen die Erarbeitung einer Norm Jahre braucht. Auch der Prozess ist flexibler und die Abläufe im Vergleich zum Entstehen einer Norm vereinfacht. Teilnehmen können alle Akteure aus Unternehmen, Vereinigungen, Regierungen und Akademia, die ein berechtigtes Interesse an dem Thema haben, also auch aus angrenzenden Industrien. Dabei gibt es keine lokale Beschränkung, so dass Beteiligte aus Ländern außerhalb Europas mitwirken dürfen. Der Großteil der Arbeit läuft elektronisch ab, was Zeit und Kosten für persönliche Treffen spart. Ähnlich einer Norm werden die Entwürfe online zur Verfügung gestellt, so dass die Öffentlichkeit diese kommentieren und wichtigen Input liefern kann. Gleichzeitig bringen CWAs viele Stärken der Normen mit und halten beispielsweise einheitliche Definitionen, Regelungen und Rahmenbedingungen, technische Anforderungen oder die Beschreibung von Datenbanken offiziell fest, an denen sich Stakeholder aus Industrie, Öffentlichkeit und Politik orientieren können. Die Dokumente sind über CEN und die nationalen CEN-Mitglieder erhältlich und werden teilweise kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Ein Beispiel: Um Ressourcen nachhaltiger und effizienter zu nutzen, schafft die industrielle Symbiose Verbindungen zwischen Unternehmen, die als Nebenprodukt oder „Abfall“ (z.B. Chemikalien, Abwärme oder Industriewasser) das produzieren, was andere Betriebe als Rohstoff einsetzen. Ein europaweit einheitlicher Rahmen fehlte bisher. Im EU-Projekt SHAREBOX, an dem auch die DECHEMA beteiligt ist, entstand nun in Zusammenarbeit mit drei weiteren EU-Projekten ein CWA, das einen Konsens zu den Kernelementen der industriellen Symbiose liefert und Ansätze für bewährte Verfahren aufzeigt. Das Dokument soll eine leichtere Identifizierung der Industriellen Symbiose ermöglichen. Akteure aus der Industrie und Kommunen können sich informieren und auf gemeinsame Elemente und Ansätze zurückgreifen, was die Etablierung von industriellen Symbiosen erleichtert und eine Grundlage für Politik, Empfehlungen und eine umfassende Umsetzung bildet.